Banken

IKB-Aktie mit erwartungsgemäßem Kurssprung

14. Februar 2008 Spekulative Anleger dürften den Donnerstag freudig genießen können. Die große Koalition, die angetreten ist, das deutsche Wirtschaftssystem zu reformieren, hat ihnen am Mittwochabend ein dickes Geschenk überreicht: Für alle, die indes nicht in der Aktie der Pleitebank IKB engagiert sind, ist es wohl eher ein dicker Hund.

Die Mittelstandsbank, deren Management mit spekulativen Papieren nicht nur Milliarden verzockt, sondern dabei ihre Existenz in Frage gestellt hat, soll ein weiteres Hilfspaket in Höhe von 1,5 Milliarden Euro erhalten. Da aber der staatseigene Großaktionär, die Förderbank KfW nicht mehr zahlen kann und die privaten Banken nicht mehr wollten, zahlt nun der Bund zwei Drittel der Summe aus den Taschen der Steuerzahler.

„Gesundes Kerngeschäft“

Da werden Erinnerung an den Osten Deutschlands wach, in dem Industriepolitik einst unter dem Motto stand: „Der Aufbau des Sozialismus' darf nicht am Mangel an Geld scheitern.“ Alle möglichen Gründe werden dafür angeführt, warum der Schritt notwendig sein soll, allesamt sind zweifelhaft (vgl. Kommentar: Wer für die Banken zahlt).

Zum Börsenkurs

Die Aktienanleger schert es nicht, braucht es auch nicht. Sie treibe munter den Kurs der Aktie um derzeit rund 24 Prozent auf 7,35 Euro nach oben. Denn offenbar ist ja die Zukunft gesichert, dank einer weichen Budgetrestriktion, die dem Institut ja den Kassen der Bürger ermöglicht.

Und dann hat die IKB ja auch ein gesundes Kerngeschäft (vgl. Privatbankiers im Gespräch: „Die IKB hat ein gesundes Kerngeschäft“). Das sagt zumindest Europas größte Privatbank Sal. Oppenheim, die mit 5 Prozent an der angeschlagenen IKB beteiligt ist. Man sei überzeugt, dass zwar nicht das Verbriefungsgeschäft, aber das Kreditgeschäft und die strukturierten Finanzierungen eine vernünftige Grundlage darstellen. Das mag sein, wie es will. Indes muss man auch berücksichtigen, dass die Großbank sicher nicht darauf aus ist, ihre Beteiligung, die einst sechsmal so viel wert war wie derzeit, gänzlich abschreiben zu müssen.

Rettung auf dem Holzmann-Weg?

Sal. Oppenheim weigerte sich auch an einer Kapitalerhöhung ohne Lösung für die Bank teilzunehmen. Und das mit gutem Grund. Denn staatliche Rettungspakete für bankrotte Privatfirmen sind bisweilen Schnellschüsse, die aus dem politischen Tagesgeschehen mit Blick auf das Medienecho heraus geschnürt werden. Ist das bei einer neuerlichen Schieflage nicht mehr so groß, dann schauen die Regierenden einfach mal kurz weg.

Wer erinnert sich nicht an den Bankrott des Baukonzerns Philip Holzmann, als der damalige Bundeskanzler mit großem Gepränge einflog, um einen gefeierten Rettungsakt zu vollziehen und den Traditionskonzern vor dem zwangsläufigen Resultat der hauseigenen Misswirtschaft zu bewahren? Keine drei Jahre später war Holzmann endgültig pleite.

Nicht aus dem Schneider

Wie Sal. Oppenheim-Mitgesellschafter Friedrich Carl Janssen bemerkt, sind die Zeiten vorbei, in denen die IKB durch ihre Aktionäre ein erstklassiges Rating und damit günstige Refinanzierungskosten gehabt habe. Die IKB benötigt langfristige Finanzierungszusagen und Risikoabsicherungen. Bislang ist die Abwanderung von Kreditkunden offenbar vernachlässigbar. Doch sollten die Berater abwandern, kann sich das ändern.

Auch Analyst Michael Dunst von der Commerzbank zeigt sich keineswegs enthusiastisch und stuft die Aktie weiter mit „Hold“ bei einem Kursziel von sechs Euro ein. Dieser korrespondiere mit dem erwarteten Buchwert der Mittelstandsbank, so der Experte.

Und mit dem Rettungspaket ist die Bank nicht aus dem Schneider. Sie ist lediglich erst einmal nicht insolvent. und das ist ein erheblicher Unterschied. Wie sich künftig das Geschäft entwickeln wird, ist völlig unklar und so bleibt die Aktie ein spekulatives Papier mit hohen Risiken.

Das zeigt auch der Kurssprung. Denn 24 Prozent sind wenig. Um auf das Kursniveau vor zwölf Monten zurückzukehren, als die Welt noch in Ordnung schien, hätte es rund 700 Prozent bedurft.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: AP, dpa, FAZ.NET

Bank in der Krise

IKB soll weitere Hilfen erhalten

Die von der Insolvenz bedrohte Mittelstandsbank IKB soll ein weiteres Hilfspaket in Höhe von 1,5 Milliarden Euro erhalten. Eine Milliarde davon will der Bund übernehmen.

Abermals Hilfspaket geschnürt

Steuerzahler müssen IKB retten

Spezial Die Rettung der Mittelstandsbank IKB kostet immer mehr Geld und belastet den Haushalt. Der Bund will der in Schieflage geratenen Bank kurzfristig mit einer Milliarde Euro unter die Arme greifen. Die große Koalition fürchtet, dass eine Insolvenz noch teurer wäre. Von Holger Appel und Manfred Schäfers

Rettung der IKB

Wer für die Banken zahlt

Die Rettung der Skandalbank IKB kostet Milliarden. Warum soll eigentlich der Steuerzahler die Rechnung für überforderte Bankmanager begleichen, die in ihrer Gier blind fürs Risiko wurden? Hier entsteht der Eindruck, die Gewinne der Banken seien privater Natur, während für die Verluste die Allgemeinheit aufzukommen habe. Von Holger Steltzner

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Privatbankiers im Gespräch

„Die IKB hat ein gesundes Kerngeschäft“

Heute berät der Verwaltungsrat der IKB über eine Rettung für die angeschlagene Bank. Die Privatbank Sal. Oppenheim ist mit 5 Prozent an der IKB beteiligt - und würde an einer Kapitalerhöhung mitwirken. Die F.A.Z. sprach mit den Privatbankiers Matthias Graf von Krockow und Friedrich Carl Janssen.

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IKB bringt Minister und KfW-Chefin in die Klemme

Die staatseigene Förderbank KfW wird sich an dem Rettungspaket für die Düsseldorfer Bank IKB beteiligen. Nach Informationen der F.A.Z. wird die KfW einen Teil der 2 Milliarden Euro übernehmen. Das heißt: Der Bund springt ein. Von Holger Appel

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Schwüre, für die Rettung der mehrheitlich im privaten Besitz befindlichen IKB werde kein Steuergeld eingesetzt, sind nicht mehr zu vernehmen. Doch das Geld des Bürgers ist für Fehlleistungen einzelner Manager nicht da. Von Holger Appel

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Die KfW ist nicht mehr ohne weiteres in der Lage, zusätzliches Geld für die angeschlagene IKB zu geben. Jetzt erwartet die IKB zusätzliches Engagement von den privaten Banken. Doch die lehnen kategorisch ab. Von Holger Appel

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