30. Oktober 2007 Recht durchwachsen sind die Quartalszahlen die am Dienstag vorbörslich vorgelegt wurden. Während BASF, Wirecard oder die Erste Bank überzeugen können und die Zahlen der UBS immerhin schlecht erwartet wurden, verfehlten Continental und Tele-Atlas die Prognosen.
Am wenigsten positiv aber fiel der Ausweis des Lübecker Medizin- und Sicherheitstechnikanbieters Drägerwerk aus, vor allem weil das Unternehmen ankündigen musste, dass das Betriebsergebnis (Ebit) im laufenden Jahr entgegen früherer Annahmen unter dem Vorjahresniveau liegen wird.
Schlechte Geschäfte in den Vereinigten Staaten
Diese Gewinnwarnung dürfte den Titel kräftig nach unten schicken, sagte ein Börsianer am Morgen und behielt zumindest vorbörslich recht. Die Aktie des Drägerwerks startete vorbörslich mit einer Taxe von zehn Prozent unter dem Vortagesschlusskurs.
Hintergrund ist ein Gewinneinbruch im dritten Quartal. Nach den ersten neun Monaten liegt das Ebit bei 70,3 Millionen Euro und damit gut sechs Prozent unter dem Vorjahreswert von 75 Millionen Euro. Damit wird der Vorjahreswert von 148 Millionen Euro nicht mehr zu erreichen sein.
Grund sei das schlecht laufende Geschäft im Unternehmensbereich Medical in den Vereinigten Staaten, der das Vorjahresergebnis von 53,5 Millionen Euro um 11,7 Millionen Euro verfehlt habe. Dort würden die geplanten Wachstums- und Ertragsziele voraussichtlich nicht erreicht. Das Wachstum des Unternehmensbereichs in den übrigen Regionen sowie die positive Entwicklung der Sicherheitstechnik werde dies voraussichtlich nur zum Teil kompensieren können, zumal die Zahlen der Medizintechnikbranche dabei noch um den Einmaleffekt von zwei im Geschäftsjahr 2006 realisierten Großaufträgen mit einem Umsatz-Volumen von 55 Millionen Euro bereinigt werden.
Infinity-ACS kommt offenbar später und wird teurer
Der Vorstand erarbeite derzeit ein Reorganisationskonzept für Nordamerika, das 2008 starten solle. Ferner will man die Synergiepotentiale der beiden Unternehmensbereiche heben. Dazu sollen der Bereich der gemeinsamen Dienste ausgebaut werden. Ziel ist unter anderem eine Verringerung der IT-Kosten, die deutlich über den Zielgrößen lägen. Hier beabsichtigt das Drägerwerk in den Jahren 2008 bis 2010 erheblich zu investieren.
Hinzu kommt eine zweite schlechte Nachricht. Der für 2008 erwartete Umsatzanteil des Infinity-ACS-Systems am Medizintechnik-Geschäft von bis zu zehn Prozent werde voraussichtlich später erreicht als ursprünglich geplant. Grund ist offenbar eine erheblich höhere Komplexität des Projekts.
Da die Implementierungsphase der Einzelkomponenten verschiedener Zulieferer weit intensivere Qualitätssicherungsmaßnahmen erfordert als seinerzeit angenommen, hat der Vorstand entschieden, 2008 erhebliche zusätzliche Mittel in die Entwicklung des Systems zu investieren, erklärt Stefan Dräger, Vorstandsvorsitzender der Drägerwerk AG.
Produktivitätssteigerung im Visier
Infinity ACS soll die erste standardisierte Plattform mit Funktionen für die Patientenüberwachung, Therapie und Informationsmanagement werden. Dafür sollen kurzfristig zusätzliche IT-Fachkräfte, Entwickler, Projektmanager und Servicetechniker rekrutiert sowie Tests und Integrationssimulationen verstärkt werden.
