Von Christof Leisinger und Nadine Bös
19. März 2008 Die Aktie der Deutschen Telekom macht wieder einmal mit Kursverlusten auf sich aufmerksam. Seit Anfang Januar hat das Papier knapp 34 Prozent verloren. Alleine am Mittwoch verlor es fast bis zu 13 Prozent auf gerade noch 9,92 Euro im bisherigen Tagestief.
Mit Panik und Missverständnissen aufgenommene Aussagen zur Prognose des Festnetzgeschäfts hätten zu drastischen Verkäufen geführt, hieß es am Markt. Zeitweise wurde sogar eine Gewinnwarnung am Markt gespielt, die sich aber nicht bewahrheitete.
Wir bestätigen die Prognose in vollem Umfang
Ein Sprecher verneinte ausdrücklich, dass es neue Probleme im operativen Geschäft gebe und machte klar, dass es bei der Prognose für 2008 bleibe: Wir bestätigen die Prognose im vollen Umfang, sagte er zu FAZ.NET. Die Aktie begrenzte im Lauf des Tages ihre Verluste. Eine Hypothese über die wahren Gründe oder Auslöser des Kurssturzes wollte die Telekom nicht treffen. Wir agieren hier in einem völlig nervösen Markt, so der Sprecher.
Händler hätten ihm geschildert, dass ihnen kaum Verkaufswünsche vorlägen - ein großer Teil der Verkäufe habe über den elektronischen Handel stattgefunden. Auch ein Branchenproblem könne er nicht erkennen. Auch die Telecom Italia befand sich am Mittag mehr oder weniger im freien Fall, der Handel mit dem italienischen Papier an der Mailänder Börse wurde vorübergehend ausgesetzt.
Beim bereinigten Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) werde weiterhin mit einer gegenüber 2007 stabilen Entwicklung gerechnet, teilte die Telekom weiter mit. Der operative Gewinn lag im vergangenen Jahr bei 19,33 Milliarden Euro. Nicht eingerechnet ist dabei die griechische OTE, an der sich die Telekom in diesem Jahr beteiligen will.
Liquide und rasch veräußerbar
Die Entwicklung der Telekom-Aktie mag einerseits auf die allgemeine Volatilität an den Märkten zurückzuführen sein. Die Kreditkrise dürfte den einen oder anderen Marktteilnehmer auf der verzweifelten Suche nach Liquidität dazu gezwungen haben, liquide und damit rasch veräußerbare Wertpapiere zu verkaufen. Dazu zählen sicherlich die Papier der Deutschen Telekom. Immerhin kam es in der jüngeren Vergangenheit zu Tagesumsätzen von bis zu 61 Millionen Stück.
Auf der anderen Seite mögen auch die jüngsten Unternehmensmeldungen - eventuell kombiniert mit Missverständnissen - und die schwache Konjunktur in den Vereinigten Staaten dazu beigetragen haben, dass der Kurs der Aktie im angeschlagenen Umfeld unter Druck geriet. So wurde am Morgen gemeldet, dass das Unternehmen in seiner Festnetzsparte angesichts des harten Wettbewerbs in diesem Jahr mit weiter rückläufigen Erlösen und Gewinnen rechnet. Der Umsatz werde voraussichtlich um vier bis sechs Prozent schrumpfen, sagte der zuständige Vorstand Timotheus Höttges - so wurde nach einer Telefonkonferenz berichtet. Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) sinke wohl sogar um fünf bis acht Prozent. Allerdings sind diese Rückgänge nach Aussage der Telekom in den bisherigen Planungen bereits enthalten.
Der Umsatz der Festnetzsparte war schon im vergangenen Jahre um acht Prozent auf 22,7 Milliarden Euro gefallen und der Betriebsgewinn war um 14 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro gefallen. Das heißt, der Rückgang scheint sich zumindest zu verlangsamen. Bis im Jahr 2010 sei mit keinen weiteren Rückgängen mehr zu rechnen, hofft das Management.
