Devil

Der erste Börsengang seit langem

09. Mai 2008 Lang ist es her, dass deutsche Anleger in den Genuss von Börsengängen kamen (Ein Rekordjahr für Börsengänge ). Der Industriekonzern Evonik beispielsweise legt seine Neuemission vor gut einem Monat angesichts des unsicheren Börsenumfelds auf Eis ().

In diesen Tagen können sie gleich zwei Neulinge auf dem Parkett begrüßen: Devil und Zooplus. Allerdings handelt es sich bei Zooplus lediglich um ein Listing. Aber auch die Emission von Devil ist zu klein, als dieser Börsengang das Eis am Aktienmarkt brechen könnte. Denn es ist nicht die Größe, die Anleger auf Devil schauen lässt, sondern die Tatsache, dass es überhaupt jemand zur Zeit wagt, Aktien auf den Markt zu bringen.

Quirin-Bank bringt Devil an den Markt

Die Quirin-Bank wurde beauftragt, die Emission bei den Anlegern zu platzieren, eine Adresse, die im Kapitalmarktgeschäft noch ziemlich unbekannt ist. Die Bank umwirbt Privatanleger mit dem Konzept, Finanzberatung auf Honorarbasis anzubieten und diese nicht durch den Verkauf von Finanzprodukten zu finanzieren.

Ihr Vorstandssprecher ist Karl-Matthäus Schmidt, der börsennahen Privatanlegern noch gut bekannt ist. Schließlich hatte er das Brokerhaus Consors gegründet, eine der Ikonen aus der Zeit der „New Economy“.

Bei maximal 22,5 Millionen Euro liegt das Emissionsvolumen

Bis zu 9 Euro, wenigstens aber 6 Euro, will die Devil AG für einen Anteilsschein erlösen. Der Braunschweiger IT-Großhändler bietet bis zum Mittwoch nach Ostern, dem 14. Mai, 2,5 Millionen neue Aktien zur Zeichnung an, mithin also eine Kapitalerhöhung im Volumen von 15 bis 22,5 Millionen Euro. Zudem stehen 350.000 weitere Aktien aus dem Eigentum eines Altaktionärs im Hinblick auf eine eventuelle Mehrzuteilung (Greenshoe) zur Verfügung.

Bisheriger Eigentümer ist die niederländische Beteiligungsgesellschaft Tulip, die derzeit 85 Prozent der Anteile an Devil hält. Werden die neuen Aktien vollständig platziert und die Greenshoe-Option vollständig ausgeübt, betrüge der Streubesitz nach Notierungsaufnahmen 38 Prozent. Vom 20. Mai an soll die Devil-Aktie im Regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Börse gehandelt werden.

Der Börsenneuling beliefert den Fachhandel

Devil beliefert Elektronik-Fachhändler mit Hard- und Softwareprodukten wie Grafikkarten und Speicherchips, Notebooks oder Druckern unterschiedlicher Anbieter. Den Emissionserlös will das Unternehmen nach eigenen Angaben vor allem zur Finanzierung des weiteren Wachstums einsetzen. Mit seiner Hilfe sollen unter anderem Produktpalette und Kundenbasis erweitert werden. Ferner trägt man sich mit dem Gedanken der Expansion ins europäische Ausland und plant gezielte Akquisitionen.

Mit einer Marktabdeckung von knapp 50 Prozent zählt sich Devil zu den führenden IT-Großhändlern in Deutschland. In dem am 30. Juni 2007 zu Ende gegangenen Geschäftsjahr erzielte die etwa 200 Beschäftigte zählende Gesellschaft rund 322 Millionen Euro Umsatz und einen Betriebsgewinn von 2 Millionen Euro. Das waren nach Unternehmensangeben 6 beziehungsweise 185 Prozent mehr als im Vorjahr.

Hohes KGV bei der Emission

Unter dem Strich bleiben 1,33 Millionen Euro übrig. Umgelegt auf die neue Aktienzahl von 7,5 Millionen Stück beträgt bei der Emission das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis des vergangenen Geschäftsjahres zwischen 34 und 51. Das erscheint zunächst relativ viel, indes liegt das Geschäftsjahr mittlerweile etwas zurück und angesichts der nicht eben üppigen betrieblichen und Nettomarge von 0,6 beziehungsweise 0,4 Prozent scheint hier Potential für eine überproportionale Gewinnsteigerung vorhanden. Auch will die neue Geschäftsleitung, die Ende 2007 die Geschäfte übernommen hat, sich auf margenorientiertes Wachstum konzentrieren.

Im zweiten Halbjahr 2007 betrug das Periodenergebnis 723.000 Euro bei Umsatzerlösen von 177 Millionen Euro. Somit hatte sich die Nettomarge noch nicht wesentlich verbessert, indes hatte die operative Marge immerhin auf 0,8 Prozent zugelegt.

Unternehmensführung ausgetauscht

In den ersten Monaten des laufenden Jahres konnte der Umsatz stabil gehalten werden, auch wenn er im Februar nach hohen Umsätzen im Januar erwartungsgemäß zurückgegangen sei. Dennoch bezeichnete die neue Geschäftsleitung die Ende 2007 die Geschäfte übernommen hat, die Umsatzerwartung von 345 Millionen Euro als ambitioniert.

Andererseits ist dies kein Beinbruch, wenn die Strategie der Margensteigerung der neuen Geschäftsführung verfängt und damit sich die Rendite verbessert. Dann könnte Devil auch zügig in seine Bewertung hineinwachsen. Abzuwarten bleibt indes, wie sich die Konjunktur in Deutschland und damit zusammenhängend die IT-Ausgaben im aktuellen Umfeld leichter Schwächezeichen entwickeln.

Die Anleger jedenfalls scheinen derzeit wenigstens nicht ungnädig zu sein, haben sie doch lange auf eine Chance gewartet. Zum Auftakt der Zeichnungsfrist erreichten die Aktien einen Kurs von rund acht Euro. „Die Umsätze sind aber bislang gering“, sagte ein Händler.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.



Text: mho/pwe
Bildmaterial: dpa

NamePunkteProzent
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TecDax 835,29 -1,32
DowJones 12.745,88 -0,94
Nasdaq 2.445,52 -0,23
STOXX 50 3.801,59 -1,41
Nikkei 225 13.655,34 -2,06
S&P 500 Zert. 13,80 -1,08
Euro/Dollar 1,55 -0,08
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Gold 888,45 +0,38
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