Ölpreis nahe dem Rekordhoch

12. Mai 2004 hi. FRANKFURT, 12. Mai. Die Preise für Rohöl sind am Mittwoch auf den höchsten Stand seit knapp 14 Jahren gestiegen. Der Preis für die Sorte West Texas Intermediate (WTI) schloß bereits am Dienstag in New York erstmals seit Oktober 1990 über der Marke von 40 Dollar je Barrel (rund 159 Liter). Im Vorfeld des ersten Golfkriegs war damals der bisherige Rekord von gut 41 Dollar erreicht worden. Es handelte sich aber nur um eine kurze Hausse, die im Juli vor dem Überfall des Iraks auf Kuweit bei etwa 18 Dollar begann und im Herbst in sich zusammenfiel. Auch der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent stieg auf ein neues zyklisches Hoch.

Das aktuelle Überwinden der als psychologisch bedeutsam geltenden Marke von 40 Dollar ist indes der bisherige Höhepunkt einer Haussephase, deren Beginn auf den Herbst 2003 datiert werden kann. Die eindeutig nach oben weisende Tendenz und die nun nur noch sehr geringe Distanz zum Rekordniveau erwecken auch bei spekulativ orientierten Marktteilnehmern ein reges Interesse. Händler berichten von umfangreichen Fondskäufen, zumal viele von ihnen voreilig Kaufengagements liquidiert hätten, als die Notierungen vor wenigen Tagen an der vermuteten Barriere von 40 Dollar gescheitert zu sein schienen.

Am Montag waren die Preise zunächst unter Druck geraten, als sich der saudiarabische Ölminister dafür ausgesprochen hatte, die Fördermenge der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) von derzeit 23,5 Millionen Barrel täglich um 1,5 Millionen Barrel zu erhöhen. Doch die staatliche amerikanische Energy Information Administration (EIA), Washington, und nun auch die Internationale Energie-Agentur (IEA), Paris, haben ihre Vorhersage für die weltweite Öl-Nachfrage angehoben. Die IEA geht in ihrem am Mittwoch vorgelegten Monatsbericht davon aus, daß der Öl-Bedarf in der Welt in diesem Jahr bei durchschnittlich 80,6 Millionen Barrel je Tag liegen werde. Dies sind fast 2 Millionen Barrel am Tag mehr als 2003. Die Zahlen bestätigten nach dem Urteil von Händlern im wesentlichen das bereits Bekannte. Erstaunlich sei nur, wie sich die Fachanalysten nun beeilten, mit den Preissteigerungen mitzuhalten, heißt es. Deren Preisprognosen hinkten zum Teil noch immer drastisch hinter dem aktuellen Geschehen hinterher. Die Analysten hätten den Ernst der Versorgungslage und das Bedürfnis des Marktes, Risikoprämien vor allem für den Fall einer Zuspitzung der Bedingungen im Mittleren Osten zu bilden, deutlich unterschätzt.

Barclays Capital erklärt, die Marke von 40 Dollar für WTI sei nun nicht mehr Widerstands-, sondern Stützungszone. Auch fundamental sei der Markt nach den jetzt vorgelegten revidierten Zahlen der IEA und der EIA solide untermauert. Die IEA, deren Erkenntnisse eine wichtige Grundlage für die Förderpolitik der Opec bildeten, zeichne aber wohl noch immer ein zu harmloses Bild der tatsächlichen Lage. Goldman Sachs hingegen erwartet, daß die allgemein hohe Förderung die Ölvorräte über den Sommer hinweg in einem stärkeren Maß wachsen lasse, als es sonst zu dieser Jahreszeit üblich sei. Die Investmentbank hat ihre Prognose für den in drei Monaten herrschenden WTI-Preis gerade um 3 Dollar auf 33,50 Dollar je Barrel angehoben. Sie erwartet für die nahe Zukunft nicht zuletzt wegen der hohen spekulativen Kaufengagements an den Öl-Terminmärkten einen deutlichen Rückschlag, zumal auch mit einer Entspannung bei der Versorgung mit Benzin zu rechnen sei.



Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.05.2004, Nr. 111 / Seite 23

 
Tops & Flops+/-Prozent
VOLKSWAGEN AG STAMMA +45,13 +15,20
K+S AKTIENGESELLSCHA -0,15 -0,39
MAN AG STAMMAKTIEN O -0,40 -1,01
DEUTSCHE BANK AG NAM -5,99 -16,08
DEUTSCHE POSTBANK AG -3,87 -14,61
INFINEON TECHNOLOGIE -0,44 -13,68
NamePunkteProzent
Dax 4.544,31 -7,01
TecDax 516,75 -4,81
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.421,87 -7,86
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 8,83 -10,45
Euro/Dollar 1,34 +0,00
Bund Future 114,67 -1,44
Gold 847,40 +0,00
Öl 76,65 -7,49
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