Es bemüht sich, dem Schrumpfungsprozess im angestammten Geschäft mit traditionellen Telefonanschlüssen mit dem Ausbau von schnellen Internetanschlüssen und einem Sparprogramm entgegenwirken. Nach Einsparungen von 1,2 Milliarden Euro in der unter der Marke T-Home geführten Sparte im vergangenen Jahr sollen die Kosten in diesem Jahr um eine weitere Milliarde Euro sinken. Während die Telekom bei traditionellen Telefonanschlüssen 2008 mit einem Minus um 1,7 bis 1,9 Millionen rechnet - wodurch der Marktanteil von 82 auf 73 bis 75 Prozent sinken wird - seien bei Breitbandanschlüssen Zuwächse zu erwarten.
Die Dividendenrendite liegt inzwischen bei 7,5 Prozent
Die Telekom will in diesem Jahr 1,6 Millionen Breitband-Kunden gewinnen und ihren Marktanteil in dem Segment damit um mindestens einen Prozentpunkt auf 45 Prozent erhöhen. Auch im Jahr 2010 will die Telekom bei Breitbandanschlüssen einen Marktanteil von über 45 Prozent haben, während sie bei klassischen Anschlüssen bis dann mit einem Rückgang auf 65 Prozent rechnet.
Zu den operativen Meldungen kommt die geplante Übernahme eines 20-Prozent-Anteils an Hellenic Telecom für etwa 2,5 Milliarden Euro. Sie brachte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) am Montag dazu, das Langfristrating der Deutschen Telekom auf CreditWatch Negative zu setzen. Damit reagiere die Ratingagentur auf die Ankündigung des größten deutschen Telekomkonzerns, den 20-prozentigen Anteil an OTE zu erwerben.
Insgesamt rechtfertigen solche Meldungen kaum die Kursverluste, die in den vergangenen Tagen zu beobachten waren. Denn bei allen Bedenken entwickelt sich das Unternehmen im Bereich der mobilen Telekommunikation relativ robust, erzielt aufgrund eines großen Marktanteils einen hohen, wenn auch im Trend leicht zurückgehenden operativen Cashflow und hat alle Möglichkeiten, den Anforderungen des Marktes adäquat begegnen zu können. Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 13,5 und 11,8 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr und vor allem auch mit einer Dividendenrendite von 7,5 Prozent - ausgeschüttet wird am 16. Mai des laufenden Jahres - bietet das Papier den Anlegern inzwischen trotz der noch hohen Verschuldung gewisse Reize.
Angesichts der jüngsten Kursverluste und der andauernden Volatilität dürfte es jedoch ratsam sein, sich selbst nach dem Kauf solch relativ defensiver Werte über regelmäßig angepasste Stop-Loss-Aufträge oder andere Strategien gegen stärkere Kursrückschläge abzusichern.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung der Autoren und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Deutsche Telekom, FAZ.NET
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,41 | +8,35 |
| COMMERZBANK AG INHAB | +1,25 | +6,28 |
| DEUTSCHE LUFTHANSA A | +0,80 | +5,55 |
| E.ON AG INHABER - AK | -3,91 | -3,25 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | -0,61 | -1,84 |
| RWE AG STAMMAKTIEN O | -1,36 | -1,77 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.382,65 | +1,78 |
| TecDax | 723,60 | +0,01 |
| DowJones | 11.496,57 | +0,44 |
| Nasdaq | 2.282,78 | -1,28 |
| STOXX 50 | 3.321,53 | +2,01 |
| Nikkei 225 | 12.803,70 | -0,65 |
| S&P 500 Zert. | 12,44 | +0,40 |
| Euro/Dollar | 1,58 | +0,00 |
| Bund Future | 110,68 | -0,86 |
| Gold | 954,30 | -0,25 |
| Öl | 131,20 | -3,78 |
