Textilindustrie

Turbulente Zeiten für die Boss-Aktie

14. Mai 2008 Der Modekonzern Hugo Boss kommt nicht zur Ruhe - und auch nicht sein Aktienkurs, der in den vergangenen Wochen äußerst volatil gewesen ist. Nach einer turbulenten Hauptversammlung am vergangenen Donnerstag, auf der wütende Kleinaktionäre die Führungsriege und den Großaktionär, den Finanzinvestor Permira, wüst beschimpften, sorgten in dieser Woche neue Gerüchte für Spannung.

In einem am Dienstag in der österreichischen Zeitung „Standard“ erschienenen Interview wird Stefano Sassi, Chef der italienischen Muttergesellschaft Valentino, mit der Aussage zitiert, man prüfe einen Verkauf des schwäbischen Konzerns. Auch ein Rückzug von der Börse sei nicht ausgeschlossen. Dass der Aktienkurs kaum reagierte, lag wohl auch an einem prompten Dementi von Valentino - und der Einsicht, dass Sassi bei Boss ohnehin nicht viel zu sagen hat: In Italien wie in Metzingen hält Permira die Zügel fest in der Hand.

Zick-Zack-Kurs

Ein Tag ohne Turbulenzen für den im MDax notierten Boss-Titel ist fast schon eine Ausnahme. Nachdem die Vorzugsaktie Anfang Dezember 47 Euro kostete, rutschte sie Ende Januar auf 28 Euro ab. Seit der Vorstandsvorsitzende Bruno Sälzer, der Boss zwölf Jahre erfolgreich geführt hatte, das Unternehmen im Februar wegen Differenzen mit dem neuen Eigentümer verließ, fährt die Aktie einen verschärften Zickzackkurs - selbst wenn man die um Hauptversammlungen oft zu beobachtenden Schwankungen herausrechnet.

„Der Aktienkurs von Boss wird mittelfristig volatil bleiben“, sagt Tim Burkhardt, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. Erst in zwei bis drei Quartalen sei mit einer Beruhigung zu rechnen. Ausschlaggebend für die Entwicklung der Aktie sind seiner Ansicht nach vor allem zwei Faktoren: Einerseits sei dem Markt noch immer nicht klar, was Permira nun wirklich mit dem Unternehmen plane: Sehen die neuen Eigentümer Boss als mittel- oder gar langfristiges Investment - oder wollen sie nur Kapital abziehen? Andererseits reagierten gerade Modeunternehmen, die im Luxussegment aktiv seien, sehr empfindlich auf konjunkturelle Schwankungen. „Solange die Kreditkrise nicht ausgestanden ist, weiß auch keiner, wie sich die Konsumenten verhalten werden“, sagt Burkhardt.

Mehr Risiken

Auch auf der Hauptversammlung war die Entwicklung des Börsenkurses ein Thema. Vor allem das von Permira verursachte „Kommunikationsdesaster“ und die Unsicherheit über die weitere strategische Entwicklung wurden als Gründe ausgemacht, dass der Wert der Aktie seit dem Eigentümerwechsel im vergangenen Sommer 20 Prozent eingebüßt hat.

Burkhardt kritisiert auch die Sonderdividende von insgesamt 350 Euro, die auf der Hauptversammlung beschlossen wurde, als zu hoch. Die Senkung der Eigenkapitalquote von mehr als 50 Prozent auf etwa die Hälfte findet er riskant. „Wenn mehrere Kollektionen nicht gut laufen, wird die Lage angespannt.“

Alexander Schlipf, Analyst beim Bankhaus Metzler, beurteilt die Situation weniger pessimistisch. „Wenn bald ein neuer Vorstandschef gefunden ist, sollte auch wieder Ruhe einkehren“, sagt er. Ein Strategiewechsel oder eine Akquisition seien so bald nicht absehbar - und damit auch nichts, was den Kurs mittelfristig in Bewegung halten sollte.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, F.A.Z.

 
NamePunkteProzent
Dax 6.440,70 -1,46
TecDax 721,58 -3,36
DowJones 11.349,28 -2,43
Nasdaq 2.280,11 -1,97
STOXX 50 3.354,58 -0,97
Nikkei 225 13.603,31 +2,18
Euro/Dollar 1,57 -0,04
Bund Future 110,94 +0,75
Gold 930,45 +0,30
Öl 124,98 -1,22
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