09. Mai 2008 Die Versicherungsbranche sorgt derzeit mit den vorgelegten Geschäftszahlen nicht eben für gute Stimmung. Nach den schwachen Zahlen der Rückversicherer Swiss Re und Münchener Rück zeigt sich immer mehr, dass einige Konzerne zu den großen Verlierern der Finanzkrise gehören.
Das trifft auch für den weltgrößten Versicherer American International Group (AIG) zu. Der New Yorker Assekuranzkonzern meldete am Donnerstagabend für das erste Quartal einen Nettoverlust von 7,81 Milliarden Dollar.
AIG mit höheren Wertverlusten als erwartet
Dieser fiel damit deutlich höher aus als von den Analysten erwartet. AIG meldete ein Minus von 3,09 Dollar je Aktie, während die von Thomson Reuters befragten Analysten den Verlust mit 0,76 Dollar angesetzt hatten. Im Vorjahresquartal hatte der Versicherungskonzern noch einen Gewinn von 4,13 Milliarden Dollar verbucht.
Das Ergebnis wird mit 9,11 Milliarden Dollar durch den Wertverlusts des Portfolios versicherter Wertpapiere belastet. Hinzu seien Investmentverluste von 6,09 Milliarden Dollar gekommen. Weitere 6,82 Milliarden Dollar seien als Abschreibungen angefallen, die aus buchhalterischen Gründen in die Bilanz genommen werden mussten.
Sogar AIG-Vorstandschef Martin Sullivan gab zu, die Wertverluste seien höher als erwartet ausgefallen. Von der Hypothekenkrise sind gleich mehrerer Sparten der AIG betroffen. So verbuchte die Vermögensverwaltungssparte einen operativen Verlust von 1,25 Milliarden Dollar, gegenüber einem Gewinn von 758 Millionen Dollar im Vorjahr. In der Lebensversicherungssparte fiel ein Verlust von 1,83 Milliarden Dollar an und das operative Ergebnis im allgemeinen Versicherungsgeschäft sank um 57 Prozent auf 1,34 Milliarden Dollar.
Was kommt noch?
Mit diesen Verlusten summiert sich der Gesamtverlust, den AIG aufgrund der Kreditkrise verbucht hat, inzwischen auf mehr als 30 Milliarden Dollar. Nunmehr kündigte das Unternehmen an, 12,5 Milliarden Dollar an neuem Kapital aufnehmen zu wollen, um die Verluste auszugleichen.
Um die Aktionäre bei Laune zu halten, erhöhte das Unternehmen die Quartalsdividende dennoch um 10 Prozent auf 0,22 Dollar je Anteilsschein. Das verhinderte allerdings nicht, dass der Aktienkurs nachbörslichen Handel um mehr als 7,4 Prozent auf 40,86 Dollar einbrach.
Die schlechten Zahlen von AIG bedeuten auch einen weiteren Rückschlag für Hoffnungen, die schlimmsten Auswirkungen der Kreditkrise seien überwunden (siehe auch: Das Ende der Finanzkrise lässt auf sich warten; Riesige Verluste können Fannie-Mae-Aktie nicht dauerhaft belasten; Amerikas Häusermarkt steckt weiter in der Abwärtsspirale), allzumal sich Kapazitäten des Finanzmarktes in ihren Aussagen fortwährend widersprechen.
Während der frühere Präsident der amerikanischen Notenbank, Alan Greenspan, das Schlimmste als überstanden ansieht, ist für den bekannten Investor Jim Rogers die Talsohle nicht erreicht. Und selbst die vergleichsweise optimistischeren Profis sehen langfristig negative Folgen für das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft und einen schwachen amerikanischen Immobilienmarkt.
AMB Generali mittelbar betroffen
Nicht wirklich besser macht am Freitag das trübe Bild der Versicherungsbranche die Tatsache, dass auch AMB Generali im ersten Quartal die Auswirkungen der Finanzmarktkrise zu spüren bekommen hat. Immerhin nimmt sich der Gewinnrückgang von 36 Prozent auf 65 Millionen Euro gegenüber den AIG-Zahlen regelrecht bescheiden aus.
Der Gewinnrückgang habe sich im Wesentlichen aus den Turbulenzen der Kapitalmarktkrise ergeben, teilte das Unternehmen mit. Von Dow Jones befragte Analysten hatten lediglich mit einem leichten Rückgang auf 94,3 Millionen Euro gerechnet.
Zwar ist AMB Generali, der deutsche Ableger der italienischen Generali-Gruppe, nach eigenen Angaben nicht in Subprime-Werten investiert, war aber von der negativen Aktienmarktentwicklung betroffen. Infolge der Kursschwankungen musste die Gruppe stichtagsbezogene Abschreibungen auf Dividendentitel zum 31. März 2008 vornehmen, die das Kapitalanlageergebnis belasteten.
AMB bleibt dennoch optimistisch
Noch ist der Konzern vergleichsweise optimistisch und bestätigte die Gewinnprognose für das laufende Jahr - allerdings nur unter der Prämisse, dass sich die Aktienkurse im weiteren Jahresverlauf wieder erholen und keine weiteren Großschadenbelastungen eintreten. Der Prognose zufolge will AMB Generali im laufenden Jahr 450 Millionen Euro verdienen. 2007 hatte der Versicherer vor steuerlichen Effekten einen Gewinn von 417,4 Millionen Euro erzielt.
