Solaraktien

Die Sonnenkönige beschleunigen noch einmal das Marschtempo

26. Februar 2008 Die Solarbranche erhöht das Wachstumstempo. Vor ein paar Jahren erschien ein dauerhafter jährlicher Zuwachs von 30 Prozent oder mehr schon ehrgeizig. Inzwischen schaffen die führenden Unternehmen der Branche mehr als 50 Prozent. Und es sieht so aus, als ob dies noch einige Jahre so bleiben könnte.

Große Wachstumsdynamik

Damit entwickelt sich eine schier unglaubliche Wachstumsgeschichte, deren Entwicklung vor allem durch zwei Engpässe aufgehalten wird: Maschinen und Silizium. Doch an beiden Fronten zeichnet sich Entspannung ab, denn sowohl die Konstrukteure von Solarfabriken als auch die Produzenten von Silizium erhöhen massiv ihre Kapazitäten.

Beide Lieferantengruppen rechnen inzwischen auch mit einer dauerhaft höheren Nachfrage, unter anderem weil neue Wettbewerber in den Markt drängen und ihnen dies mehr Kalkulationssicherheit bringt. Vor allem finanzstarke Großunternehmen, die bisher in verwandten Technologiebereichen tätig waren, erkennen das Potential der Solarenergie, deren Strom in sonnenreichen Staaten schon bald konkurrenzfähig ist.

Perspektiven verbessert

Noch vor einem Jahr sah das ganz anders aus. Nun jedoch stellt die Bank Sarasin fest, dass die Produktionskapazitäten in der Solarbranche weltweit ungebremst ausgebaut werden. Schon 2006 stieg daher die Solarzellenproduktion auf der Welt um 44 Prozent. „Die Photovoltaik-Industrie entwickelt sich damit von einem Nachfrage- zu einem Angebotsmarkt.“ Erfolgreiche Unternehmen wie Q-Cells, Suntech Power, First Solar oder SunPower schafften dementsprechend 2007 enorme Zuwachsraten von teilweise weit über 50 Prozent.

Die anerkannten Sarasin-Analysten stellen fest: „Erfreulicherweise haben sich die Perspektiven des weltweiten Photovoltaik-Marktes weiter verbessert, da einige Hürden wie der Siliziumengpass oder fehlende Förderprogramme weggefallen sind.“ Bis 2010 erwartet die Bank inzwischen sogar jährliche Wachstumsraten von 50 Prozent weltweit in der Photovoltaik.

Diese Prognose erschien vor einigen Monaten noch als sehr optimistisch und allenfalls für die Besten erreichbar. Inzwischen ist sie womöglich sogar bereits konservativ geworden. Denn die Solarunternehmen sprühen in ihren Ausblicken nur so vor Optimismus. Da keines dieser Unternehmen die Börse enttäuschen möchte und das Jahr noch jung ist, dürfte mancher Ausblick auf das Jahr 2009 daher noch sehr konservativ sein. Doch allein die Tatsache, dass mit Blick auf 2009 schon so viel Gewissheit vorhanden ist, sagt schon viel über den Zustand der Branche aus. Hinzu kommt neue Wettbewerber, die auch für Kapazitäten sorgen werden.

Deutsche Solarunternehmen bauen Fabrik auf Fabrik

Alle expandieren wie verrückt, wie folgende Beispiele zeigen: Der Modulhersteller Solon hat gerade Zahlen vorgelegt. Das Unternehmen steht am Ende der solaren Wertschöpfungskette, ist also auf Lieferungen anderer angewiesen. 2007 steigerte es den operativen Gewinn und den Umsatz mehr als 40 Prozent. In diesem Jahr spricht Solon dagegen schon von mehr als 70 Prozent Umsatzplus und für 2009 weiß man jetzt schon: Rund 50 Prozent sind mindestens drin.

Ähnlich läuft es bei Ersol aus Erfurt. Gewinn und Umsatz sind 2007 eher unterdurschnittlich mit 10 Prozent und 25 Prozent gestiegen. Damit hinkt der Herstellern von Zellen der Branche hinterher. Doch 2008 will man sich verdoppeln und den Gewinn sogar vervierfachen. Für 2009 gibt das Management bereits ein weiteres Plus von knapp 50 Prozent im Umsatz vor.

Der Branchenführer Q-Cells erreicht bereits phänomenale Wachstumsraten. 2007 waren 59 Prozent im Umsatz. 2008 dürfte das Unternehmen mindestens 60 Prozent zulegen, auch wenn das Ergebnis unterdurchschnittlich ausfallen soll - nach bisheriger Plaung. Für2009 gibt Q-Cells bisher bloß 40 Prozent an, doch dies dürfte noch sehr konservativ sein - das schafft der Konzern wahrscheinlich mindestens.

Der Pionier Solarworld wächst dagegen gehemmter: 35 Prozent waren es 2007, wobei der Gewinn um fast die Hälfte hochschoss. Der Konzern achtet sehr auf Profitabilität und vernachlässigt offenbar das Mengenwachstum, das an vielen Stellen der Branche derzeit im Vordergrund steht. Für 2008 ist das Management mit 30 Prozent mehr noch sehr zurückhaltend. Bliebe es dabei, würde Solarworld relativ betrachtet weiter zurückfallen.

Gut steht auch der Modulbauer Phoenix Solar da. Mit 50 Prozent ist eine Entwicklung auf Branchendurchschnitt zu erwarten.

