Abschied von der Präsenzbörse?

Frankfurter Parketthandel vor Reform

Blick in die künftige Vergangenheit?

Blick in die künftige Vergangenheit?

30. Juni 2009 Der Frankfurter Parketthandel steht vor einer einschneidenden Reform. Geht es nach den Plänen der Deutschen Börse, wird der auch als Skontroführer bezeichnete Börsenhändler abgeschafft. Der gesamte Aktienhandel soll fortan auf der elektronischen Börse Xetra erfolgen.

Der Börsenrat hat diese Reform bereits im April diskutiert und könnte auf seiner nächsten Sitzung an diesem Donnerstag einen entsprechenden Beschluss fällen. Beobachter rechnen jedoch eher mit einer intensiven Diskussion und einer Vertagung des endgültigen Beschlusses.

Wesentlicher Teil des Handels schon elektronisch

Der wesentliche Teil des Aktienhandels findet bereits über das elektronische System Xetra statt. Der Handel mit Zertifikaten wurde im April 2008, der Fondshandel im Dezember 2008 auf Xetra überführt. Der Handel von Fonds und Zertifikaten wird allerdings durch Spezialisten unterstützt. Dies ist auch für die überführten Aktien denkbar - oft kleinere, wenig liquide Titel. Die Aufgabe des Spezialisten ist dabei dem des Börsenhändlers ähnlich. Sie sollen gewährleisten, dass Handel zu günstigen Konditionen in den Wertpapieren stattfindet. Bei Bedarf kaufen oder verkaufen sie Wertpapiere und gehen damit selbst ins Risiko. Durch die Überführung des Handels auf Xetra und damit in Privatrecht könnte die Deutsche Börse fortan streng nach Leistungskriterien wie der Geschwindigkeit der Handelsausführung und der Zahl der gestellten Kurse am Tag ihre Spezialisten aussuchen.

Nach gerichtlichen Auseinandersetzungen mit der Wertpapierhandelsbank Renell sah sich die Börse bisher im öffentlich-rechtlich organisierten Parketthandel dazu gezwungen, einen Teil - derzeit die Hälfte - der betreuten Orderbücher der Wertpapiere (Skontren) ohne die Berücksichtigung von Leistungskriterien zu vergeben. Eine Überführung auf Xetra könnte somit im Idealfall zu besserer Kursqualität und schnellerem Handel führen.

Insbesondere einige kleinere Wertpapierhandelsbanken sehen diese Vorteile durch eine Überführung auf das Xetra-System nicht. „Der Parketthandel in seiner jetzigen Form funktioniert tadellos, und die Deutsche Börse hat damit vergangenes Jahr 34 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet“, sagt Uwe Hellwig, Geschäftsführer der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Die Deutsche Börse habe die Leistungsfähigkeit der Börsenhändler gemessen und ihnen stets exzellente Qualität bescheinigt. Hellwig vermisst daher einen ergebnisoffenen Dialog mit der Börse über die künftige Ausgestaltung und Optimierung des Parketthandels. „Einen Grundsatzbeschluss des Börsenrates für die Abschaffung des Parketthandels, ohne dass die Börse konkret sagt, was danach kommen soll, lehnen wir ab“, sagt Hellwig, der gleichzeitig Sprecher der Initiative Skontroführer ist. „Das wäre eine Blanko-Vollmacht.“

Haben kleinere Häuser Angst vor dem Wegfall der Geschäftsgrundlage?

Hinter der Kritik gerade kleinerer Handelsbanken vermuten einige Marktteilnehmer die Angst vor dem Wegfall ihrer Geschäftsgrundlage. Größere Handelshäuser wären wohl eher in der Lage, die Anforderungen, die die Deutsche Börse an die Eigenkapitalhinterlegung, die IT-Standards und das Risiko-Controlling stellen dürfte, zu erfüllen. Börsianer würden im Falle einer Reform des Parketthandels damit rechnen, dass von derzeit 18 Skontroführern nur rund die Hälfte mit der Aufgabe eines Spezialisten betraut würde. Sollte es zu einem Reformbeschluss kommen, wird dieser daher wohl auch mit einer langen Übergangsfrist von etwa drei Jahren umgesetzt werden. Den Handelshäusern würde so genug Zeit bleiben, um sich zusammenzuschließen. Die mit Mehrheit zu fällenden Beschlüsse des Börsenrates sind bindend. Er setzt sich aus 18 Vertretern von Banken, Wertpapierhändlern und Anlegervertretern zusammen.

Der große Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse wird jedoch auch bei einer Abschaffung des Parketthandels in heutiger Form nicht leer stehen. „Der große Handelssaal bedeutet Börse zum Anfassen, dort kommen viele Besucher hin, um sich über die Börse zu informieren. Insgesamt zielen wir damit auf eine zeitgemäße Darstellung des Börsenhandels“, sagt Frank Gerstenschläger, für den Kassamarkt zuständiger Vorstand der Deutschen Börse. „Die Menschen, die auf dem Parkett arbeiten, werden nur womöglich anderen Tätigkeiten nachgehen und an anderen Systemen arbeiten.“

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

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