09. Januar 2008 Aufgrund der anhaltenden Unsicherheiten an den internationalen Finanzmärkten scheinen sich die Anleger defensiver zu positionieren. Das zeigt sich nicht nur an der aufgekommenen Neigung, bei Aktien kleinerer und mittlerer Unternehmen eher Gewinne mitzunehmen, statt neue Positionen aufzubauen, sondern auch an einer gewissen Branchenrotation.
Konnten vom Tief der vergangnen Baisse bis Mitte des vergangenen Jahres am deutschen Aktienmarkt die Werte in den Bereichen Basismaterialien, Bau, Finanzdienstleistungen, Chemie, Versorger und Banken überproportionale Kursgewinne verbuchen, so kam es in den vergangenen Monaten zu einer gewissen Umschichtung.
Branchenrotation ist kaum übersehbar
Die Versorger- und Chemiewerte liefen weiter nach oben, während es bei Basismaterialien, Medien, Technologieunternehmen, Banken, Einzelhandelswerten und nicht zuletzt auch im Baubereich zu Kursrückschlägen kam. Dagegen zeigen sich die Telekommunikationswerte nun schon seit Monaten robust. In der Schweiz legten in den vergangenen Monaten in einem stagnierenden Gesamtmarkt neben den Versorgern vor allem die Nahrungsmittel-, die Chemie- und die Telekommunikationswerte zu. Dagegen waren die Banken, die Versicherungs-, Reise- und Einzelhandelswerte in die Defensive geraten.
Im S&P 500 konnten in den vergangenen sechs Monaten die Papiere der Agrarunternehmen deutliche Kursgewinne verbuchen, gefolgt von Planungs- und Dienstleistungsunternehmen wie Jacobs Engineering, Bildungsunternehmen, Goldförderern und nicht zuletzt den Pharmaunternehmen und der Kohlegruben. Dagegen mussten jene Firmen zum Teil massive Kursverluste verbuchen, die auch nur im Entferntesten mit dem Bau- und Immobilienbereich zu tun haben.
Diese Entwicklung dürfte kaum überraschen. Immerhin profitieren die Versorgungsunternehmen von anhaltend hohen Energiepreisen, die sich bei offensichtlich nur rudimentär wirkendem Wettbewerb problemlos an die Kunden weitergeben lassen. Im Telekommunikationsbereich dagegen gibt es in den weitgehend gesättigten Märkten der Industriestaaten mit intensivem Preiswettbewerb zwar nur bedingte Wachstumsphantasien. Allerdings qualifizieren sich die Unternehmen der Branche inzwischen als Infrastrukturwerte mit einer robusten, konjunkturinsensitiven Nachfrage und mit hohen, robusten Cashflows. Aus diesem Grund können sie vielfach interessante Dividenden ausschütten. Genau diese werden bei Anlegern dann beliebt, wenn die Aussichten auf leichte Kursgewinne nicht sonderlich sicher sind.
Agrar- und Nahrungsmittelunternehmen haben eine gewisse Eigendynamik entwickelt
Die Agrar- und Nahrungsmittelunternehmen profitieren von einem veränderten Umfeld, das aufgrund einer zunehmenden Nachfrage zu steigenden Preisen und damit zu zunehmenden Umsätzen führt. Das Nachfragewachstum kommt einerseits vom zunehmenden Wohlstand in den Schwellenländern, der wachsenden Weltbevölkerung und anderseits wird sie ausgelöst von hohen Energiepreisen, die alternative Treibstoffe interessanter als bisher machen. Zum Teil fragwürdige Subventionen für Biogasanlagen und Ähnliches tragen zum Boom in diesem Bereich und zum dadurch ausgelösten Preisauftrieb bei.
Da die Konsequenzen einer immer deutlicher absehbaren Rezession in den Vereinigten Staaten und der weiterschwelenden Kreditkrise letztlich noch nicht absehbar sind, dürfte die Neigung der Anleger zu einer defensiven Positionierung anhalten. In diesem Umfeld sind zumindest in den Vereinigten Staaten auch die Rüstungswerte gefragt. Immerhin hat der amerikanische Verteidigungshaushalt mit einem voraussichtlichen Volumen von 471 Milliarden Dollar alleine im Fiskaljahr 2008 ein riesiges Volumen. Diese Ausgaben sind völlig unabhängig von der konjunkturellen Lage. Nach jüngsten Entwicklungen dürften in den kommenden Jahren vor allem Lockheed Martin und Northrop Grumman mit vergleichsweise hohen Aufträgen rechnen können.
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Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET
