14. Februar 2008 Die internationalen Börsen setzten in den vergangenen Tagen trotz der andauernden Kreditkrise sowohl aufgrund markttechnischer Gründe als auch aufgrund des frisch auflebenden Wirtschaftsoptimismus zum Teil deutliche Erholungsbewegungen nach oben ein.
Sie setzen sich am Donnerstag fort, allerdings nicht überall. So verbucht die ungarische Börse Kursverluste. Der Bux liegt am Mittag mit einem Minus von 1,34 Prozent bei 24.217 Zählern und damit nahe am Tagestief. Er hatte seit März des vergangenen Jahres im Rahmen der allgemeinen Korrekturbewegung bis zu 26 Prozent seines Wertes verloren.
Ungarn liefert schwache makroökonomische Daten ...
Die Kurzfristige Abkopplung von den restlichen Märkten ist auf die makroökonomische Lage des Landes zurückzuführen. Sie sieht nicht sonderlich prickelnd aus: Das Wirtschaftswachstum lag im vierten Quartal des vergangenen Jahres gerade einmal bei 0,8 Prozent. Das ist das schwächste Wachstum seit dem zweiten Quartal des Jahres 1996.
Diese Entwicklung ist das Resultat der notwendigen restriktiven Wirtschafts- und Finanzpolitik im Lande in Kombination mit einer relativ schwachen Exportnachfrage aus dem europäischen Raum. Premierminister Ferenc Gyurcsany sah sich aufgrund der hohen Verschuldung und der strukturell zu hohen Staatsausgaben in den vergangenen Jahren nun gezwungen, Arbeitsplätze im Öffentlichen Sektor abzubauen, Steuern zu erhöhen, Subventionen zu kürzen und Infrastrukturinvestitionen einzuschränken.
Das führte dazu, dass der im Rahmen der EU-Konvergenzbewegung noch überbordende Konsum zurückging und das Konsumentenvertrauen in den Keller rutschte. Aus diesem Grund gingen in den vergangenen Monaten die Aufträge aus dem Binnenmarkt zurück. Das einzige was noch einigermaßen lief, war das Exportgeschäft der produzierenden Betriebe. Und selbst dort gab es wegen der Versorgung mit knappen Ressourcen Probleme.
Auf diese Weise rächt sich nun der Boom auf Pump der vergangenen Jahre und Jahrzehnte, der zur starken Verschuldung des ungarischen Staates und zu einer deutlich zunehmenden Verschuldung der privaten Haushalte geführt hat. Nicht nur ihre Höhe ist ein Thema, sondern auch ihre Struktur.
... als Folge der verfehlten Wirtschafts- und Finanzpolitik der vergangenen Jahrzehnte
Daten der ungarischen Zentralbank zeigen, dass vor allem im Hypothekarbereich die Auslandsverschuldung deutlich zugenommen hat. Die Carry Trades des kleinen Mannes in Ungarn bestanden offensichtlich darin, Hypotheken in Landeswährung durch entsprechende Kontrakte in Schweizer Franken abzulösen. Das kann dann problematisch werden, wenn der Schweizer Franken im Rahmen einer Krise deutlich aufwerten und auf diese Weise den gegenwärtigen Zinsvorteil rasch überkompensieren sollte.
Experten bezeichnen Ungarn längst als den Kranken Mann Zentraleuropas. Sie rechnen nicht damit, dass sich das Land rasch aus seiner misslichen Lage wird befreien können. Zu stark hat es in de Vergangenheit über seine Verhältnisse gelebt. Das zeigte sich alleine schon daran, dass die Nettoverschuldung vor den jüngsten Sparbemühungen deutlich stärker zugenommen hatte, als das abflauende Wachstum. Da die EU deswegen mit finanziellen Konsequenzen gedroht hatte, hat Gyurcsany nun das Ziel, das Budgetdefizit von einem Rekordwert von 9,2 Prozent noch im Jahr 2006 und von voraussichtlich 5,7 Prozent im vergangenen Jahr auf weniger als drei Prozent im Jahr 2009 zu senken. Das ist die Obergrenze, zu der die Europäische Union seine Mitglieder verpflichtet.
Auf dieser Basis dürfte es ratsam sein, die ungarische Börse mit der notwendigen Skepsis zu betrachten und wenn, dann auf Einzelwerte zu setzen. Da die Kerninflationsrate in den vergangenen Monaten nach einem Rückgang in den Jahren 2000 bis 2005 wieder deutlich angezogen hat auf zuletzt 5,2 Prozent im Januar und auf Jahresbasis, dürfte die Zentralbank nicht viel Spielraum für zinspolitische Manöver haben. Aus diesem Grund sind die Staatsanleihen des Landes in den vergangenen Monaten der Börsenturbulenzen gefallen, statt zu steigen. Im Rahmen eines normalisierten Risikoappetits dürften Fundamentaldaten wieder wichtiger werden, als in den vergangenen Jahren.
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Text: @cri
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