Wie schnell es - auch in der Sonnenbranche nach unten gehen kann, hat ja Conergy bewiesen. Trotz enormer hoher Verluste im vergangenen Jahr, will das Unternehmen in der Branche zumindest umsatzmäßig mithalten. Wenn es die Einnahmen auf mehr als eine Milliarde Euro steigerte, würde dies ein Plus von mehr als 40 Prozent bedeuten. Allerdings dürfte die Profitabilität des Konzerns noch leiden.

Eindeutig auf der Sonnenseite liegen derzeit die Hersteller von Maschinen, mit denen Q-Cells &Co Zellen, Modulen und ganz dünne Solartechnologie herstellen können. So verbesserte Manz den Umsatz im vergangenen Jahr bereits um 63 Prozent, wobei sich der Gewinn operativ verdoppelte. 2008 dürfte sich das Unternehmen sogar verdoppeln.

Ähnliches gilt für Centrotherm. Mit plus 53 Prozent und knapp 100 Prozent wuchs der Manz-Konkurrent entsprechend. 2008 dürften locker noch einmal mehr als 100 Prozent drin, wenn man allein auf den riesigen Auftragsbestand schaut, der gar nicht in einem Jahr abzubauen ist.

Dass sich niemand in der Branche ausruhen kann und darf, zeigt das Beispiel des amerikanischen Unternehmens First Solar, dass sich auf die Dünnschicht-Technologie spezialisiert hat. Der Vorteil ist, dass dafür so gut wie gar kein Silizium mehr gebraucht wird. Der Nachteil ist noch: Die Zellen sind weniger ergiebig, man braucht also größere Flächen, um sie effizient zu nutzen. First Solar steigerte den Umsatz 2007 um knapp 300 Prozent Umsatz und vervierzigfachte den Gewinn. In diesem Jahr geht es allerdings langsamer voran: Gut 40 Prozent beim Umsatz und rund 20 Prozent beim Nettogewinn sagt es bisher voraus. Analysten gehen jedoch von mehr aus.

Die Bewertungsfrage stellt sich nun neu

Diese Wachstumsraten lassen auch Bewertungsfragen in einem anderen Licht erscheinen. Unternehmen, die es schaffen, Umsatzwachstum auch in Gewinnwachstum umzumünzen, verdienen auch eine dauerhaft höhere Bewertung. Allerdings sind Prognosen in dieser Hinsicht schwierig. Expansion kostet in manchen Jahren Geld und belastet daher womöglich das Ergebnis.

Schnell zu wachsen ist jedoch unabdingbar, um die eigene Marktstellung auszubauen. Schon jetzt zeichnet sich ja, dass neue Konkurrenten in diesen Markt drängen. Das ist einfacher geworden, seit die Solar-Maschinenbauer schlüsselfertige Fabriken liefern.

Maßstab für die Bewertung der einzelnen Solarunternehmen wird daher in den nächsten Jahren sein: Wachsen sie um mindestens 50 Prozent und hält der Gewinn damit Schritt? Wer das nicht hinbekommt, dürfte relativ betrachtet zurückfallen.

Finanzstärke gewinnt an Bedeutung

Kapitalstärke wird künftig wichtiger. Wer wie Großunternehmen über günstige Finanzierungsmöglichkeiten verfügt, kann womöglich bald massiv in den Markt einsteigen, ohne größere Anlaufschwierigkeiten zu befürchten.

Grundsätzlich ist dies alles jedoch noch kein Problem, solange die Nachfrage stärker wächst als das Angebot an Solarprodukten. Denn in dieser Situation können sich alle ein Stück vom Kuchen abschneiden, ohne beim Konkurrenten zu räubern. Dies ist derzeit der Fall und wird nach Ansicht der Solar-Analysten von Sarasin in den nächsten Jahren auch so bleiben. Damit profitieren am Ende auch die Schwächeren in einer Branche, die weiter über alle bisherigen Vorstellungen hinaus wachsen könnte.

Die Ergebnisse der Solarunternehmen zeigen jedoch auch, dass die Gewinne nicht überall gleich stark sprudeln. Für die Aktien bedeutet dies, dass auch künftig bei einzelnen Aktien starke Kursschwankungen zu erwarten sind - immer dann, wenn die Börse für eine Weile mal den Glauben an dieses oder jenes Solarunternehmen verliert - oder sogar an die ganze Branche. Auch damit sollte gerechnet werden. Umgekehrt ergeben sich damit aber auch immer wieder mal attraktive Kurse für einen Neueinstieg.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.



Text: @stt
Bildmaterial: SCHOTT, AP, F.A.Z., Reuters

Tops & Flops+/-Prozent
VOLKSWAGEN AG STAMMA +45,13 +15,20
K+S AKTIENGESELLSCHA -0,15 -0,39
MAN AG STAMMAKTIEN O -0,40 -1,01
DEUTSCHE BANK AG NAM -5,99 -16,08
DEUTSCHE POSTBANK AG -3,87 -14,61
INFINEON TECHNOLOGIE -0,44 -13,68
NamePunkteProzent
Dax 4.544,31 -7,01
TecDax 516,75 -4,81
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.421,87 -7,86
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 8,83 -10,45
Euro/Dollar 1,34 +0,00
Bund Future 114,67 -1,44
Gold 847,40 +0,00
Öl 76,65 -7,49
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2008

Quellen: IS.eFinance Solutions using Deutsche Börse AG, Morningstar und weitere. IS.eFinance Solutions implemented and powered by Interactive Data Managed Solutions AG, ©  1999-2007. Alle Börsendaten werden mit 15 Minuten Verzögerung dargestellt.