Das Potential der Neuentwicklung soll dadurch besser ausgeschöpft werden. Ende 2007 soll die Serie mit einem Widescreen-Monitor starten. Ab den Jahren 2008 bis 2010 sollen Komplettsysteme für die Intensivmedizin, die Anästhesie und die Perinatalmedizin angeboten werden. Für die Jahre ab 2009 rechnet der Vorstand der Drägerwerk AG mit einem stark wachsenden Beitrag des Infinity-Systems.
Druch die Einführung der Plattform und zusätzlicher Innovationen soll die Produktivität des Unternehmens innerhalb der nächsten fünf Jahre deutlich steigen. Man sehe sich durch eine im Branchenvergleich hohen Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung von rund sieben Prozent gut gerüstet. Im Medizintechnik-Geschäft erwartet das Unternehmen mittelfristig eine Konsolidierungswelle. Man sei unverändert offen für Akquisitionen.
Schwacher Trend
All diese mittel- bis langfristig möglicherweise positiv wirkenden stehen am Dienstag jedoch im Hintergrund, baute die Aktiennotierung ihr vorbörsliches Minus doch auf 12,4 Prozent aus und eröffnete den Handel mit einem Abschlag von mehr als 16 Prozent. Damit hat sich damit der ohnehin schwache Trend verschlechtert. Seit April bereits kämpfte die Notierung darum das durch den scharfen Kursanstieg seit Jahresende 2006 von 58 Prozent innerhalb von fünf Monaten zu halten.
Eine deutliche Konsolidierungsbewegung kam im August bei 55 Euro zum Stehen, doch nach einer Erholung auf 68 Euro wollte es nicht mehr so recht vorangehen. Zwar wurde zu Monatsanfang noch einmal ein Niveau von mehr als 70 Euro erreicht, doch konnte die Notierung dies nicht halten.
Mit dem Durchbruch auf unter 60 Euro am Dienstag kämpft sie nun darum, nicht unter das Augusttief zu fallen. Dies würde einen weitere Verkaufsimpuls auslösen und auch die noch verbliebenen Kursgewinne vom Jahresanfang zur Disposition stellen.
Warten auf Verbesserungen
Dabei hängt viel vom Grad der Ergebnisverfehlung ab. Auf dem Niveau des Schlusskurses vom Montag war die Aktie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 16,1 für das laufende und 14,1 für das kommende Jahr nicht übermäßig hoch bewertet. Indes rechneten Analysten mit einem um 4,5 Prozent höheren Betriebsergebnis.
Hinzu kommt dass sich der Umsatzeffekt von Infinity-ACS und der Einfluss der verstärkten Investitionen auf den Gewinn des kommenden Jahres derzeit ebenso wenig abschätzen lässt wie die Intensität und die Geschwindigkeit mit der die angestrebten Synergiepotentiale umgesetzt und die Kosten gesenkt werden können. Akquisitionen sind derzeit eher noch als unverbindliche Absichtserklärung, denn als reale Möglichkeit zu betrachten.
Gerade diese Unsicherheit aber dürfte sich im Zweifelsfall noch stärker belasten auswirken als die aktuelle Ergebnisverfehlung. Indes betrachten einige Anleger immerhin die Abgaben als Gelegenheit und so erholte sich die Aktie recht rasch auf ein Minus von 12,7 Prozent. Indes dürfte diese Gegenbewegung erst dann Durchschlagskraft entfalten, wenn es dem Unternehmen gelingt, anhand verbesserter Zahlen unter Beweis zu stellen, dass seine Investitions- und Effizienzsteigerungsbemühungen von Erfolg gekrönt sind.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: FAZ.NET
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +45,13 | +15,20 |
| K+S AKTIENGESELLSCHA | -0,15 | -0,39 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -0,40 | -1,01 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -5,99 | -16,08 |
| DEUTSCHE POSTBANK AG | -3,87 | -14,61 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | -0,44 | -13,68 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.544,31 | -7,01 |
| TecDax | 516,75 | -4,81 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.421,87 | -7,86 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 8,83 | -10,45 |
| Euro/Dollar | 1,34 | +0,00 |
| Bund Future | 114,67 | -1,44 |
| Gold | 847,40 | +0,00 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |