Von Helmut Bünder, Bonn
11. Januar 2008 Für die Aktionäre der Deutschen Telekom hat das neue Jahr gut begonnen. Wie schon in den letzten Monaten des Jahres 2007 schlägt sich ihre Aktie weiterhin besser als der Dax. Seit Oktober hat die T-Aktie die Nase vorn. Während die deutschen Standardwerte leicht nachgaben, legten die Papiere der Telekom im vergangenen Vierteljahr um mehr als zehn Prozent zu. Wer das Sommertief genutzt hat, um bei Kursen von weniger als dreizehn Euro einzusteigen, kann auch den kleinen Rückschlag vom Donnerstag verkraften. Nach Berichten, dass das milliardenschwere Investitionsprogramm für die amerikanische Mobilfunktochtergesellschaft die geplante Margenverbesserung verzögern wird, ging es erst einmal wieder nach unten.
Umso mehr stellt sich nun die Frage, ob der mittelfristige Trend anhalten wird. Schon für 2007 hatten manche Analysten eine Renaissance der Telekommunikationsbranche erwartet. Die damals ins Feld geführten Argumente haben ihre Gültigkeit behalten und sogar an Überzeugungskraft gewonnen. Als defensives Investment in unsicheren Börsenzeiten ist die Branche nicht die schlechteste Wahl. Die meisten Telekom-Unternehmen liefern Quartal für Quartal vergleichsweise stabile Gewinne ab. Die Großen unter ihnen ähneln in dieser Hinsicht Versorgungskonzernen mit ihrem weitgehend sicheren Zahlungsmittelüberfluss (Cash-flow). Und die Papiere der Telekom-Branche überzeugen durch ihre relativ hohe Dividendenrendite, welche eine Basisverzinsung in möglicherweise turbulenten Zeiten verspricht.
Verhaltener Ausblick
Ob 2008 zum Telekom-Jahr wird, könnte deshalb vor allem davon abhängen, ob die Subprime-Krise die Märkte weiter belasten wird. Die Analysten von Goldman Sachs zum Beispiel warnen wegen der Verunsicherung vor einer harten Konjunkturlandung in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien. Folgerichtig empfehlen sie, den Telekommunikationssektor zusammen mit Branchen wie Pharma und Einzelhandel überzugewichten.
Kann auch die Deutsche Telekom von einer Wiederentdeckung der Branche profitieren? Oder werden europäische Konkurrenten wie die spanische Telefónica und KPN aus den Niederlanden das Rennen machen? Für den Bonner Konzern spricht die Dividende. Im Dezember hat die Deutsche Telekom eine Anhebung der Ausschüttung auf 0,78 Cent je Aktie angekündigt. Insgesamt würden dann 3,4 Milliarden Euro fällig - voraussichtlich mehr als der gesamte Gewinn des abgelaufenen Geschäftsjahres, was manche Analysten die Stirn runzeln lässt. Doch der Cashflow, den die Telekom für 2007 auf 6,5 Milliarden Euro veranschlagt, gibt die Zahlung ohne weiteres her. Auf der anderen Seite liefert der Konzern einen nur verhaltenen Ausblick auf das neue Jahr. Zudem steht eine schwierige Tarifrunde bevor, und die Gewerkschaft rüstet sich für den Abwehrkampf gegen einen weiteren Personalabbau, ohne den die Telekom ihre Kosten nicht auf das branchenübliche Niveau herunterbekommen wird.
Analysten sind sich nicht einig
Auf der Umsatzseite liefert der Breitbandmarkt einen Lichtblick für das lange Zeit bröckelnde inländische Festnetzgeschäft. Auch der Verkauf des i-Phone ist gut angelaufen und sorgt nebenbei für frisches Image. Zu den großen Baustellen im Konzern gehört die immer noch ungeklärte Zukunft der Geschäftskundensparte T-Systems. Auch der Wechselkurs birgt Risiken für den stark vom amerikanischen und britischen Mobilfunkgeschäft abhängigen Konzern. Die Analysten sind sich nicht darüber einig, ob das Glas bei der Telekom schon halb voll ist oder doch noch halb leer. Goldman Sachs bleibt zwar wegen der freundlicheren Aussichten für den DSL-Markt bei seiner Kaufempfehlung und einem Kursziel von 16,50 Euro. Nach den Kursgewinnen der vergangenen Wochen ist die jüngste Analyse aber ein wenig zurückhaltender ausgefallen.
Bei Credit Suisse stuft Justin Funnell die T-Aktie sogar auf ein Potential von 17,50 Euro ein. Die Konsenserwartungen für den operativen Gewinn in 2007 hält er für zu vorsichtig und spekuliert auf eine positive Überraschung bei der Jahresbilanz. Für ihn ist die Deutsche Telekom klarer Branchenfavorit. Andere Analysten, etwa Björn Rosentreter von Independent Research, stellen weiterhin das bröckelnde deutsche Festnetzgeschäft in den Vordergrund und raten zum Verkauf. Gewinne mitzunehmen empfiehlt Rob Goyens von Dexia Securities. Er warnt, dass die Abkühlung der amerikanischen Konjunktur auch das Mobilfunkgeschäft, den wichtigsten Wachstumsträger der Telekom, in Mitleidenschaft ziehen könnte.
Text: F.A.Z., 12.01.2008, Nr. 10 / Seite 19
Bildmaterial: AFP, FAZ.NET
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +38,83 | +11,03 |
| FRESENIUS MEDICAL CA | +0,31 | +0,91 |
| HENKEL AG & CO. KGAA | +0,07 | +0,30 |
| SIEMENS AG NAMENS - | -7,56 | -14,04 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | -0,35 | -12,59 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -4,84 | -12,48 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.861,63 | -6,49 |
| TecDax | 553,00 | -5,63 |
| DowJones | 8.577,91 | -7,87 |
| Nasdaq | 1.628,33 | -8,47 |
| STOXX 50 | 2.578,06 | -6,48 |
| Nikkei 225 | 9.547,47 | +1,06 |
| S&P 500 Zert. | 9,83 | -2,58 |
| Euro/Dollar | 1,35 | +0,31 |
| Bund Future | 114,06 | +0,13 |
| Gold | 846,30 | -0,23 |
| Öl | 70,31 | -8,34 |