Von Mark Arbeter
16. Juli 2008 Der Aktienmarkt befindet sich weiterhin im Würgegriff stetig steigender Ölpreise und anhaltender Turbulenzen im Finanzsektor, wobei bereits einer dieser Faktoren ausreichen würde, um die Kurse auf Talfahrt zu schicken. Am 11. Juli stieg der Barrelpreis für Rohöl um fünf Dollar auf ein neues Rekordhoch, die Kurse der beiden halbstaatlichen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac sanken um 45 Prozent, und die ausländischen Aktienmärkte zeigten sich in sehr schwacher Verfassung. Kann es noch schlimmer kommen?
Doch trotz dieses Bündels an schlechten Nachrichten gaben die amerikanischen Aktienfutures um gerade einmal ein Prozent nach - und genau hier könnte das Problem liegen. Der Neigungswinkel des graduellen Rückgangs seit dem Mai-Hoch war nicht steil genug, um ausreichend Angst und Panik im Markt zu erzeugen, damit sich ein tragfähiger Boden ausbilden kann.
Man muss nur einen Blick auf frühere Bodenbildungen des Marktes und den steilen Neigungswinkel des Rückgangs werfen, um zu erkennen, woran es diesmal mangelt. Da die meisten maßgeblichen Indizes ihre in den ersten Monaten des Jahres markierten Chartunterstützungen gerissen haben, müsste es nach unserer Überzeugung zu mindestens einer weiteren Kapitulation kommen, bevor wir wenigstens einen temporären Boden des Bärenmarktes sehen.
Zwischenzeitliche Trendumkehr beim S&P-500 zwischen 1.170 und 1.224 Punkten möglich
Der Aktienindex S&P-500 sackte widerstandslos durch sein März-Schlusstief bei 1.273 Punkten und das März-Tagestief bei 1.257 Zählern. Dies kam für uns ein wenig überraschend, ist jedoch ein deutliches Indiz für die Schwäche des Marktes. Wenn Märkte bei Annäherung an eine bedeutende Chartunterstützung nicht einmal eine winzige Umkehrbewegung vollziehen, insbesondere, wenn sie deutlich überverkauft sind, dann ist nach unserer Ansicht etwas mehr als faul. Niemand weiß, wie tief der Markt noch sinken kann, wir werden jedoch versuchen, einige potentielle Unterstützungszonen unterhalb des gegenwärtigen Kursniveaus aufzuzeigen.
Die nächste von uns ins Visier genommene maßgebliche Chartunterstützung stammt von einem Pivot-Tief aus dem Juni 2006 zwischen 1.220 und 1.224 Punkten. Weiter zurück in der Vergangenheit treffen wir auf ein zweites Pivot-Tief aus dem Oktober 2005 bei 1.170 Zählern. Dieser Bereich fällt exakt mit einem 50-prozentigen Retracement der gesamten Hausse zusammen, das als nächstes wichtiges Fibonacci-Unterstützungsniveau fungiert. Wir rechnen mit einer Trendumkehr, sobald der S&P-500 in die Zone zwischen 1.170 und 1.224 Punkten gelangt, wobei wir jedoch nicht prophezeien, dass hier der Boden des Bärenmarktes angesiedelt sein wird.
Unterhalb dieses potentiellen Unterstützungsbereichs befindet sich eine Zone, in der der Markt im Jahr 2004 zwischen 1.063 und 1.150 Zählern eine Seitwärtsbewegung vollzogen hatte. Bei 1.078 Punkten und damit genau in dieser zweiten Chartunterstützungszone verläuft auch das 61,8-prozentige Retracement der Hausse.
Am Optionsmarkt ist nichts von Panik zu sehen
Die Kursstruktur vieler Indizes scheint die für einen Bärenmarkt sehr typische Gestalt einer fünfwelligen Abwärtsbewegung anzunehmen. Innerhalb dieser Sequenz sind drei Wellen abwärts gerichtet, während zwei nach oben weisende Gegentrend- oder Korrekturwellen auftreten. Welle zwei bleibt hinter der Ausdehnung von Welle eins zurück und Welle vier gelangt nicht über den Boden von Welle eins hinaus; andernfalls wäre die Wellenzählung hinfällig.
Die Entstehung der ersten Welle bis hinab zum Schlusstief vom 26. November nahm 33 Handelstage in Anspruch, umfasste 158 Punkte und markierte einen Rückgang von zehn Prozent. Der zweite Rückgang oder die dritte Welle des Musters führte den S&P-500 243 Zähler oder 16 Prozent talwärts. Wird die fünfte Welle so groß wie die dritte Welle, dann würde dies auf 1.198 Punkte als potentielles Tief des Bärenmarktes hinzielen, was der oben genannten ersten Spanne entspräche.
