03. Juli 2009 Als Infineon im März dieses Jahres den Dax nach fast neun Jahren Zugehörigkeit verlassen musste, ist die Erleichterung unter den Börsianern allenthalben spürbar gewesen. Ein Unternehmen, das zeit seiner Börsennotierung noch nie eine Dividende ausgeschüttet hat und auch nur selten mit seinem Geschäftsmodell Gewinne vorweisen konnte, gehöre nicht in Deutschlands erste Börsenliga, meinten Marktteilnehmer. Nun steht im September jedoch womöglich die Rückkehr des Halbleiterherstellers an. Hannover Rück droht den Klassenerhalt mangels ausreichender Handelsumsätze zu verpassen und Infineon hat sich zum mit Abstand aussichtsreichsten Nachrücker gemausert.
Der Grund: Seit März weist die Infineon-Aktie mit großem Vorsprung die beste Wertentwicklung aller knapp 400 im streng regulierten Prime Standard der Deutschen Börse gelisteten Unternehmen auf. Von weniger als 40 Cent hat sich der Kurs bis am Freitag auf 2,50 Euro mehr als versechsfacht. Zwar rät die Mehrheit der Analysten weiterhin zum Verkauf der Aktie und nennt teilweise Kursziele von weniger als einem Euro, doch das interessiert die Börsianer nicht. Auch nicht, dass Infineon sich genötigt sah, einen Antrag auf staatliche Bürgschaften zu stellen. Gerade an Aktien von Unternehmen in mitunter ernsten Schwierigkeiten haben die Börsianer offenbar Gefallen gefunden. In der Liste der größten Gewinner am deutschen Aktienmarkt in den vergangenen vier Monaten finden sich Werte wie Pfleiderer, Premiere, Hypo Real Estate, Commerzbank oder ProSieben weit oben, obwohl die Unternehmen allesamt nicht gerade mit positiven Schlagzeilen zu glänzen wussten.
Aufschwung auf breiter Front
Begünstigt wird dies durch zwei Effekte: Zum einen sind die Aktienkurse der Unternehmen bis ins Frühjahr hinein nicht selten auf Penny-Stock-Niveau verfallen, was erhebliche Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der Gesellschaften ausdrückte. Nun werde ihnen eher wieder das Überleben zugetraut, meinen Börsianer. Zum zweiten hilft den enormen Kurssprüngen auch das allgemein lethargische Aktienmarktumfeld, das sich in außergewöhnlich dünnen Handelsumsätzen zeigt. Dies macht es Investoren leichter, mit relativ geringen Volumina Kurse zu bewegen. Und hohe Hebel für Gewinne sehen viele bei zuvor arg gebeutelten Aktien.
In einer ersten Kurserholung nach einem Absturz am Aktienmarkt wagen sich zunächst immer die besonders risikobereiten Anleger vor und sammeln bei meist niedrigen Umsätzen Aktien auf Ausverkaufsniveau ein, sagt Andreas Hürkamp, Aktienstratege der Commerzbank. Eine zweite Erholungswelle, die bisher ausgeblieben ist, wird dann aber meist von zuvor skeptischen Investoren getragen, die ihre Meinung geändert haben. Diese zweite Phase sei dann eher ein Aufschwung auf breiter Front, der auch höhere Handelsumsätze mit sich bringe. Die Kurserholung stehe, nur weil die Aktienumsätze gering sind, auch nicht unbedingt auf tönernen Füßen, meint Tammo Greetfeld, Aktienstratege der Unicredit. Entscheidend wird sein, ob sich die Fundamentaldaten nachhaltig zum Besseren wenden. Sollte dies der Fall sein, werden auch mehr und mehr Anleger auf den Zug aufspringen, die bisher abgewartet haben.
Riskante Wette
Derweil suchen die wenigen aktiven Anleger rund um den Globus nach Schnäppchen und finden sie offenbar vor allem bei angeschlagenen Werten. Eine Auswertung des Kursaufschwungs in den Vereinigten Staaten von Capital IQ, einem zu Standard & Poor's gehörenden Finanzdatenanbieter, ergab für den S&P-500 im Aufschwung seit März folgendes Bild: Die 100 Unternehmen mit den am stärksten gestiegenen Aktienkursen saßen auf einem Schuldenberg von 4 Billionen Dollar. Die 100 Unternehmen, deren Aktienkurse sich seit dem Jahrestief jedoch am schwächsten entwickelten, hatten in Summe nur 746 Milliarden Dollar Schulden.
Die riskante Wette auf solch angeschlagene Aktiengesellschaften geht jedoch nicht immer auf. Der Arcandor-Aktienkurs verdoppelte sich nach seinem März-Tief auch zunächst, nur um nach der Insolvenz auf neue Tiefststände zurückzufallen. Der Dax-Aufstieg von Infineon im September ist damit trotz aktuell bester Aussichten auch längst noch nicht ausgemachte Sache. Wenn die Anleger die Aktie so schnell wieder fallenlassen, wie sie sie nun hochgejubelt haben, verfehlt Infineon die Aufstiegskriterien. Die erfüllt sonst bislang nur Solarworld - ebenfalls ein Unternehmen mit einer muntere Kurssprünge vollführenden Aktie.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Lufthansa | 11,06 € | +2,98% |
| Daimler | 33,21 € | +1,68% |
| MAN | 56,17 € | +1,37% |
| Volkswagen | 109,18 € | +1,32% |
| Commerzbank | 6,95 € | +1,16% |
| FMC | 34,93 € | −0,60% |
| Münchener Rück. | 105,31 € | −0,84% |
| BASF | 37,55 € | −0,84% |
| Salzgitter | 62,96 € | −0,88% |
| SAP | 31,45 € | −0,95% |
US-Anleihen notieren im späten Geschäft gut behauptet
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22:08XETRA-NACHBÖRSE/XDAX (22 Uhr): 5.507 (XETRA-Schluss: 5.488) Pkt
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.488,25 | +0,13% |
| TecDAX | 749,78 | −0,03% |
| MDAX | 7.084,74 | +0,96% |
| SDAX | 3.465,16 | +1,09% |
| REX | 372,70 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.794,25 | +0,03% |
| Dow Jones | 10.023,40 | +0,17% |
| Nasdaq 100 | 1.730,76 | +0,56% |
| S&P500 | 1.069,30 | +0,25% |
| Nikkei225 | 9.789,35 | +0,74% |
| EUR/USD | 1,4847 | −0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 76,05 $ | −2,70% |
| Gold | 1.096,75 $ | +0,71% |
| Bund Future | 120,85 € | −0,18% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index06.11.2009 13:00 |
1315,77 | 1321,61 | 1260,60 |
Performance-Index06.11.2009 17:35 |
291,63 | 292,08 | 274,04 |
Euro-Aktien-Index06.11.2009 17:35 |
139,56 | 136,19 | 124,82 |
Vorschlag: Literatur-Nobelpreis für Frau Mary Elise Sarotte!
21:52 21:50 21:44Hoeneß sollte sich zurückhalten!!!
21:43