Rohstoffindustrie

Alcoa belastet vom schwachen Aluminiummarkt

Wer will kaufen?

Wer will kaufen?

09. Juli 2009 Börsianer sind manchmal lächerliche Gesellen. Anders lassen sich Kursgewinne kaum erklären, wenn Unternehmen riesige Verluste bekannt geben. Am Mittwoch war das wieder einmal der Fall.

Der amerikanische Aluminiumhersteller Alcoa hat im zweiten Quartal einen Reinverlust von 454 Millionen Dollar oder von 47 Cents je Aktie erlitten, der Aktienkurs jedoch legte im nachbörslichen Handel etwas mehr als 4 Prozent zu auf 9,85 Dollar zu.

Schwaches Ergebnis - aber leicht über den Befürchtungen des Marktes

Das Ergebnis habe leicht über den Befürchtungen des Marktes gelegen, heißt es. Tatsächlich musste das Unternehmen jedoch angesichts schwacher Nachfrage und nach wie vor schwachen Aluminiumpreise außer einem hohen Verlust auch einen Umsatzrückgang von 41,4 Prozent auf 4,24 Milliarden Dollar hinnehmen.

Die Verluste lagen zwar deutlich unter den Werten des Vorquartals. Allerdings ist der Rückgang in erster Linie auf massive Kostensenkungen zurückzuführen und nicht auf einen besseren Geschäftsgang. Die Reduzierung von Verwaltungskosten um knapp 20 Prozent auf 240 Millionen Dollar mag zwar eindrucksvoll sein, allerdings kann die überproportionale Senkung von Investitionen im Forschungs- und Entwicklungsbereich um knapp 38 Prozent auf gerade noch 38 Millionen Dollar rasch kontraproduktiv werden. Die Zunahme der Zinskosten um 32 Prozent auf 115 Millionen Dollar mag sich zwar durch die Krise erklären lassen, sonderlich positiv ist sie jedoch auch nicht.

Vor einem Jahr hatte Alcoa noch einen Gewinn von 546 Millionen Dollar beziehungsweise 66 Cents je Aktie erzielt. Den Verlust aus dem laufenden Geschäft bezifferte Alcoa mit 32 Cents je Aktie. Ohne Restrukturierungskosten hätte er bei 26 Cents je Aktie gelegen. Analysten hatten im Durchschnitt einen Verlust von 39 Cents je Aktie und einen Umsatz von 4,3 Milliarden Dollar erwartet.

Die Initiativen zur Generierung von Barmitteln, zur Verbesserung der Produktivität und die Portfolioänderungen zeigten Wirkungen, erklärte der Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld in einer Mitteilung traditionell optimistisch. Es gebe Anzeichen einer Stabilisierung, erklärte er am Mittwochabend nach dem amerikanischen Börsenschluss.

Die Aktie ist teuer und risikobehaftet

Kurzfristig mag sich das Geschäft mit Blick auf die gewaltigen Subventionen, mit denen beinahe weltweit die Automobilverkäufe trotz riesiger Überkapazitäten und überteuerter Produkte gefördert werden, etwas beleben. Mittel- und langfristig sehen die Zeichen jedoch weniger positiv aus. Spätestens wenn die auf Pump finanzierten Anreize auslaufen oder sie sich schlicht und einfach nicht mehr finanzieren lassen, dürfte zeitlich verschoben eine Nachfragelücke entstehen. Zudem basierte schon das Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre in weiten Teilen der Welt in ausgeprägter Form auf dem Kredit finanzierten Konsumwahn, der sich nicht ohne weiteres wiederbeleben lassen dürfte.

Der Aluminiumpreis liegt nur noch bei wenig mehr als 50 Prozent des Rekordhochs von 3317 Dollar je Tonne, auf das er im Rahmen des Rohstoffbooms noch vor einem Jahr getrieben wurde. Er hat sich in den vergangenen Wochen zwar etwas von seinem Zwischentief erholt. Allerdings haben die Lagerbestände an den Terminbörsen in den vergangenen Wochen geradezu dramatisch zugenommen. Das ist kein sonderlich positives Zeichen für die weitere Preisentwicklung.

Allein schon aus diesem Grund dürften Anleger dazu tendieren, die Aktien des Unternehmens skeptisch zu betrachten. Der Markt rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit einem deutlichen Verlust und erst im kommenden Jahr wieder mit einem leichten Gewinn. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30 auf Basis der weit nach vorne blickenden und damit unsicheren Gewinnschätzungen sind die Aktien teuer und somit nicht sonderlich reizvoll.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

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