07. Mai 2008 Ob die Finanzkrise wirklich überstanden ist, lässt sich nicht ohne weiteres sagen. Aber zumindest an der Börse werden immer wieder Lichtblicke entdeckt. Am Mittwoch galten als solcher zumindest anfänglich die Geschäftszahlen, die die Commerzbank für das erste Quartal des laufenden Jahres vorgelegt hat.
Nach einem anfänglichen Kursgewinn von 2,5 Prozent gab die Notierung indes wieder ab, bis nur noch ein leichtes Plis von rund 0,3 Prozent übrig blieb, fing sich dann aber erneut. Grund für die leicht unentschiedene Haltung der Anleger sind die sowohl positiven als auch negativen Aspekte des Ergebnisausweises.
Gewinneinbruch mit positiven Aspekten
Die meisten Analysten hoben hervor, dass die Ergebnisse insgesamt besser ausgefallen seien als erwartet. Insbesondere der Vorsteuergewinn und das Handelsergebnis haben überzeugt, sagte der Experte am Mittwochmorgen. Philipp Häßler von Equinet bezeichnete die Ergebnisse als solide. Er hob ebenfalls das Handelsergebnis hervor, das in einem schwierigen Marktumfeld positiv überrascht habe.
Unter dem Strich verzeichnete die Commerzbank einen Gewinneinbruch. Der Überschuss brach im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 54 Prozent auf 280 Millionen Euro ein. Vor Steuern verdiente die Commerzbank von Januar bis Ende März 410 Millionen Euro nach 908 Millionen Euro ein Jahr zuvor.
Unterstützt wurde das Ergebnis durch den Buchgewinn aus dem Verkauf der französischen Vermögensverwaltungstochter CCR. Belastet wirkte sich neben weiteren Abschreibungen infolge der Krise an den internationalen Finanzmärkten die Restrukturierung der Hypothekenbank in Essen aus. Mittelstand und Privatkunden gelten der Bank dagegen weiterhin als verlässliche Ertragsbringer. Im Bereich Privat- und Geschäftskunden lag das operative Ergebnis mit 147 Millionen Euro sogar leicht über dem Rekordniveau des ersten Quartals 2007.
Stille Reserven aufgezehrt
In den ersten drei Monaten 2008 musste die Commerzbank weitere Wertkorrekturen in Höhe von 244 Millionen Euro vornehmen. Im Zusammenhang mit der Krise, die ausgehend vom Markt für zweitklassige amerikanischen Hypothekenkredite (Subprime) seit Sommer 2007 weltweit für Turbulenzen sorgt, hatte der Dax-Konzern bereits im vergangenen Jahr 583 Millionen Euro auf sein 1,2 Milliarden Euro schweres Subprime- Portfolio abschreiben müssen.
Die Finanzkrise zehrte zudem die stillen Reserven der Bank auf. Die sogenannte Neubewertungsrücklage rutschte bis Ende März sogar auf minus 280 Millionen Euro, nachdem sie Ende Dezember noch bei plus 903 Millionen Euro gelegen hatte.
Merck Finck-Experte Konrad Becker äußerte sich deutlich negativer als mancher Kollege. Sowohl der Vorsteuergewinn als auch der Überschuss ist schlechter ausgefallen als wir erwartet haben, schrieb er in einem Kommentar. Hauptgrund dafür sei der niedrigere Provisionsüberschuss von lediglich 732 Millionen Euro. Becker hatte mit 778 Millionen Euro gerechnet. Auch die Abschreibungen seien höher ausgefallen als erwartet. Hinzu komme der aufgegebene Ausblick. Der Analyst kündigte an, nach der anstehenden Telefonkonferenz seine Schätzungen zu überarbeiten.
Ergebnisprognose aufgehoben
Das dürften wohl auch andere tun müssen, denn die anhaltende Finanzkrise hat der Commerzbank die Hoffnung auf ein Rekordjahr 2008 genommen. Es ist unklar, wie sich die Finanzkrise weiterentwickelt, heißt es in einem Brief von Commerzbank-Chef Müller an die Aktionäre.
Es dürfte aus heutiger Sicht sehr schwer werden, das gute Ergebnis des Vorjahres wieder zu erreichen, sagte Vorstandschef Klaus-Peter Müller laut Mitteilung der Bank in Frankfurt. Bislang hatte Deutschlands zweitgrößte Bank angepeilt, den Rekordüberschuss des Vorjahres von 1,92 Milliarden Euro wieder zu erreichen oder gar zu übertreffen. Noch im Ende März veröffentlichten Geschäftsbericht hatte Müller dieses Ziel bekräftigt.
Indes gibt es auch so etwas wie vorsichtigen Optimismus aus dem Bankhaus. Die Märkte haben sich im April normalisiert, sagte Finanzchef Eric Strutz im Zuge einer Telefonkonferenz. Allerdings verwies auch er auf die anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten.
