Börsen

Signalisieren Insiderverkäufe das Ende der Aktienrally?

14. Dezember 2005 In den Vereinigten Staaten verkaufen Vorstands- und Aufsichtsratmitglieder mehr Aktien der von ihnen geleiteten Unternehmen, als sie kaufen. Das deutet auf ein Ende der Aufwärtsbewegung am amerikanischen Aktienmarkt im vierten Quartal hin. Der Standard & Poor's 500 Index hat seit dem Tief vom 13. Oktober 7,7 Prozent zugelegt und erreichte am 25. November ein Vierjahreshoch.

Seitdem ist die Rally ins Stocken geraten, die Insiderverkäufe dürften auf die Stimmung drücken. Bei Unternehmensinsidern belief sich in den vergangenen acht Wochen das Verhältnis von Aktienverkäufen zu Aktienkäufen auf 3,6 zu 1, gegenüber 2,7 zu 1 bis Mitte November berichtet David Coleman, Herausgeber des Vickers Weekly Insider Report, der die Daten über Insiderverkäufe aus den Meldungen an die amerikanische Börsenaufsicht SEC sammelt. „Das ist ein Zeichen, daß der Markt bestenfalls angemessen gepreist ist“, sagt Coleman.

Verkaufsquote ist deutlich angestiegen

In der vergangenen Woche sind die Insiderverkäufe auf eine Quote von 5,2 zu 1 angestiegen. Eine Verkaufs-Kaufs-Quote von zwei bis 2,5 wird von Coleman als neutral eingestuft. Die Verkäufe sind in der Regel höher als die Käufe, weil die meisten Führungskräfte Aktien oder Aktienoptionen als Teil ihrer Vergütung erhalten. Sie verkaufen häufig aus Diversifizierungsgründen. Ein Wert über 2,5 signalisiert eine mögliche Abschwächung am Gesamtmarkt.

Die höchsten Insiderverkäufe waren bei Qualcomm, dem weltweit zweitgrößten Hersteller von Chips für Mobiltelefone, und dem Luxuskaufhaus Saks zu beobachten. Auch bei Banken wie Wells Fargo & Co. war eine Zunahme festzustellen. Anleger verfolgen derartige Insider-Transaktionen, weil sie darin ein Signal sehen, ob sich die Aussichten für ein Unternehmen verbessern oder verschlechtern.

Laut amerikanischen Wertpapiervorschriften müssen „Insider“ - das sind Vorstands- und Aufsichtsratmitglieder - ihre Aktienverkäufe und Käufe melden. Bei Qualcomm haben Unternehmensinsider dieses Jahr jede Woche Aktien abgestoßen. In der vergangenen Woche waren es 63.800 Aktien im Wert von 2,86 Millionen Dollar. Insgesamt summieren sich die Verkäufe in diesem Jahr, angeführt von dem Vorsitzenden Irwin Jacobs, auf 7,3 Millionen Aktien, berichtet Coleman.

Bei Saks haben sich Insider im vergangenen Monat von 2,13 Millionen Aktien im Volumen von 37,5 Millionen Dollar getrennt. In diesem Jahr waren für die Führungskräfte Verkäufe größtenteils untersagt, weil noch eine Ermittlung der Bundesbehörden wegen unkorrekter Verbuchung von Lieferantenzahlungen lief, berichtet Saks-Sprecherin Julia Bentley.

Insider sind pessimistischer geworden

„Nach einem leichten Optimismus Ende Oktober ist die Stimmung bei den Insidern in den vergangenen zwei Wochen wieder pessimistisch geworden“, erläutert Michael Painchaud, Analyst bei der Analysegesellschaft Market Profile Theorems. „Am deutlichsten zeigt sich das bei den großen Banken.“ Er verweist auf Wells Fargo. Vorstands- und Aufsichtsratmitglieder, darunter der Vorstandsvorsitzende Richard Kovacevich, verkauften während der Rally in diesem Quartal per Saldo 120.091 Aktien, geht aus SEC-Meldungen hervor. Der Aktienkurs kletterte gegenüber dem Tief vom Oktober elf Prozent bis zum 26. November und fiel seither wieder 1,8 Prozent.

Auch bei Bank of New York Co. und Wachovia sieht Painchaud in den Verkäufen ein Zeichen für eine bevorstehende Abwärtsbewegung. Die Transaktionen „standen im Zusammenhang mit Steuerterminen zum Jahresende und Diversifizierungsstrategien“, teilte Kevin Heine, Sprecher der Bank of New York, mit. „Gelegentlich verkaufen unsere Führungskräfte Aktien im Rahmen ihrer normalen persönlichen Finanzplanung“, erläutert Christy Phillips, Sprecherin für Wachovia.

Zu den Unternehmen, wo Insiderkäufe Vorbote einer Aufwärtsbewegung sein können, zählt Coleman Chesapeake Energy, wo der Vorsitzende Aubrey McClendon und Präsident Tom Ward Anfang September jeweils für 10 Millionen Dollar Aktien gekauft haben. Der Aktienkurs hat sich in diesem Jahr verdoppelt.

Text: Bloomberg
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET

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