12. November 2007 Mit Bankenaktien war in den vergangenen Monaten für Anleger kein Staat zu machen. Auf Jahressicht hat kaum ein Institut seine Aktionäre wirklich glücklich gemacht. Während der Dax mehr als 20 Prozent zulegte, verloren die Kredittitel im Zuge der Finanzkrise häufig zweistellig: die Postbank 20 Prozent, Deutsche Bank 15 Prozent, Commerzbank zehn Prozent.
Wer die Aareal Bank im Depot hat, kam noch relativ glimpflich davon. Die Aktien des Immobilienfinanzierers gaben sieben Prozent nach. Das erstaunt zunächst - sind doch gerade Immobilienpapiere derzeit alles andere als eine sichere Bank. Noch im September hieß es bei Analysten: Der Markt differenziert nicht mehr zwischen Immobilienunternehmen, privaten Hypothekenanbietern und gewerblichen Immobilienfinanzierern. Die Aktien aller Immobilienfinanzierer standen auf den Verkaufslisten.
Tatsächlich sind die klassischen deutschen Hypothekenbanken wie Eurohypo, Hypo Real Estate und eben Aareal von der Hypotheken- und Finanzkrise wenig betroffen, weil sie die problematischen Verbriefungen notleidender Kredite kaum besitzen und für die Refinanzierung auch nicht benötigen. Sie haben sich zumeist schon vor der Krise mit ausreichend Liquidität eingedeckt, überwiegend über die Ausgabe von Pfandbriefen. Die Aareal Bank hat sich im März über diesen Weg eine Milliarde Euro besorgt.
Der Verkauf von Immobilien-Scout brachte gutes Geld...
So waren es am Montag morgen nicht die üblichen Krisen- und Subprime-Sorgen, die die im Mittelwertesegment MDax notierte Aktie zeitweise um mehr als vier Prozent auf Talfahrt schickten. Es waren ausnahmsweise die blanken Geschäftszahlen, die die Investoren nicht richtig zufrieden stellten und das Aareal-Papier zum Topverlierer im MDax machten.
Auf den ersten Blick sahen die Zahlen blendend aus: Aareal Bank hat in ersten neuen Monaten einen massiven Gewinnsprung verzeichnet. Allerdings nur dank des Verkaufs des Internetsuchportals Immobilien-Scout24 an die Deutsche Telekom. Allein der Verkauf von Immobilien-Scout24 hat den Überschuss um 140 Millionen Euro nach oben getrieben, sagte ein Experte. Auch der im Dezember eingeleitete Verkauf der Interhotel-Beteiligung an die Private-Equity-Gesellschaft Blackstone brachte im dritten Quartal erneut 63 Millionen Euro ein und damit etwas mehr als von den Analysten geschätzt.
...aber die operativen Zahlen enttäuschten
Im operativen Geschäft dagegen verfehlte das Wiesbadener Unternehmen die Erwartungen. Den Einschätzungen von Analysten zufolge lagen die Zahlen durch die Bank am unteren Ende der Erwartungen oder sogar noch darunter. In den Monaten Juli bis September bewegte sich der Vorsteuergewinn bei 221 Millionen Euro, nach 43 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Analysten hatte im Schnitt mit einem noch stärkeren Anstieg auf 226 Millionen Euro gerechnet. Der Überschuss nach Anteilen Dritter legte von 22 auf 183 Millionen Euro zu und lag damit ebenfalls unter der Analystenschätzung von 189 Millionen Euro.
Die Commerzbank äußerte sich insbesondere zum Überschuss negativ. Dieser sei hinter den eigenen Schätzungen zurückgeblieben, schrieb Analyst Michael Dunst in einer ersten Reaktion. Allerdings seien die Markschätzungen leicht übertroffen worden. Kernerträge schwächer als erwartet, resümierte Martin Peter von der Landesbank Baden-Württemberg. Dunst bestätigte seine Einschätzung Buy mit einem Kursziel von 43 Euro, auch Peter blieb bei Kaufen mit einem Sechs-Monats-Zielkurs von 39 Euro.
Die Steuerreform wirkt belastend
Belastend wirkte für die Bank unter anderem die Steuerreform. Die Neubewertung latenter Steuern im Zuge der Reform drückte mit 13 Millionen Euro auf den Quartalsüberschuss. Zinsüberschuss, Provisionsüberschuss und Handelsergebnis fielen etwas niedriger aus als von den Analysten erwartet. Der Zinsüberschuss stieg von 97 auf 100 Millionen Euro (Prognose: 103), der Provisionsüberschuss von 35 auf 32 Millionen Euro zurück (Prognose: 36).
Das Handelsergebnis drehte noch etwas stärker als erwartet ins Minus und ging von plus 5 auf minus 13 Millionen Euro zurück (Prognose: 12 Millionen Euro). Grund sei die niedrigere Bewertung von Schuldverschreibungen und forderungsbesicherten Anleihen (ABS) im Handelsbestand, hieß es. Die Höhe der einmaligen Belastungen in diesem Bereich bezifferte die Bank auf 15 Millionen Euro. Bis auf den Handelsverlust von 13 Millionen Euro sei Aareal nicht von der aktuellen Finanzkrise betroffen, folgerte ein Analyst.
Wir sind nicht im Subprime-Markt investiert
Auch Vorstandschef Wolf Schumacher zeigte sich erleichtert: Vor dem Hintergrund der US-Subprime-Krise, die sich im dritten Quartal auch dämpfend auf die internationalen Immobilienmärkte ausgewirkt hat, ist unser Ergebnis besonders erfreulich. Für uns zahlt sich aus, dass wir weder direkt noch indirekt im US-Subprime-Markt investiert sind. Die aktuelle Marktsituation wertete er als Chance, die wir für selektives Neugeschäft und Bilanzwachstum nutzen wollen.
Für das Gesamtjahr bestätigte die Aareal Bank ihr Ziel einer Eigenkapitalrendite nach Steuern von deutlich mehr als 20 Prozent. Im Segment strukturierte Immobilienfinanzierungen werde das bisher angepeilte Neugeschäftsvolumen von zehn Milliarden Euro voraussichtlich überschritten. Im Segment Beratung/Dienstleistungen werde das Betriebsergebnis vor Steuern innerhalb der bisher angepeilten Zielspanne von 22 bis 28 Millionen Euro liegen. Mit dem Ergebnis der ersten drei Quartale hat die Aareal Bank Gruppe unter Beweis gestellt, dass ihre strategische Positionierung stimmt und der eingeschlagene Kurs des profitablen Wachstums Früchte trägt, sagte Schumacher.
Börsianer werten die Zahlen anders
Die Börsianer werteten das etwas anders. Mit Kursen von leicht über 28 Euro notierte die Aareal-Aktie zum Wochenbeginn so niedrig wie seit zwei Jahren nicht mehr.
Auch technisch sieht das Papier, dessen Kurs schon zuvor kräftig eingebrochen war, alles andere als gut aus. Der Chart hat sowohl den Kurz- wie auch den Langfristtrend nach unten durchbrochen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund zehn (2007) sieht optisch billig aus, liegt aber am oberen Rand der Branche (Deutsche Bank: acht, Commerzbank: neun, Hypo Real Estate: neun, Postbank: elf). Wer auf Aareal als Billigwert setzt, sollte also etwas Durchhaltevermögen mitbringen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @tih
Bildmaterial: Aareal, FAZ.NET
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| MERCK KGAA INHABER - | +3,42 | +4,55 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +1,64 | +2,15 |
| FRESENIUS MEDICAL CA | +0,60 | +1,73 |
| DAIMLER AG NAMENS - | -4,09 | -9,61 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | -1,90 | -5,67 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -3,81 | -5,54 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.440,70 | -1,46 |
| TecDax | 721,58 | -3,36 |
| DowJones | 11.349,28 | -2,43 |
| Nasdaq | 2.280,11 | -1,97 |
| STOXX 50 | 3.354,58 | -0,97 |
| Nikkei 225 | 13.603,31 | +2,18 |
| Euro/Dollar | 1,57 | -0,05 |
| Bund Future | 110,94 | +0,75 |
| Gold | 929,43 | +0,19 |
| Öl | 124,98 | -1,22 |
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