Branchenanalyse

Positiver Ausblick für Life-Science-Unternehmen

Von Sam Stovall

25. Juli 2008 In dieser Woche wurde der S&P-1500-Branchenindex Life Sciences Tools & Services neu in die Liste der Indizes mit hoher Kursdynamik aufgenommen. Dies bedeutet, dass sich seine Kursentwicklung der zurückliegenden zwölf Monate nun im oberen Zehn-Prozent-Bereich aller Branchenindizes des S&P-1500 befindet.

Von Jahresbeginn bis zum 18. Juli 2008 sank dieser Branchenindex für Life-Science-Ausrüstung und -Dienstleistungen um 6,0 Prozent gegenüber einem Rückgang des S&P-1500 von 13,3 Prozent. Im Jahr 2007 stieg der Teilindex um 30,8 Prozent, während der S&P-1500 um lediglich 3,6 Prozent zulegte. Im April 2006 wurde diese Branchengruppe in den S&P 1500 Composite Index aufgenommen und überflügelt den breiten Markt auf einer rollierenden 12-Monats-Basis seit April 2007.

Sektor zeigt relative Stärke zum Markt

Der S&P-1500-Branchenindex für Life-Science-Ausrüstung und -Dienstleistungen umfasst 18 Unternehmen mit großer Marktkapitalisierung. Elf dieser Unternehmen werden von S&P-Aktienanalysten beobachtet, sechs hiervon mit Kaufempfehlungen eingestuft: Charles River Labs, Covance, Invitrogen, PerkinElmer, Pharmaceutical Product Development und Thermo Fisher Scientific. Auch zwei nicht im Index vertretene Unternehmen erhielten gute Anlagebewertungen: Exelixis und ICON.

In der Infografik stellt die gezackte blaue Linie die rollierende 52-Wochen-Kursentwicklung des Branchenindex' im Verhältnis zur 52-Wochen-Kursentwicklung des S&P-1500 dar. Punkte oberhalb von 100 zeigen eine über dem Markt liegende Wertentwicklung gegenüber dem Vorjahr, während Punkte unterhalb der 100 eine unter dem Markt liegende Performance wiedergeben. Die rote Linie ist ein rollierender gleitender 39-Wochen-Durchschnitt, während die beiden grünen Linien die erste Standardabweichung über und unter der langfristigen mittleren relativen Stärke des Index' anzeigen.

Analyst Jeffrey Loo, der die Unternehmen dieses Teilindex' für S&P Equity Research unter die Lupe nimmt, sieht die fundamentalen Aussichten der Branchengruppe Life-Science-Ausrüstung und -Dienstleistungen positiv. Seine Einschätzung gründet sich auf seine weiterhin günstig bewerteten Perspektiven für die Gruppe der Auftragsforschungsinstitute sowie auf ein stabiles Wachstum bei Verbrauchsgütern des Life-Science-Bereichs. Für 2008 rechnet er jedoch angesichts des robusten Wachstums im Vorjahr mit einer geringfügigen Abschwächung des Geräteumsatzes.

Die Life-Science-Branche ist Loo zufolge von den Ausgaben für pharmazeutische und biotechnologische Forschung und Entwicklung sowie von der weltweiten Vergabe öffentlicher Mittel abhängig. Er prognostiziert hohe einstellige Zuwächse bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung, denen ein weltweit schwaches Wachstum bei der öffentlichen Mittelvergabe gegenübersteht, was sich nach seiner Ansicht dämpfend auf das Gesamtumsatzwachstum auswirken werde. Für die kommenden Jahre geht er weiterhin von begrenzten Etatsteigerungen der National Institutes of Health (NIH) aus, die in den Vereinigten Staaten die staatlichen Forschungsgelder verteilen. Der NIH-Etat wird 2008 nur um ein Prozent auf 29,5 Milliarden Dollar steigen

Pharma- und Biotechnologieunternehmen tendieren zum Outsourcing

Die im Branchenindex vertretenen Unternehmen erzielen ihre Umsätze mit dem Absatz von Geräten und Verbrauchsgütern sowie mit der Bereitstellung von Dienstleistungen. Nach den schwachen Jahren 2005 und 2006 hat sich der Geräteumsatz 2007 belebt und wird sich nach Loos Einschätzung bei leicht geringerer Wachstumsrate auch 2008 einer robusten Verfassung erfreuen, da Endanwender der Pharmabranche ihren Gerätebestand modernisieren und neue innovative Produkte anschaffen

Die Anschaffung von Verbrauchsartikeln ist in der Regel nicht von Etatbeschränkungen betroffen, weshalb Loo davon ausgeht, dass Unternehmen, deren Umsätze hauptsächlich mit Verbrauchsgütern generiert werden, ein stärkeres Wachstum erzielen dürften als Gerätehersteller. Darüber hinaus sind die Gewinnspannen bei Verbrauchsgütern üblicherweise höher als bei Geräten, weshalb Gerätehersteller ihre Produktlinien aggressiv ausweiten, um ihre Umsätze mit Verbrauchsartikeln steigern zu können. Bei Verbrauchsgütern rechnet Loo mit einem hohen einstelligen Umsatzwachstum

Nach Einschätzung von Loo dürften Anbieter von Dienstleistungen für Pharma- und Biotechnologieunternehmen in den kommenden 12 bis 24 Monaten ein beträchtliches Wachstum verzeichnen. Er ist überzeugt, dass Pharma- und Biotechnologieunternehmen in den kommenden Jahren verstärkt Dienstleistungen auslagern werden, was nach seiner Ansicht größere Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen nach sich zieht, während zugleich die Notwendigkeit einer Ausweitung ausländischer Betriebsaktivitäten und Infrastruktur minimiert wird. Zudem verfügen die meisten aufstrebenden Biotechnologieunternehmen nicht über die erforderliche Infrastruktur und sind daher zur Auslagerung eines Teils von Dienstleistungen gezwungen. Loo zufolge werden von diesem Trend die Auftragsforschungsinstitute profitieren, die Dienstleistungen rund um die Durchführung klinischer Studien für die Medikamentenentwicklung bereitstellen.

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass die hohe relative Stärke dieser Branchengruppe durch einen positiven fundamentale Ausblick gestützt wird.

Sam Stovall ist Chefstratege von S&P Equity Research Services.



Text: Business Week Online
Bildmaterial: FAZ.NET, S&P

 
Tops & Flops+/-Prozent
HYPO REAL ESTATE HOL +1,82 +44,07
COMMERZBANK AG INHAB +1,59 +16,33
THYSSENKRUPP AG INHA +2,33 +15,03
VOLKSWAGEN AG STAMMA -4,50 -1,32
MERCK KGAA INHABER - +1,51 +2,45
DEUTSCHE POST AG NAM +0,29 +2,49
NamePunkteProzent
Dax 4.883,42 +7,46
TecDax 575,75 +11,42
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.582,31 +6,62
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 9,30 +5,32
Euro/Dollar 1,37 +0,44
Bund Future 114,59 -0,07
Gold 851,65 +0,50
Öl 76,65 -7,49
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