Finanzdienstleistungen

Die Dividende spricht für die AWD-Aktie

14. August 2007 Mitunter ist es etwas schwierig festzustellen, ob vorgelegte Geschäftszahlen gut oder nicht gut sind. Kann man sich nicht so recht entscheiden, werden sie als „gemischt“ bezeichnet, was letztlich einen zumindest leicht negativen Anstrich hat, zählt doch an der Börse nur was gut und besser ist.

Auch die Zahlen, die der Finanzmakler AWD für das zweite Quartal vorlegte, haben einen solchen gemischten Charakter. Trotz deutlicher Zuwächse bei Umsatz und Gewinn erfüllten sie die Erwartungen der Analysten nur teilweise, vor allem aber stellten nicht alle Regionen zufrieden. Während der Umsatz hinter den Erwartungen zurückblieb, stieg der Überschuss deutlich stärker als erwartet. Der operative Gewinn fiel dagegen im Rahmen der Erwartungen aus.

Umsatz hinter Erwartungen

Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um neun Prozent auf 187 Millionen Euro gestiegen, teilte das im MDax notierte Unternehmen mit. Von dpa-AFX befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem etwas stärkeren Anstieg auf 189,9 Millionen Euro gerechnet. Der AWD verfehlte damit auch sein für das Gesamtjahr gestecktes Wachstumsziel von mindestens zehn Prozent. Dank des starken ersten Quartals stieg der Umsatz im ersten Halbjahr insgesamt jedoch noch um 10,4 Prozent.

Der Überschuss erhöhte sich dagegen um mehr als ein Drittel auf 16,3 Millionen Euro und lag damit deutlich über den Erwartungen. Die Analysten hatten nur mit einem Anstieg auf 14,5 Millionen Euro gerechnet. Der Betriebsgewinn (Ebit) stieg um knapp 16 Prozent auf 20,8 Millionen Euro und damit fast auf dieselbe Höhe wie die prognostizierten 20,9 Millionen Euro und legte damit, wie vom Unternehmen für das Gesamtjahr angepeilt, stärker als der Umsatz zu.

Das Umsatzplus begründete das Unternehmen vor allem mit der weiter regen Nachfrage nach Produkten für Altervorsorge und Vermögensaufbau, auf die knapp drei Viertel der Erlöse entfiel. Das stärkste Wachstum verzeichneten aber Immobilien- und Steuersparprodukte, deren Umsatz um mehr als 50 Prozent auf rund 17 Millionen Euro zulegte. Der Umsatz mit Vorsorgeprodukten wie Fonds und Lebensversicherungen stieg dagegen nur um zwei Prozent auf rund 137 Millionen Euro.

Einbruch in Großbritannien

Die Vergleichszahlen des Vorjahres wurden dabei um das im September 2006 eingestellte verlustreiche Italien-Geschäft bereinigt, wo AWD im zweiten Quartal des vergangenen Jahres bei 2,6 Millionen Euro Umsatz einen operativen Verlust von 1,1 Millionen Euro verzeichnet hatte.

Einen deutlichen und schmerzlichen Gewinneinbruch verzeichnete AWD allerdings in Großbritannien. Das Ebit schmolz hier um fast 90 Prozent auf rund 200.000 Euro zusammen. Zusatzkosten für die Einführung neuer gesetzlicher Standards seien für den Einbruch des Quartalsgewinns in dem Land verantwortlich.

Zugleich stieg der Umsatz um 1,1 Prozent auf 37,8 Millionen Euro. Die Ebit-Marge lag in dem Land damit nur noch bei 0,5 Prozent, nach 4,0 Prozent im Vorjahreszeitraum. Im ersten Quartal hatte sie noch bei 1,5 Prozent gelegen. Sie blieb damit erneut deutlich hinter der im Gesamtjahr angepeilten Rendite von fünf bis sechs Prozent zurück. 2008 soll sie eigentlich auf acht Prozent steigen. Das Unternehmen hatte in dem defizitären Geschäftsbereich erst im Vorjahr die Gewinnzone erreicht.

Aussichten auf der Insel gedämpft

Der Konkurrent MLP hatte im Juli angekündigt, sich nach jahrelangen Verlusten ganz aus dem Land zurückzuziehen. Und auch der AWD erwartet zunächst weitere Belastungen. Eine erneute Verschärfung des Regulierungsrahmens durch die zuständigen Behörden könne zu einer weiteren Verzögerung bei der Umsetzung der im Oktober eingeleitetet Restrukturierung führen. Insbesondere die geplanten Maßnahmen zur Kostensenkung könnten sich zeitlich verschieben.

