06. Mai 2008 Nach dem Schrecken, den die Bank of America den Anleihegläubigern des angeschlagenen Hypothekenfinanzierers Countrywide am Montag versetzte und den schwachen Zahlen und Ausblicken aus der Finanzbranche vom Dienstag, ist es mit der trügerischen Selbstberuhigung hinsichtlich der von den Vereinigten Staaten ausgehenden Immobilien- und Finanzkrise wohl vorbei.
Auch am Dienstag müssen die amerikanischen Anleger damit leben, dass aus dem Immobiliensektor weiter schlechte Nachrichten zu hören sind. Diesmal schockte der staatsnahe, größte amerikanische Hypothekenfinanzierer Fannie Mae die Börse mit einem neuen Milliardenverlust.
Überraschend hoher Verlust
Angesichts der sich verschärfenden amerikanischen Immobilienkrise verzeichnete das Institut im ersten Quartal einen Verlust von 2,51 Milliarden Dollar oder 2,57 Dollar je Aktie, wohingegen Analysten lediglich mit einem Verlust von 0,81 Dollar je Aktie gerechnet hatten. Im Vorjahresquartal hatte Fannie Mae noch einen Gewinn von 826 Millionen Dollar eingefahren. Bereits am Jahresende 2007 hatte Fannie Mae bereits einen Rekordverlust von 3,6 Milliarden Dollar verbucht.
Nun sollen Anleger bei einer Kapitalerhöhung sechs Milliarden Dollar zuschießen, zudem kündigte das Institut eine Kürzung der Dividende an. Fannie Mae hatte schon im Dezember Vorzugsaktien im Wert von 7 Milliarden Dollar emittiert, um seine Kapitaldecke zu stärken.
Fannie Mae vergibt keine Hypotheken direkt an Hausbesitzer, sondern kauft diese Darlehen von Hypothekenbanken. Die Hypothekeninstitute refinanzieren sich auf diese Weise. Fannie, das einen staatlichen Auftrag zur Förderung des Wohneigentums hat, verpackt die Hypotheken dann in Wertpapiere und reicht sie an Investoren weiter.
Kreditausfälle sollen 2009 noch steigen
Das Institut sieht so schnell noch kein Land in Sicht und erwartet , dass 2009 die Kreditausfälle sogar noch zunehmen. Nachdem die Hauspreise in den Vereinigten Staaten seit ihrem Höchststand mittlerweile um insgesamt rund 15 Prozent gesunken sind, erwartet Fannie Mae, dass sie im laufenden Jahr um weitere sieben bis acht Prozent nachgeben.
Sie erkennen nun, dass die Kreditverluste beträchtlich höher sein werden als 2007, sagte Ajay Rajadhyaksha, Leiter der Rentenstrategieabteilung von Barclays Capital in New York der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Der Häuser- und der Kreditmarkt verschlechtern sich rapide. Diese Kapitalerhöhung wird nicht die letzte sein.
Und die Hausbesitzer kommen immer stärker unter Druck. Abgesehen davon, dass immer mehr variable verzinsliche Darlehen von anfänglichen Dumping-Zinsen auf Marktniveau umgestellt werden, kassieren jetzt die Hypothekenfinanzierer zunehmend die vor Jahren mit beiden Händen ausgereichten Home Equity Loans ein, die Verbrauchern zu einem höheren Lebensstandard durch Belastung ihrer Häuser verhalfen.
Nichts passiert
Countrywide hat beispielsweise am Dienstag in Las Vegas allen Kunden die Kreditlinien gestrichen, mittlerweile sind davon 600.000 Kreditlinien landesweit betroffen, nach Schätzungen von Experten könnte sich das Volumen auf immerhin 6 Milliarden Dollar belaufen. Insgesamt stehen 1,1 Billionen Dollar an so genannten Home Equity Loans aus.
Fannie-Mae-Aktien fielen vorbörslich um rund zwölf Prozent, konnten sich im Laufe des offiziellen Handels jedoch sogar ins Plus vorarbeiten. Die Kurse des kleineren Konkurrenten Freddie Mac fielen vorbörslich um mehr als sieben Prozent und konnten das Minus dann auf 2,3 Prozent verringern. Freddie Mac wird in der kommenden Woche Geschäftszahlen vorlegen. Auch hier erwarten Branchenexperten hohe Verluste.
Die Erholungen zeigen, dass obwohl die Finanzkrise ganz offenkundig nicht vorbei ist, sich die Anleger darauf fest gelegt haben, dass alles doch nicht so schlimm ist. Die Kursentwicklung beider Aktien verläuft derzeit in etwa gleich. Die heutigen Verluste bedeuten eher eine Verstetigung der jüngsten Seitwärtsentwicklung.
Spekulieren auf das Wahljahr
Analysten erwarten im Schnitt im kommenden Jahr wieder Gewinne. Angesichts der Prognosen von Fannie Mae, sollte man dies aber nicht unbedingt als gegeben annehmen. Selbst wenn, sind die Aktien von Fannie Mae derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp zwölf und einer Marktkapitalisierung in Höhe des Doppelten des erwarteten Umsatzes ausreichend bewertet. Freddie Mac erscheint mit einem KGV von 16,35 höher bewertet, wenngleich das Kurs-Umsatz-Verhältnis nur 1,5 beträgt.
Diese optisch günstigen Bewertungen lassen immer wieder Investoren zugreifen, die auf staatliche und konzertierte Hilfsmaßnahmen spekulieren, die das Schlimmste schon verhüten werden. Je schlechter die Entwicklung, um so wahrscheinlicher, dass alles zulasten des Steuerzahlers wieder in Ordnung gebracht wird, lautet die Spekulation, die so unwahrscheinlich nicht scheint. Schließlich ist Wahljahr.
Und die Geschenke sind schon in Sicht. So hat die Aufsichtsbehörde angekündigt, dass Fannie Mae seine Kapitalüberdeckung von 20 auf 15 Prozent nach der Kapitalerhöhung senken darf. Dann könnte Fannie mehr Hypotheken ankaufen und die Märkte stützen Sogar bis auf zehn Prozent könnte die Überdeckung gesenkt werden, wenn das Kapital entsprechend erhöht werden könne.
Mit soviel staatlicher Rückendeckung stört sich auch niemand daran, dass Fannie Mae erstmals veröffentlichte, dass man 56 Milliarden an so genannten Level-3-Vermögenswerten hält. Diese sind so illiquide, dass die Unternehmen deren Wert auf Basis eigenere Modelle, das heißt letztlich nach Gutdünken bestimmen können.
Was letztlich dem vernehmen nach genügte, um ein Umdenken auszulösen, war dann die Stellungnahme des Unternehmens, wonach man aus dem Zusammenbruch des Subprime-Markts gestärkt hervorgehen werde sowie die Bestätigung des erstklassigen Ratings durch die Agentur Moody's.
Insofern scheint ein weiteres Abrutschen der Kurse von Fannie & Freddie derzeit wenig wahrscheinlich. Potential für große Zugewinne ist aber auch nicht zu sehen, denn erst einmal muss Fannie Mae stark werden. Insofern sollte, wer nicht besonders risikofreudig ist, ein Investment lieber für den nächsten Immobilienboom in den Vereinigten Staaten aufheben. Und bis dahin könnte es noch eine Weile dauern.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.
Text: mho
Bildmaterial: AFP, F.A.Z.
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Lufthansa | 11,06 € | +2,98% |
| Daimler | 33,21 € | +1,68% |
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| Commerzbank | 6,95 € | +1,16% |
| FMC | 34,93 € | −0,60% |
| Münchener Rück. | 105,31 € | −0,84% |
| BASF | 37,55 € | −0,84% |
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| SAP | 31,45 € | −0,95% |
US-Anleihen notieren im späten Geschäft gut behauptet
22:43Wall Street schließt gut behauptet - US-Arbeitsmarkt belastet nur kurz
22:19EUREX/Renten-Futures schließen knapp behauptet
22:16EUREX/DAX-Futures schließen etwas fester - Erholt von Tagestiefs
22:08XETRA-NACHBÖRSE/XDAX (22 Uhr): 5.507 (XETRA-Schluss: 5.488) Pkt
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291,63 | 292,08 | 274,04 |
Euro-Aktien-Index06.11.2009 17:35 |
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