21. Mai 2008 Den Schwellenmärkten fließt als großer, keineswegs homogener Gruppe weiterhin Anlagekapital zu. Dies scheint auszudrücken, dass Investoren aller Kategorien dort die derzeit einzige noch verbliebene Quelle von Wachstum sehen.
Doch es sind auch warnende Stimmen zu vernehmen, die eine Blase entstehen sehen. Sie verweisen darauf, dass mit Blick auf die Bewertung mancher Schwellenbörsen schon die Grenze zu Exzessen erreicht, wenn nicht sogar überschritten sein könnte. Die Äußerungen der Skeptiker rufen eine Bemerkung von Barton Biggs, vormals Stratege bei Morgan Stanley, in Erinnerung, nach der keine Anlagekategorie nicht von zu viel Kapital zerstört werden könne.
Unterkapitalisierung deutlich verbessert
Dass die Schwellenländer als Gruppe eine Wachstumsgeschichte seien, belegt Merrill Lynch mit dem Hinweis, dass sie unterkapitalisiert seien. Dies bessere sich jedoch augenfällig, denn die Emissionen von Aktien hätten sich von 2003 bis einschließlich 2007 versiebenfacht. Im vergangenen Jahr seien 35 Prozent aller Emissionen auf diesen Länderkreis entfallen, wobei der Schwerpunkt auf Asien gelegen habe. Die Übernahmen und Fusionen hätten sich von 2003 bis 2007 vervierfacht.
Der Anteil an den Prozessen dieser Art in der Welt habe im vergangenen Jahr 28 Prozent betragen. In absoluten Zahlen betrachtet, hätten Unternehmen in den Schwellenländern 2007 insgesamt etwa 550 Milliarden Dollar an den Kapitalmärkten aufgenommen. Davon seien fast 200 Milliarden Dollar auf Aktien, 100 Milliarden Dollar auf Unternehmensanleihen, 200 Milliarden Dollar auf Kredite von Gläubigersyndikaten und 60 Milliarden Dollar auf Private Equity entfallen.
Extremer Kapitalzufluss
Merrill Lynch hält es für bemerkenswert, dass die 2008 entstandene Kreditklemme die Schwellenländer bei der Aufnahme von Kapital deutlich weniger getroffen hat als die Industrieländer. Dennoch stellt sich aus strategischer und aus technischer Sicht die Frage, ob die Konzentration so starker Kapitalzuflüsse auf eine einzige Anlagekategorie nicht schon beginnt, extreme Formen anzunehmen, was im Sinne der gegensätzlichen Meinung zur Vorsicht mahnen könnte.
Morgan Stanley hat die Übergewichtung von Aktien in einem Portefeuille von Kapitalanlagen in den Schwellenländern kürzlich von 4 auf 2 Prozent halbiert und im gleichen Zug den Anteil der liquiden Mittel von 4 auf 6 Prozent erhöht. Begründet wird dies mit einem durchschnittlichen Terraingewinn dieser Aktien von 12 Prozent seit Jahresanfang. Die Investmentbank favorisiert weiterhin die Aktienmärkte in Südkorea, Taiwan und Russland. Brasilien wird neutral eingestuft. Untergewichtet sollten Indien, Mexiko und Südafrika gehalten werden. Unter den Aktiengruppen dieser Länder rät Morgan Stanley, Energie, Rohstoffe, Telekommunikation und ausgewählte Industriesektoren gegenüber Finanzwerten, Informationstechnologie und Versorgung zu bevorzugen.
Blasenbildung
Eine eindeutige Warnung vor Aktien aus den Schwellenländern spricht James Montier von Société Générale aus. Er ist davon überzeugt, dass Anleger für die Hoffnung auf Wachstum dort zu viel zahlen. Die durchschnittliche Bewertung der Schwellenbörsen liege derzeit beim 40fachen der zyklisch bereinigten Unternehmensgewinne. Dies sei unglaublich hoch.
Die Kursentwicklung an diesen Märkten scheine dem Muster zu folgen, nach dem vorausgegangene Blasen (Bubbles) entstanden seien. Er weist dies anhand eines eigens konstruierten Bubble-Index und an Exzessen, zurückreichend bis zu den Übertreibungen bei britischen Eisenbahnaktien in den vierziger Jahren des 18. Jahrhunderts, nach. Charakteristisch für solche Blasen sei, dass die Anleger alle ungünstigen Nachrichten ignorierten und der Devise Diesmal ist alles anders, den vier gefährlichsten Wörtern bei der Kapitalanlage, folgten. Dies sei noch nie gutgegangen, merkt der Stratege an.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Lufthansa | 11,06 € | +2,98% |
| Daimler | 33,21 € | +1,68% |
| MAN | 56,17 € | +1,37% |
| Volkswagen | 109,18 € | +1,32% |
| Commerzbank | 6,95 € | +1,16% |
| FMC | 34,93 € | −0,60% |
| Münchener Rück. | 105,31 € | −0,84% |
| BASF | 37,55 € | −0,84% |
| Salzgitter | 62,96 € | −0,88% |
| SAP | 31,45 € | −0,95% |
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.488,25 | +0,13% |
| TecDAX | 749,78 | −0,03% |
| MDAX | 7.084,74 | +0,96% |
| SDAX | 3.465,16 | +1,09% |
| REX | 372,70 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.794,25 | +0,03% |
| Dow Jones | 10.023,40 | +0,17% |
| Nasdaq 100 | 1.730,76 | +0,56% |
| S&P500 | 1.069,30 | +0,25% |
| Nikkei225 | 9.808,99 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,4933 | +0,41% |
| Rohöl Brent Crude | 76,80 $ | +0,43% |
| Gold | 1.096,75 $ | +0,71% |
| Bund Future | 120,85 € | −0,18% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index06.11.2009 13:00 |
1315,77 | 1321,61 | 1260,60 |
Performance-Index06.11.2009 17:35 |
291,63 | 292,08 | 274,04 |
Euro-Aktien-Index06.11.2009 17:35 |
139,56 | 136,19 | 124,82 |