Für das Gesamtjahr peile man aber weiter ein Umsatzplus und eine Steigerung der Profitabilität an. Beim operativen Ergebnis wird eine Verbesserung im zweiten Halbjahr angestrebt.

Die Zahl der Neukunden in Großbritannien konnte AWD um fast ein Viertel auf 4.600 erhöhen, die Beraterzahl stieg von Anfang April bis Ende Juni um 20 auf 474. Doch um die Ertragskraft zu steigern, will das Unternehmen die Vergütung der britischen Vertriebsleute stärker leistungsorientiert gestalten. Daher könne es zunächst zu einer erhöhten Fluktuation der Vertriebsleute kommen, hieß es, die auch den Umsatz vorübergehend dämpfen könne.

Schwächeres Geschäft in Deutschland und der Schweiz

Auch in Deutschland und der Schweiz gingen Rendite und Gewinn zurück. Auf dem deutschen Heimatmarkt verzeichnete der AWD im abgelaufenen Quartal einen Ebit-Rückgang um knapp zwölf Prozent auf 14,1 Millionen Euro bei einem gleichzeitigen Umsatzplus von drei Prozent auf 86,9 Millionen Euro. Die Ebit-Marge sank von 19,0 auf 16,2 Prozent.

In der Schweiz ging der Umsatz um drei Prozent auf 16,7 Millionen Euro zurück, während das Ebit um 23 Prozent auf 2,0 Millionen Euro sank. Die Ebit-Marge reduzierte sich von 15,1 auf 12,0 Prozent. Der Umsatzrückgang in dem Land sei aber weitgehend auf den gesunken Kurs des Schweizer Franken zurückzuführen, hieß es. In Franken gerechnet habe der Umsatz seit Jahresbeginn um 2,7 Prozent zugelegt, während er in Euro umgerechnet im selben Zeitraum um zwei Prozent zurückgegangen sei.

Wesentlich verbessern dürfte sich das Geschäft im heimatlichen Kernmarkt nicht. Der AWD rechnet für das Gesamtjahr 2007 zwar mit einem Umsatzwachstum, will allerdings eine rückläufige Profitabilität „nicht auszuschließen“. Zum einen ergäben sich höhere regulatorische Anforderungen aus die im Mai in Kraft getretene EU-Vermittlerrichtlinie und der anstehenden Reform des Versicherungsvertragsgesetzes. Zum anderen nehme der Wettbewerb um qualifizierte Berater zu, da sich Banken stärker auf das Retailgeschäft fokussierten und neue Unternehmen in den Markt für Finanzdienstleistungen eintreten würden.

Lichtblick Osteuropa

AWD sei zwar gut im Markt positioniert. Dennoch bestehe die Möglichkeit, „dass die Performance der Berater zurückgeht oder Berater fluktuieren und damit das zuletzt positive Beraterwachstum der Region gedämpft wird“, heißt es im Risikobericht. Mittelfristig geht AWD aber davon aus, neue Berater zu gewinnen, nachdem sich das Beraterwachstum gegenüber dem starken Zulauf im ersten Quartal wieder deutlich verlangsamte. Die Beraterzahl stieg von Anfang April bis Ende Juni um 77. In den ersten drei Monaten hatte AWD noch 226 neue Vertriebsleute hinzugewonnen. In den beiden Quartalen davor waren im Schnitt aber nur 70 neue Berater pro Quartal hinzugekommen. Die Entwicklung der Beraterzahl gilt Branchenbeobachtern als Indikator für mögliches künftiges Wachstum.

Die negativen Entwicklungen im Berichtsquartal konnte das Unternehmen durch ein starkes Österreich- und Osteuropageschäft mehr als ausgleichen. Der Umsatz stieg hier um fast 85 Prozent auf 45,6 Millionen Euro, der operative Gewinn legte um 39 Prozent auf 11,8 Millionen Euro zu. Die Ebit-Marge stieg von 19,5 auf 25,9 Prozent. Für die Zukunft erwartet AWD „eine erfreuliche“ Umsatz- und Ergebnisentwicklung.

Analysten zurückhaltend

Für die Analysten der Commerzbank hat der AWD insgesamt die Erwartungen erfüllt. Dagegen sieht BHF-Analyst Tutku Bagriyanik niedrigere Gewinnkennziffern als erwartet. Ursache dafür sei die unerwartet schwache Geschäftsentwicklung in Deutschland, Großbritannien und der Schweiz, was sich in der starken Einengung der jeweiligen Ebit-Margen widerspiegele.

Die niedrige Steuerquote habe das Nettoergebnis jedoch erhöht. Positiv zum Ergebnis beigetragen hätten AWD Österreich und das CEE-Geschäft (Mittel- und Osteuropa), wenn auch nur in geringerem Maße. Umsatz- und Ebit-Ziel für 2007 hält Bagriyanik für erreichbar. Die internationale Strategie des Unternehmens werde sich auszahlen, wenn die Probleme in einzelnen Ländern erst einmal gelöst seien.

Indes lässt die Struktur der Zahlen auch ein strukturelles Problem vermuten. Zum einen sind da die Wachstumsprobleme in den entwickelten Ländern. Sowohl in Großbritannien, als auch in Deutschland und der Schweiz sind die Zahlen schwächer ausgefallen, wohingegen die Zahlen für Österreich nicht losgelöst von denen Osteuropas ausgewiesen werden.

Regulatorische Eingriffe belasten

Allerdings will der AWD eine Abschwächung der Umsatzentwicklung „angesichts der hohen Bedeutung von aktienbasierten Produkten für die Umsatzentwicklung in Österreich“ bei zunehmender Volatilität oder schwächerer Kursentwicklung nicht ausschließen. In allen der EU zugehörigen Ländern belasten regulatorische Eingriffe, zudem sind einige Banken in die traditionelle Domäne der Finanzstrukturvertriebe eingedrungen. Auch gewisse Sättigungstendenzen lassen sich zumindest in einigen Bereichen nicht ausschließen.

Nichtsdestoweniger stoßen die Zahlen am Dienstag auf eine gewisse Gegenliebe und verhelfen der Aktiennotiz anfänglich zu einem Plus von bis zu 3,6 Prozent. Mittlerweile ist dieses auf 0,5 Prozent abgeschmolzen.

Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 16,4 für das laufende und 12,7 für das kommende Jahr ist die Aktie nicht mehr so teuer wie beispielsweise im Februar 2006 als diese noch 30 und 21 betrugen. Das liegt nicht zuletzt, daran, dass sich das Kursniveau nach einem deutlichen Anstieg bis ins Frühjahr hinein und einer nachfolgenden Konsolidierung praktisch unverändert ist.

Interessante Dividendenprognosen

Insofern ist die charttechnische Entwicklung nicht überaus attraktiv. Nachdem die Erholung in diesem Jahr deutlich vor dem Fünf-Jahres-Hoch von 38,90 Euro scheiterte, ist der Aktienkurs deutlich zurückgenommen, notiert aber ebenso deutlich über der langfristigen Unterstützung im Bereich von 25 Euro.

Indes geht von den vorgelegten Zahlen offenbar nur ein geringer Impuls aus, da die leichte Erholung seit dem Tiefpunkt zu Beginn der Vorwoche am Dienstag keine fahrt aufnehmen kann und es der Notierung nicht zu gelingen scheint, das Hoch von der Mitte der Vorwoche zu überwinden.

Daher ist eine weitere Prognose etwas schwierig. Der seit Mai anhaltende Abwärtstrend ist ungebrochen, der Ende 2005 eingeschlagene Aufwärtstrend passé. Seit Beginn des Jahres 2004 schwankt der Kurs im Mittel um 30 Euro. Solange keine überzeugenderen Zahlen kommen, dürfte es der Notierung nicht gelingen, einen neuen Aufwärtstrend zu fundieren, gleichzeitig fehlt einem verstärkten Abwärtstrend die Nahrung, so dass eine Seitwärtstendenz zu erwarten steht.

Immerhin wird eine üppige Dividendenzahlung erwartet, die sich mit einer Rendite von 5,5 Prozent für das laufende und 6,9 für das kommende Jahr auch im Umfeld gestiegener Zinsen recht ansehnlich ausnimmt. Solange böse Überraschungen wie im Jahr 2005 ausbleiben, spricht dies angesichts des derzeit vergleichsweise niedrigen Kursniveaus für die Aktie.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET

 
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