Positiv ist auch zu vermerken, dass die Bruttoprämien um 1,7 Prozent auf 3,48 Milliarden Euro stiegen, wobei dies auf Zuwächse im Leben- und Krankenbereich zurückgeht, während die Einnahmen im Schaden- und Unfallbereich stagnierten.
Hohe Kursverluste für die AIG-Aktie
Im europäischen Handel bricht die AIG-Aktie am Freitag um rund neun Prozent auf 26,61 Euro ein und strebt damit ihrem Mitte März ausgebildeten Allzeittief von 24,96 Euro entgegen. AMB Generali halten sich dagegen mit einem leichten Minus von 0,2 Prozent besser. Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass Vorstandssprecher Dietmar Meister bereits am Mittwoch angedeutet hatte, dass die Entwicklungen an den internationalen Finanzmärkten nicht spurlos am Kapitalanlageergebnis vorbeigegangen seine und die Ergebnisziele für das laufende Jahr als noch ambitionierter bezeichnete. Das hatte bereits zu einem Kursverlust von mehr als zwei Prozent geführt.
Auch die Aktie der Allianz, die am Freitag die endgültigen Zahlen zum ersten Quartal vorlegte, geriet in den Abwärtssog der AIG-Anteile und gibt rund 1,4 Prozent ab. Dabei sind Analysten der Ansicht, dass das endgültige Ergebnis sogar noch etwas besser ausgefallen sei, als es die bereits veröffentlichten Eckdaten hätten erwarten lassen.
Aktien der Versicherer hoch bewertet
Doch das reichte als Stütze im negativen Umfeld nicht aus, allzumal der Versicherungskonzern das Gewinnziel für die Tochtergesellschaft Dresdner Bank ausdrücklich nicht bekräftigte. Das bisherige Renditeziel von durchschnittlich mindestens 15 Prozent auf das Risikokapital bis 2009 könne nicht bestätigt werden, teilte der Konzern am Freitag in München mit. Auf Konzernebene hält die Allianz allerdings an ihrer Zielvorgabe fest, das operative Ergebnis bis 2009 im Durchschnitt um jeweils 10 Prozent zu steigern.
Die Aktie der AMB Generali, noch mehr die der AIG erscheinen angesichts der aktuellen Situation mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen auf Basis der Analystenprognosen von 13,9 beziehungsweise 10 für das laufende Jahr aktuell bestenfalls angemessen bewertet.
Allerdings spielt dies für den Aktienkurs nur eine geringe Rolle. Viel wichtiger sind die Spekulationen um die Pläne der Muttergesellschaft Generali. Nachdem Sal. Oppenheim seinen Anteil auf 6,54 Prozent erhöht hatte, erwarten selbst die Analysten der LBBW, dass die Investmentbank nach einer Schamfrist den Anteil an Generali weiterreichen werde, so dass die Wahrscheinlichkeit eines Squeeze-Out stiege, um die Gesellschaft komplett zu übernehmen und die Aktie von der Börse zu nehmen. Das verhalf der Aktie zu einem Allzeithoch. Insofern ist sie eine Ausnahme.
Spreu und Weizen
Die AIG-Aktie dürfte dagegen zunächst einmal das Allzeittief testen. Mit Blick auf das Geschäftsjahr 2009 scheint die Aktie mit einem prognostizierten Kurs-Gewinn-Verhältnis von sechs zwar günstig. Dies berücksichtigt aber die neuen Verschuldungsverhältnisse in Folge der zur Kapitalaufstockung begebenen Anleihen ebenso wenig wie die Verwässerungseffekte einer Kapitalerhöhung - ganz zu schweigen von einer möglichen Verschärfung der Krise.
Wie auch im Bankenbereich zeigt sich immer stärker auch im Versicherungsbereich, dass die Konzerne unterschiedlich stark von der Finanzkrise getroffen werden, je nachdem in welchem Maß sie während der Blasenbildung auf den Trend gesetzt hatten oder eine konservative Ausrichtung beibehalten hatten. Letztere haben eher mittelbar unter der Krise zu leiden. Ihre Ergebnisse und Bilanzen lesen sich keineswegs ansprechend, aber immerhin nicht dramatisch.
Insgesamt aber zeigt dies, dass nicht nur Banken-, sondern auch Versicherungswerte derzeit ein hohes Risiko tragen, da von außen kaum erkennbar ist, welche Risiken sich noch in den Kapitalanlagen verbergen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.
Text: mho
Bildmaterial: F.A.Z., REUTERS
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| DEUTSCHE POSTBANK AG | +1,75 | +3,03 |
| DEUTSCHE POST AG NAM | +0,56 | +2,69 |
| HENKEL AG & CO. KGAA | +0,69 | +2,39 |
| BAYER AG INHABER - A | -0,97 | -1,73 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -1,67 | -1,69 |
| MUENCHENER RUECKVERS | -1,83 | -1,49 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 7.081,05 | -0,03 |
| TecDax | 861,39 | -0,41 |
| DowJones | 12.914,58 | +0,13 |
| Nasdaq | 2.515,70 | +0,76 |
| STOXX 50 | 3.854,86 | -0,07 |
| Nikkei 225 | 14.251,74 | +0,94 |
| S&P 500 Zert. | 14,07 | -0,50 |
| Euro/Dollar | 1,55 | +0,12 |
| Bund Future | 113,41 | -0,23 |
| Gold | 882,95 | +2,02 |
| Öl | 122,91 | +0,72 |
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