Pharmazie

Celesio-Aktie kämpft um Halt

13. Mai 2008 Zahlreiche Geschäftsberichte aus der so genannten zweiten und dritten Reihe bewegen an einem allgemein freundlichen Nach-Feiertag die Aktienbörsen. Allen voran richtet sich das Interesse auf die Zahlen, die der Pharmahändler Celesio am Morgen vorlegte.

Nach einer ersten Händlereinschätzung sind diese „schlechter als erwartet“ ausgefallen. Vor allem auf der Ertragsseite habe das Unternehmen enttäuscht, sagten Börsianer am Dienstagmorgen.

Schwieriges Großbritannien

Zwei Prozent im Minus eröffneten die Aktien dann auch den Handel, nachdem eine Reihe belastender Faktoren wie erwartet im ersten Quartal zu einem Gewinneinbruch geführt haben. So ging das Betriebsergebnis in den Monaten Januar bis März auf 122 von 175 Millionen Euro zurück, der Umsatz sank auf 5,4 von 5,6 Milliarden Euro, der Überschuss halbierte sich nahezu auf 57,6 von 102,5 Millionen Euro.

Zu den Belastungen, mit denen Celesio gegenwärtig zu kämpfen hat, zählen gekürzte Vergütungen und die Abwertung des britischen Pfundes gegenüber dem Euro, die den Erlös aus dem Apothekengeschäft in Großbritannien beeinflusst. Wechselkurseffekte ließen das operative Ergebnis um 8,1 Millionen Euro schrumpfen. Zudem wurde es mit mehr als 30 Millionen Euro durch Kostendämpfungsmaßnahmen auf der Insel belastet. Auch in Frankreich drücken staatliche Einschnitte im Gesundheitswesen das Unternehmen.

Zudem wird der Großhandel in Großbritannien davon belastet, dass Pharmakonzerne auf einen Direktvertrieb setzen und den Großhandel umgehen. In Deutschland verzeichnet das Unternehmen im Großhandel zudem starken Wettbewerbs- und Margendruck.

Schwaches Deutschland

Besonders schwach zeigte sich im ersten Quartal das Großhandelsgeschäft in Deutschland: Der im Vergleich zum Vorjahr fast vollständig fehlende Ergebnisbeitrag des deutschen Großhandels habe maßgeblich zur rückläufigen Entwicklung beigetragen, heißt es
in der Mitteilung von Celesio.

Der Ergebnisrückgang fällt nach Einschätzung von Celesio auch deshalb so deutlich aus, weil die diversen Belastungen zu Beginn des Jahres 2007 noch nicht wirksam waren. Sie setzten vor allem im zweiten Halbjahr ein und dauern an, so dass das Berichtsquartal mit einem noch weitgehend unbeeinträchtigten starken ersten Quartal 2007 verglichen werde.

Der Vorstand bekräftigte am Dienstag jedoch seinen Optimismus, dass Celesio „ab 2009 das nachhaltige und profitable Wachstum fortsetzen wird“. Die wesentlichen Gründe dafür seien die anhaltende Wachstumsdynamik der europäischen Pharmamärkte, der Ausbau
der regionalen Präsenz, neue Geschäftsfelder, die mögliche Liberalisierung von Apothekenmärkten, eine stärkere Konsolidierung einzelner Großhandelsmärkte und eine verbesserte Profitabilität im Großhandel.

Optimistisch mit Einschränkungen

Dem bestätigten Ausblick zufolge rechnet Celesio 2008 mit einem um Währungseffekte bereinigten Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich. „Dies wird nur dadurch möglich sein, dass Celesio-Apotheken deutlich über dem Markt wächst“, hieß es in der Mitteilung. Der Gewinn vor Steuern soll indes sinken, das operative Ergebnis währungsbereinigt das Vorjahresniveau erreichen. „Ob dies möglich sein wird, hängt maßgeblich von der Entwicklung im deutschen Großhandelsgeschäft ab“, hieß es.

Auf Basis der Analystenprognosen erscheint die Aktie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 11,4 für das laufende und 10,4 für das kommende Jahr recht maßvoll bewertet. Dabei sind Ergebnisrückgänge bereits einkalkuliert. Nichtsdestoweniger stuften die Analysten von Merrill Lynch kürzlich die Aktie von „Buy“ auf „Neutral“ herab und begründeten dies mit dem immer schärferen Wettbewerb in Deutschland und eine langsamer als erwarteten Erholung des Großbritannien-Geschäfts. Allerdings waren die Quartalszahlen sind in diesem Ausblick allerdings noch nicht berücksichtigt. In den vergangenen Tagen hatten auch eine Reihe anderer Banken Kursziel gesenkt bzw. die Aktie abgestuft.

Kurzfristige Erholung nicht in Sicht

„Wie erwartet ist das erste Quartal ein Desaster für Celesio gewesen“, diagnostiziert Equinet-Analyst Martin Possienke. Die Gesundheitsreformen, nachteilige Währungsentwicklungen und das sich verändernde Marktumfeld hätten das Unternehmen signifikant belastet. Possienke rechnet damit seine Prognosen wahrscheinlich weiter senken zu müssen. Aktuell stuft der Analyst Celesio indes mit „Accumulate“ bei Kursziel 35,00 Euro ein.

Von seinem Allzeithoch bei 55,02 Euro im Frühjahr 2007 ist der Aktienkurs bei aktuell 25,63 Euro bereits weit zurückgekommen. Dabei hat er erst vor wenigen Tagen auch die kleine Unterstützung bei 28 Euro durchbrochen. Derzeit ist sie auch unter die kurzfristige Unterstützung gefallen.

Das macht die Lage um so problematischer, weil nun ausgeprägte Unterstützungslinien fehlen. Noch ist indes nicht ausgemacht, dass das Minus bestand hat, schwankt der Kurs doch deutlich zwischen 26 und 26,80 Euro. Derzeit scheint es aber ratsamer, nicht unbedingt auf eine Erholung zu setzen. Weder gibt es ein aktuelles Erholungsszenario, noch eine krasse Unterbewertung. Insofern dürfte es sich empfehlen, auf eine Stabilisierung der Notierung zu warten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.



Text: mho/pwe
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.

 
NamePunkteProzent
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TecDax 721,58 -3,36
DowJones 11.424,68 -1,79
Nasdaq 2.297,13 -1,24
STOXX 50 3.354,58 -0,97
Nikkei 225 13.603,31 +2,18
Euro/Dollar 1,57 -0,19
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