16. September 2005 Die Konsumschwäche in Zentraleuropa sollte nicht täuschen: Luxusgüter verkaufen sich auch hierzulande gut. Vor allem aber in Amerika und Asien sind sie gefragt. Dies folgt aus den jüngsten Geschäftsberichten verschiedener Anbieter. So legte der Schweizer Konzern Richemont, zu dem Marken wie Cartier, Dunhill und Mont Blanc zählen, zuletzt in Asien am stärksten zu.
Der Umsatz stieg insgesamt stärker als von Analysten erwartet. Richemont hat in den ersten fünf Monaten seines Geschäftsjahres 2005/06 die Erlöse zu laufenden Wechselkursen um 16 Prozent und zu konstanten Wechselkursen um 17 Prozent gesteigert.
Reihenweise Kaufempfehlungen
Für den Rest des Jahres äußerte sich der Vorstand zuversichtlich, erwartet aber aus rein rechnerischen Gründen nicht mehr so hohe Zuwachsraten, weil die Vergleichszahlen 2004 bereits sehr gut waren. Im Geschäftsjahr 2004/05 (per Ende März) war der Konzern auf einen Umsatz von 3,72 Milliarden Euro gekommen, was einem Plus von zehn Prozent entsprach.
Analysten lobten das sogenannte Trading Update und gaben fast reihenweise Kaufempfehlungen ab. Die Richemont-Aktie legte am Heimatmarkt, aber auch in Deutschland zu und baute ihr Vierjahreshoch aus; im schweizerischen Computerhandel ging die Aktie mit einem Plus von gut vier Prozent auf 51,65 Franken aus dem Handel, in Frankfurt gewann sie sogar 5,6 Prozent auf 33,79 Euro.
Obwohl sie sich binnen Jahresfrist in höherem Maße verteuert hat als andere Luxusgütertitel, ist die Aktie weiter im Branchenvergleich nach Burberry der günstigste Wert. Und hat gute Chancen, ihr Allzeithoch von 53,40 Franken anzugreifen.
Zwölf Prozent erwartet, 15 Prozent geliefert
Der Konzern konnte damit im Laufe des bisherigen Geschäftsjahres auch das Tempo etwas steigern. Für die ersten beiden Monate hatte Richemont im Juni ein Umsatzwachstum von 15 Prozent gemeldet. Analysten hatten mit einem Zuwachs von rund zwölf Prozent gerechnet.
Richemont ist der zweitgrößte Luxusgüterkonzern der Welt. Der Konzern will das Halbjahresergebnis seines im April begonnen Geschäftsjahres im November vorlegen. Das größte Wachstum von 20 Prozent erzielte der Konzern in Asien. Etwas weniger nahm der Umsatz auf dem amerikanischen Kontinent zu. In Europa wuchsen die Verkäufe um 15 Prozent und in Japan lag das Plus bei elf Prozent.
Unter den einzelnen Bereichen kamen die Uhren auf ein Plus von 23 Prozent. Der Juwelengeschäft legte 13 Prozent zu. Der Bereich Leder und Accesoires nahm lediglich um sechs Prozent zu. Dort bleibe noch Arbeit zu tun, um den Bereich auf ein Niveau zu bringen, das anderen Firmen der Branche entspreche, sagte Richemont-Chef Johann Rupert laut der von Reuters zitierten Mitteilung.
Angesichts der guten Wachstumsraten im vergangenen Jahr sei es weniger wahrscheinlich, daß sich das Wachstumstempo der ersten fünf Monate für den Rest des Jahres durchhalten lasse, erklärte Rupert am Donnerstag weiter.
Bankhaus Sarasin hat Kursziel hochgeschraubt
Aus Sicht der meisten Analysten, die Richemont beobachten, ist der Titel ein Kauf. So bewertet Goldman Sachs die Aktie mit outperform, wobei die Amerikaner schon vor Bekanntgabe des Trading Updates eine nachlassende Umsatzdynamik erwartet hatten. Die Deutsche Bank bescheinigte Richemont eine weitere exzellente Leistung. Der Konzern habe die durchschnittlichen Erwartungen schön getopt. Den Ausblick bewertet Analyst Paul Van Meurs als optimistisch - trotz des Hinweises auf ein sich verlangsamendes Umsatzwachstum. So empfiehlt der Analyst die Aktie weiter zum Kauf mit Kursziel 54 Franken. Für Morgan Stanley ist Richemont nun 57 Franken wert.
Auch aus der Sicht des Bankhauses Sarasin ist Richemont ein Kauf; Analyst Patrick Hasenböhler hat das Kursziel gerade von 47 auf 55 Franken hochgeschraubt. Die Stimmung spreche für das Unternehmen. Als Risikofaktoren nennt er Wechselkursschwankungen zulasten des Euro, also eine Dollarschwäche, und einen fallenden Kurs der Aktie des Tabakkonzerns BAT, an dem die Schweizer zu gut 18 Prozent beteiligt sind. Der Aktienkurs von BAT, der in jüngster Zeit gestiegen ist, spiegelt sich auch im Kursverlauf der Aktie von Richemont wider, so Hasenböhler zu FAZ.NET.
Dessen ungeachtet ist Richemont mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,2 für dieses Jahr nicht nur gemessen an seinen Gewinnschätzungen günstiger als fast alle anderen Luxusgüterwerte. Lediglich Burberry (18,9) ist etwas niedriger bewertet. Bulgari, Hermès und LVMH sind teurer und haben sich zudem nicht so gut entwickelt wie Richemont. Um die durchschnittliche Bewertung der drei letztgenannten Aktien zu erreichen, könnte die Aktie bis auf gut 40 Euro steigen und ihr bisheriges Allzeithoch klar hinter sich lassen. Der Trend spricht ohnehin für sie. Unter dem Strich wirkt der Titel weiter attraktiv.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @thwi mit Reuters
Bildmaterial: picture-alliance / dpa
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Lufthansa | 8,92 € | +2,23% |
| Metro | 35,04 € | +0,60% |
| FMC | 32,79 € | +0,58% |
| Münchener Rück. | 95,59 € | +0,36% |
| Dt. Telekom | 8,34 € | +0,30% |
| Salzgitter | 58,38 € | −2,89% |
| BMW | 25,63 € | −3,08% |
| Dt. Bank | 41,31 € | −3,24% |
| Volkswagen | 225,60 € | −3,46% |
| Commerzbank | 4,79 € | −5,24% |
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 4.651,82 | −1,20% |
| Eurostoxx 50 | 2.343,88 | −1,37% |
| Dow Jones | 8.324,87 | +0,53% |
| MDAX | 5.609,43 | −1,62% |
| Nasdaq 100 | 1.441,01 | −0,36% |
| Nikkei225 | 9.680,87 | −1,38% |
| REX | 365,96 | +0,19% |
| SDAX | 2.808,59 | −1,57% |
| S&P500 | 898,72 | +0,26% |
| TecDAX | 611,93 | −1,06% |
| Bund Future | 121,88 € | +0,25% |
| EUR/USD | 1,3973 | −0,05% |
| Gold | 932,50 $ | +0,32% |
| Rohöl Brent Crude | 64,10 $ | −1,46% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index06.07.2009 13:00 |
1194,60 | 1213,95 | 1281,82 |
Performance-Index06.07.2009 17:35 |
264,65 | 261,19 | 271,11 |
Euro-Aktien-Index06.07.2009 17:35 |
119,63 | 116,12 | 121,36 |
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