Wo ist nun die Verzweiflung, die Panik, die Kapitulation? Zumindest zeigt sie sich nicht auf dem Optionsmarkt. Die Put/Call-Ratios sind weit von den Panikniveaus entfernt, die wir im März und Januar oder gar bei den Pullbacks im Jahr 2007 sahen. Der jüngste Höchststand des auf alle Optionen bezogenen zehntägigen Put/Call-Ratios an der Chicagoer Optionsbörse (CBOE) lag am 7. Juli bei 1,1. Historisch gesehen mag dies zwar hoch sein, nicht jedoch in Relation zu den Gipfelwerten der jüngeren Vergangenheit. Im März stieg das zehntägige Put/Call-Ratio auf 1,28, im Januar auf 1,2, im August 2007 auf 1,29 und im März 2007 sogar auf 1,31.
Dasselbe Muster können wir auch am dreißigtägigen Put/Call-Ratio an der CBOE erkennen. Das jüngste Hoch lag bei 1,04, während die Niveaus im März und August 2007 sowie im März 2008 zwischen 1,17 und 1,18 lagen. Bei den rein auf Aktienoptionen bezogenen Put/Call-Ratios zeigt sich ein relativ höheres Ausmaß an Furcht als bei den auf sämtliche Optionen bezogenen Put/Call-Ratios, wobei jedoch nicht die im März beobachteten Niveaus erreicht werden. Das rein auf Aktienoptionen bezogene zehntägige Put/Call-Ratio lag am 10. Juli bei 0,82 und damit deutlich unterhalb des März-Niveaus von 1,00 sowie leicht unterhalb der Werte vom Januar 2008 und August 2007.
Wenn wir den ISE-Sentimentindex (ISEE) betrachten (ein Put/Call-Ratio an der amerikanischen Optionsbörse ISE), stellen wir ein gegenüber März geringeres Ausmaß an Furcht fest. Wir haben beim ISEE zwar bereits einige ziemlich niedrige Werte gesehen, die Extreme vom März wurden jedoch nicht erreicht. Der exponentiell gleitende 21-Tage-Durchschnitt dieses Index' verlief zuletzt relativ flach und befindet sich gegenwärtig bei 112, deutlich oberhalb der Paniktiefs von 83 unweit des im März ausgebildeten Marktbodens.
Entwicklung des Volatilitätsindex erklärungsbedürftig
Der Volatilitätsindex VIX, der die vom Markt erwartete kurzfristige Schwankungsintensität anhand von Optionspreisen auf den S&P-500 misst, stieg am 11. Juli mit 29 Prozent auf den höchsten Wert seit 20. März, nach unserer Ansicht ein Willkommenssignal für viele Marktexperten. Ein Volatilitätsindex ist eine Funktion von Optionsprämien, der grundsätzlich (und bisweilen sehr schnell) ansteigt, wenn sich der Markt gen Süden bewegt. Ein nachgebender Aktienmarkt geht jedoch nicht automatisch mit einem steilen Anstieg von Volatilitätsindizes einher. Diese Tatsache wird nach unserer Überzeugung an der Wall Street allerdings häufig übersehen. Da Volatilitätsindizes eine Funktion von Optionsprämien sind, steigen sie rasant an, wenn der Aktienmarktskurs rasant sinkt.
Bei sehr schnell fallenden Kursen sichern sich die Investoren ab und treiben damit die Optionsprämien nach oben. Der seit Mai erfolgte Rückgang verlief jedoch relativ gleichmäßig, weshalb der VIX und die Put/Call-Ratios in unseren Augen nicht den steilen Anstieg vom Januar und März wiederholten. Erst wenn der Markt seine Abwärtsbewegung beschleunigen und der Neigungswinkel des Rückgangs sehr steil werden sollte, werden wir auch einen steilen Anstieg der Volatilitätsindizes sehen.
So waren beispielsweise die drei- und zehntägigen Kursänderungsraten für den S&P-500 im Januar stärker ausgeprägt als im März und im März wiederum stärker ausgeprägt als im Juli. Analog hierzu lag der VIX im Januar höher als im März und im März höher als im Moment. Dasselbe war im Bärenmarkt der Jahre 2002 und 2003 zu beobachten. Die Kursänderungsrate im Juli 2002, als der S&P-500 einen Boden ausbildete, war höher als die Änderungsrate im Oktober 2002 und diese war wiederum höher als jene im März 2003. Der VIX erreichte seinen Höchststand im Juli 2002, stieß im Oktober 2002 auf ein sekundäres Hoch vor und war im März 2003 weit von den Juli- oder Oktober-Niveaus entfernt.
Es stellt sich nun die Frage, wie weit der VIX während eines mittelfristigen Marktrückgangs ausschlagen wird. Im Dezember 2007 erreichte der VIX einen Tiefpunkt bei 18 und stieg bis zum Januar 2008 auf 38. Im Februar bildete er etwas oberhalb von 21 einen Boden und kletterte bis zum März auf 35. Mit dem im Mai eingelegten Tiefpunkt von 16 hat der VIX angesichts seiner Januar- oder März-Niveaus noch einen weiten Weg vor sich.
Stimmung in Umfragen deutlich eingetrübter
An den Optionsmärkten ist zwar keine übermäßige Furcht auszumachen, bei den Umfragen zur Marktstimmung zeigt sich indes ein gänzlich anderes Bild. In der jüngsten von Investor's Intelligence unter amerikanischen Börsenbriefschreibern durchgeführten Umfrage schrumpfte der Anteil der Optimisten auf 27,4 Prozent, während der Anteil der Pessimisten auf 47,3 Prozent zulegte. Dies ist die niedrigste Optimistenquote seit dem Tiefstand von 23,3 Prozent im Juli 1994 und das höchste Niveau an Pessimismus seit September 1998.
Die Bären liegen mit 19,9 Prozentpunkten vor den Bullen, was dem größten Grad an pessimistischer Stimmung unter Börsenbriefschreibern seit Dezember 1994 entspricht. Die Consensus-Umfrage ergab einen Bullenanteil von 23 Prozent und liegt damit fast auf Augenhöhe mit dem extrem niedrigen März-Wert von 22 Prozent. Die Anlegerumfrage der American Association of Individual Investors zeigt eine Optimistenquote von 22 Prozent und eine Pessimistenquote von 55 Prozent, was ebenfalls sehr nahe an die im März ermittelten Niveaus herankommt.
Mark Arbeter ist Charttechniker und technischer Chefstratege bei Standard & Poor's.
Text: BusinessWeek Online
Bildmaterial: F.A.Z.
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Infineon | 3,58 € | +4,07% |
| SAP | 32,21 € | +2,06% |
| Dt. Boerse | 55,89 € | +1,66% |
| Merck | 64,82 € | +1,22% |
| FMC | 37,71 € | +1,21% |
| Allianz | 84,00 € | −1,73% |
| Linde | 83,93 € | −1,79% |
| Dt. Bank | 49,90 € | −2,16% |
| Commerzbank | 5,91 € | −2,80% |
| Volkswagen | 76,25 € | −4,69% |
ÜBERBLICK/Late-Indizes Freitag, 18. Dezember
18:41Europas Aktien zum Schluss leichter - Finanzwerte belasten
18:15XETRA-SCHLUSS/Uneinheitlich nach Hexentanz - VW sehr schwach
17:59Aktien Zürich schließen etwas leichter - Banktitel sehr schwach
17:55Aktien Wien schließen leichter - Anfangsgewinne nicht verteidigt
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.831,21 | −0,23% |
| TecDAX | 815,34 | −0,05% |
| MDAX | 7.393,75 | −0,14% |
| SDAX | 3.555,37 | +0,22% |
| REX | 378,74 | +0,12% |
| Eurostoxx 50 | 2.871,22 | −0,71% |
| Dow Jones | 10.297,50 | −0,10% |
| Nasdaq 100 | 1.800,48 | +1,25% |
| S&P500 | 1.096,08 | −1,18% |
| Nikkei225 | 10.142,00 | −0,21% |
| EUR/USD | 1,4335 | −0,09% |
| Rohöl Brent Crude | 73,59 $ | +0,51% |
| Gold | 1.117,00 $ | −1,80% |
| Bund Future | 123,42 € | −0,02% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index18.12.2009 13:00 |
1384,62 | 1346,64 | 1292,33 |
Performance-Index18.12.2009 17:35 |
304,19 | 297,54 | 282,83 |
Euro-Aktien-Index18.12.2009 17:35 |
141,85 | 140,95 | 129,84 |
Einige Aktien sind noch günstig zu haben
Schwierige Bedingungen für die Staatsfinanzierung
Aktien 2010: Berg- und Talfahrten
Aktive oder passive Fonds?
Ich weiß zwar, daß Wetter und Klima nicht dasselbe Lied singen,
21:07 20:55Es war eine schöne Zeit bei Ferrari,aber...
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