Am Anfang vom Ende nicht am Ende des Anfangs
Commerzbank-Chef Klaus-Peter zeigte sich zuversichtlich, dass die schlimmsten Turbulenzen an den Finanzmärkten bald vorbei sind. Ein Ende der Finanzkrise sei zwar noch nicht absehbar, dennoch spreche einiges dafür, dass sich die Talfahrt nicht fortsetze und die Märkte zu einer Bodenbildung fänden. Auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte zuvor Zuversicht verbreitet. Wir sind mittlerweile eher am Beginn des Endes als am Ende des Anfangs der Krise.
Dies gibt auch den Anlegern, die größte Hoffnung, auch wenn die zutreffende Einschätzung hinsichtlich des Quartalsausweises der Commerzbank lautete: Die Zahlen sind nicht wirklich überzeugend, aber auch kein Desaster.
Hoffen auf die Postbank
Für Auftrieb sorgen auch neue Meldungen aus der Politik, die der Commerzbank die Möglichkeit zu eröffnen erscheinen, vom chronischen Übernahmekandidaten zur großen nationalen Bank zu werden. Denn im Ringen um den möglichen Verkauf der Postbank macht sich die Regierungskoalition für eine nationale Lösung stark. Wir rechnen damit, dass sich ein potenter inländischer Interessent findet. Das ist die Variante, die die Politik eindeutig favorisiert, sagte der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Otto Bernhardt, der Zeit.
Beim Koalitionspartner setzt man dabei noch direkter auf eine Lösung, die die Commerzbank einschließt. Die Commerzbank hat gute Karten. Deutschland ist groß genug für zwei starke Banken, sagte der haushaltspolitische Sprecher der SPD, Carsten Schneider. Das lässt die Chancen der gleichfalls interessierten Deutschen Bank geringer erscheinen.
Spekulationen um Dreierbündnis der Postbank, Commerzbank und des Privatkundengeschäfts der Dresdner , die der mit ihrer Banktochter recht unglücklichen Allianz entgegenkäme, erscheinen da besser zu passen, aber nicht unbedingt dem kaum verhohlenen Wunsch der Politik nach einer finanziell attraktiven Lösung via einer Sonderdividende über die Postbank-Mutter Deutsche Post weniger zu entsprechen.
Begrenzte Bewertungsspielräume
Doch die Politik ist in dieser Hinsicht unberechenbar und so sollte man seine Hoffnungen diesbezüglich nicht allzu hoch schrauben. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,8 für das laufende und 8 für das kommende Jahr auf Basis der aktuellen Analystenprognosen erscheint die Aktie noch Bewertungsspielräume zu haben.
Indes gehen die Analysten dabei von einem Überschuss von 1,85 Milliarden Euro aus. Das liegt zwar unter dem Gewinn des Vorjahres, dennoch könnte der Gewinn auch noch etwas niedriger ausfallen. Zieht man das in Betracht, relativieren sich auch die Bewertungsspielräume, angesichts der Tatsache, dass keine Bank derzeit eine exakte Jahresprognose abgeben will.
Insofern zeigt sich auch bei der Commerzbank-Aktie ein ähnliches Kursbild wie bei anderen Aktien des gleichen Gewerbes. Nachdem die Kurse Mitte März ein historisches Tief, in diesem Fall nahezu nein Zwei-Jahres-Tief, erreichten, haben sie sich erholt, gehen aber seit Ende April seitwärts. Das dürfte kurzfristig auch weiter so bleiben. Erst wenn sich zeigt, dass nicht nur der Anfang des Endes, sondern vielleicht dessen Mitte erreicht ist, dürfte mehr Spielraum entstehen. mehr als vorsichtig sollte man sich dafür derzeit noch nicht positionieren.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.
Text: mho
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,26 | +5,28 |
| BAYER AG INHABER - A | +1,96 | +3,63 |
| LINDE AG INHABER - A | +2,85 | +3,19 |
| MUENCHENER RUECKVERS | -8,55 | -7,34 |
| ALLIANZ SE VINK.NAME | -5,26 | -4,60 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -0,91 | -4,11 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.436,71 | -0,06 |
| TecDax | 725,17 | +0,50 |
| DowJones | 11.370,53 | +0,19 |
| Nasdaq | 2.301,05 | +0,92 |
| STOXX 50 | 3.351,13 | -0,10 |
| Nikkei 225 | 13.334,76 | -1,97 |
| S&P 500 Zert. | 12,50 | -2,34 |
| Euro/Dollar | 1,57 | +0,11 |
| Bund Future | 110,38 | -0,50 |
| Gold | 928,40 | +0,08 |
| Öl | 125,98 | +0,80 |
