27. März 2008 Offenbar haben die Aktienanleger genug von der Finanzkrise und dergleichen Hiobsbotschaften. Schon am Vortag zeigten sie sich relativ resistent gegen eine Gewinnwarnung der Deutschen Bank und am Donnerstag können die schwachen Ergebnisse der Hypo Real Estate genauso wenig beeindrucken wie die Meldung, dass EADS vorerst auf drei Werken in Deutschland sitzen bleibt, die Inflation den Konsum schwächt und der Dollar zulasten der Exportindustrie geht.
Viel mehr Aufmerksamkeit haben da positive Unternehmensnachrichten, stärken diese doch die Grundeinstellung, es gehe den Unternehmen doch gut und sie verdienten weiter kräftig. So kann nicht überraschen, dass die Aktie der Modekette Hennes & Mauritz (H&M) einen Kursschub von 4,6 Prozent auf 353,50 schwedische Kronen verzeichnet, nachdem das Unternehmen im ersten Quartal einen Gewinnsprung von knapp 28 Prozent auf 2,3 Milliarden Kronen (244 Millionen Euro) verbucht hat.
Erwartungen übertroffen
Damit wurden die Erwartungen der Analysten übertroffen. Die größte Textilkette der Welt steigerte den Umsatz im ersten Quartal des am 30. November zu Ende gehenden Geschäftsjahres 2007/08 um 18 Prozent auf 19,7 Milliarden Kronen (2,1 Milliarden Euro). Auf vergleichbarer Verkaufsfläche kletterte der Umsatz im Februar um zehn Prozent.
Das operative Ergebnis stieg um 18 Prozent auf 3,8 Kronen (404 Millionen Euro). Analysten hatten mit einem Umsatz von 19,28 Milliarden Kronen und einem operativen Ergebnis von 3,79 Milliarden gerechnet.
Ausschlaggebend für die positive Entwicklung seien eine gut zusammengestellte Kollektion und die Ausweitung des Verkaufs im Internet und über Kataloge, hieß es. Neue Verkaufsflächen und das Geschäft übers Internet sind die Wachstumstreiber, sagt Carl Eckerdal, Analyst von ABN Amro in Stockholm.
Schwacher Dollar hilft
Zudem profitiere das Unternehmen vom schwachen Dollar. Etwa 60 Prozent der Ware kauft H&M in Asien ein, wo Textilien in der Regel in Dollar abgerechnet werden. Im Vorjahresvergleich hat sich der Greenback gegenüber der schwedischen Krone um 7,8 Prozent und gegenüber dem Euro um elf Prozent abgeschwächt. Etwa drei Viertel des Umsatzes erzielt H&M in der Eurozone und in Skandinavien.
H&M erweiterte sein weltweites Filialnetz im ersten Quartal um elf Kaufhäuser auf 1529. Zwölf Monate zuvor waren es 1351. Im zweiten Quartal sollen 54 Neueröffnungen hinzukommen. Schwerpunkte dabei sind Großbritannien, die Vereinigten Staaten, Spanien, Italien und Deutschland.
Unterwegs in neuem Terrain
Anfang März gab das Unternehmen den Erwerb des schwedischen Modeunternehmens Fabric Scandinavian bekannt, die unter anderem Jeans der Marke Cheap Monday Denim in mehr als 1.000 Läden weltweit vertreiben. Mit dem Kauf einer anderen Modemarke betritt H&M Neuland und will eine Mehrmarkenstrategie aufbauen. Auch die Expansion in den Markt für Heimtextilien ist geplant. Für 2009 planen die Schweden den Markteintritt in Russland.
Handelsbanken-Analystin Anna-Karin Envall hob insbesondere die Umsätze für Februar hervor, die mit einem Plus von 24 Prozent besonders stark ausgefallen seien. Das zeige, dass H&M mit der neuen Kollektion den Geschmack getroffen habe. Zudem sei H&M mit seinen niedrigen Preisen gut gegen ein Abschwächen der Nachfrage gewappnet.
Die Aktie des Textilhändlers hatte ausgehend von ihrem Allzeithoch vor rund einem Jahr bei 48,81 Euro bis Januar rund ein Drittel ihres Wertes eingebüßt. Seitdem hat sich die Notiz stabilisiert und lief in einer Handelsspanne von 33 bis 38 Euro seitwärts. Aus dieser hat sie trotz des Kursplus' vom Tage bislang nicht ausbrechen können.
Kurspotential vorerst ausgeschöpft?
Dies wäre aber Voraussetzung für weitere Kursgewinne, die sie zunächst in die Region von 41 Euro führen könnte, wo ein deutlicher Widerstand wartet. Insofern ist die heutige Kursentwicklung auf Sicht der kommenden Monate erst einmal kein positives Zeichen, scheint doch die Aktie ihr Potential erst einmal ausgeschöpft zu haben.
Dafür spricht auch die fundamental wenigstens angemessene Bewertung mit Kurs-gewinn-Verhältnissen auf Basis der Analystenprognosen von 18,5 für das laufende und 16,3 für das kommende Geschäftsjahr. Versüßt wird die Bewertung allerdings durch eine prognostizierte Dividendenrendite von immerhin 4,9 Prozent.
Derzeit scheint zudem das Abwärtspotential bei 33 Euro begrenzt. Sollte sich das Börsenklima weiter stabilisieren, steht zumindest einer stabilen Kursentwicklung nichts entgegen. Kann H&M die am Donnerstag eingeleitete positive Stimmung für das neue Geschäftsjahr aufrecht erhalten, könnte ein Ausbrechen aus der Handelsspanne folgen. Indes ist dies nicht für die kommenden Tage zu erwarten, wenn Anschlusskäufe weiter ausbleiben.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: AP, F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| DEUTSCHE POSTBANK AG | +1,75 | +3,03 |
| DEUTSCHE POST AG NAM | +0,56 | +2,69 |
| HENKEL AG & CO. KGAA | +0,69 | +2,39 |
| BAYER AG INHABER - A | -0,97 | -1,73 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -1,67 | -1,69 |
| MUENCHENER RUECKVERS | -1,83 | -1,49 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 7.081,05 | -0,03 |
| TecDax | 861,39 | -0,41 |
| DowJones | 12.992,66 | +0,73 |
| Nasdaq | 2.533,73 | +1,48 |
| STOXX 50 | 3.854,86 | -0,07 |
| Nikkei 225 | 14.251,74 | +0,94 |
| S&P 500 Zert. | 14,07 | -0,50 |
| Euro/Dollar | 1,55 | +0,06 |
| Bund Future | 113,56 | -0,10 |
| Gold | 881,10 | -0,18 |
| Öl | 122,91 | +0,72 |
