Bauindustrie

Aktie von Heidelberg-Cement weiter auf Rekordfahrt

Gefragter Baustoff

Gefragter Baustoff

06. November 2006 Für 18,72 Euro war die Aktie von Heidelberg-Cement Mitte 2003 zu haben. Vor wenigen Tagen erreichte die Notiz ein neues Rekordhoch bei 106 Euro. Mehr als verfünffacht in etwa drei Jahren - da können die Inhaber der Aktien, mehrheitlich die Familie Merckle, nicht meckern. Gut 20 Prozent der Papiere liegen in Streubesitz.

Am Freitag war die Aktie bei 105,90 Euro aus dem Handel gegangen, nicht weit entfernt vom Rekordhoch also. Am Montag kletterte die im MDax notierte Aktie im frühen Handel wieder auf 106 Euro - und das, obwohl die vorbörslich vorgelegten Ergebnisse die Gewinnerwartung von Analysten klar verfehlt hatten (Isin DE0006047004).

Umsatzerwartung übertroffen

Zementwerk in Leimen

Zementwerk in Leimen

Der weltweit viertgrößte Zementhersteller teilte am Montag in Heidelberg mit, der Umsatz sei in den Monaten Juli bis September nach dem Kauf mehrerer Konkurrenten in ausländischen Wachstumsmärkten um 19 Prozent auf 2,58 Milliarden Euro gestiegen. Das Stellenstreichungen beinhaltende Kostensenkungsprogramm habe sich positiv auf den Gewinn ausgewirkt und das Ergebnis vor Steuern auf 522 Millionen Euro von 410 Millionen Euro vor Jahresfrist getrieben.

Damit lag das Unternehmen aber unter den Erwartungen von Analysten, die im Schnitt mit 564 Millionen Euro gerechnet hatten. Die Umsatzprognose der Branchenexperten übertraf der vom Pharmaunternehmer Adolf Merckle kontrollierte Heidelberg-Cement-Konzern jedoch.

Nordamerika-Geschäft schwächelt

Nach Steuern verdiente Heidelberg-Cement im dritten Quartal 375 Millionen Euro (Vorjahr: 300 Millionen Euro) und erwirtschaftete damit in den ersten neun Monaten dieses Jahres bereits einen deutlich größeren Überschuß als im gesamten Jahr 2005.

Im Jahresverlauf habe vor allem die wirtschaftliche Dynamik auf dem bis zuletzt boomenden und für den Konzern wichtigen Nordamerika-Markt nachgelassen, was zu einem Absatzrückgang geführt habe, konstatierte der Vorstand. „Die Wirtschaft in den USA hat nach einem starken ersten Quartal deutlich und in zunehmendem Maße an Schwung verloren“, teilte Deutschlands Branchenprimus mit.

Management bekräftigt Prognose

Auch im dritten Quartal habe Heidelberg-Cement seine „Strategie der geographischen Diversifikation mit Schwerpunkt auf Zement in Wachstumsmärkten konsequent weiter verfolgt“. Mit Akquisitionen in Rußland, Indien und China seien wichtige Schritte zum Ausbau der Marktpositionen in Osteuropa und Asien erfolgt.

In Fahrt: Betonmischer von Heidelberg-Cement

In Fahrt: Betonmischer von Heidelberg-Cement

Trotz des schwächeren Geschäfts in Nordamerika bekräftigte Heidelberg-Cement seine bisherigen Geschäftsprognosen für das Gesamtjahr 2006. Umsatz und Ergebnis sollen demnach ein „deutlich zweistelliges Wachstum“ aufweisen.

Aktie sieht teurer aus als sie ist

Die Aktie sieht allerdings nicht billig aus: Auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung für 2006 beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) 17,1, für 2007 ergibt sich ein KGV von 15,0. Die erwartete Dividendenrendite für 2007 beträgt 1,5 Prozent.

Die Aktie war schon günstiger bewertet: Auf ihrer Website veröffentlicht die Gesellschaft das KGV der vergangenen Jahre - wohlgemerkt bezogen auf die tatsächlich vorgelegten Gewinne. Demnach betrug das KGV 2002 nur 9,1. 2003 und 2005 war zwar mehr als das 20fache des Gewinns je Aktie zu zahlen. 2004 war das KGV wegen eines Jahresfehlbetrages negativ gewesen.

Doch das Ergebnis je Aktie nach drei Quartalen übertrifft schon die durchschnittliche Gewinnschätzung der Analysten für das Gesamtjahr. Rechnet man die Neunmonatszahlen auf das gesamte Jahr hoch, würde sich ein KGV von nur 12,8 ergeben - hier scheinen die Analysten im Schnitt also etwas zu konservativ gewesen zu sein.

Aktie im Infrastruktur-Boom

Allerdings ist die Frage berechtigt, wie sich die abflauende Immobilienkonjunktur in den Vereinigten Staaten auf den Gewinn auswirken wird. Noch stehen dem rückläufigen Wohnungsbau Steigerungen beim Wirtschafts- und öffentlichen Bau gegenüber, doch das muß nicht so bleiben. Anleger sollten also einen sinkenden Gewinn im kommenden Jahr nicht ausschließen.

Die Aktie hält den Aufwärtstrend. Ein charttechnisches Kaufsignal würde die Notiz allerdings erst senden, wenn sie ein neues Rekordhoch markieren würde - und das ist noch nicht erreicht.

Anleger können mit der Heidelberg-Cement-Aktie den Infrastruktur-Trend spielen. Sie sollten aber nicht vergessen, daß dieser Trend durch eine langsamer wachsende Weltwirtschaft erheblich gebremst werden kann. Das gilt nicht nur für Amerika, sondern auch für die Wachstumsmärkte Osteuropa und Asien. Absicherungsstrategien können daher nicht schaden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @bemi mit Material von Reuters
Bildmaterial: FAZ.NET, HeidelbergCement, picture-alliance / dpa/dpaweb

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