Von Ben Steverman
27. Juni 2008 Wenige Tage vor dem Ende des zweiten Quartals bereitet sich die Wall Street auf die nächste Runde enttäuschender Quartalszahlen vor.
Nach Angaben von Thomson Reuters rechnen Analysten damit, dass die Gewinne für S&P-500-Unternehmen im zweiten Quartal um 10,2 Prozent sinken werden. Angesichts des zunehmenden Pessimismus im Finanzsektor könnte sich dieser Wert allerdings noch verschlechtern. Es wäre das vierte Quartal rückläufiger Gewinne in Folge und die erste Verluststrähne dieser Art seit 2001/2002.
Unbefriedigende Berichtssaison würde zur schlechten Stimmungslage an der Wall Street passen
Die jüngsten Hiobsbotschaften der Großbanken - wie der KeyCorp, die vor einer Verschlechterung der Kreditqualität warnte, und der Fifth Third Bancorp, die ihre Dividende kürzen und eine Kapitalerhöhung um zwei Milliarden Dollar vornehmen musste - vertieften die gedrückte Stimmung, die seit Beginn der Kreditkrise vor fast einem Jahr bei den Finanzwerten herrscht. Und auch einige Großkonzerne außerhalb des Finanzsektors, wie etwa FedEx, stimmten in die Wehklage ein.
Eine weitere unbefriedigende Berichtssaison würde zur Stimmungslage an der Wall Street passen, die durch die Sorgen der Anleger über Kreditmarktturbulenzen, steigende Inflation und den schwachen Häusermarkt geprägt ist. Es steht zu befürchten, dass Amerika vor einer unangenehmen Rezession steht oder gar bereits mitten drin ist.
Lichtblicke
Sieht man sich die Gewinnerwartungen jedoch einmal genauer an, zeigt sich, dass es trotz aller erwarteten Untergangsszenarien auch Lichtblicke gibt. So geht es beispielsweise den Unternehmen außerhalb des Finanzsektors deutlich besser, als man es in Zeiten konjunktureller Abkühlung erwarten würde.
Am 25. Juni meldete der Softwaregigant Oracle für sein viertes Geschäftsquartal einen Gewinn je Aktie von 0,47 Dollar und übertraf damit die Analystenerwartungen um zwei Cent. Der Umsatz stieg von 5,83 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal auf 7,24 Milliarden Dollar. In vielen Sektoren ist ein robustes Wachstum zu beobachten, sagt David Dropsey, Analyst bei Thomson Reuters. Sieht man vom Finanzsektor ab, wird für die S&P-500-Unternehmen eine Gewinnsteigerung von 8,2 Prozent erwartet. Man muss die Welt in Finanz- und Nichtfinanzsektoren aufteilen, so Brian Reynolds, leitender Marktstratege bei der WJB Capital Group.
Entwicklung im Finanzsektor ist schlimmer als erwartet
Zugegeben, der Schaden, den der Finanzsektor durch die Kreditkrise erlitt, ist schlimmer als von den meisten erwartet. Nach Angaben von Thomson Reuters gehen Analysten davon aus, dass die Gewinne im Finanzsektor des S&P-500 gegenüber dem Vorjahr um mehr als die Hälfte sinken werden. Die vergangenen Quartale hätten jedoch gezeigt, wie schwierig es sei, Prognosen über die Gewinnsituation im Finanzsektor abzugeben, so Dropsey weiter. Im zurückliegenden Jahr unterschätzten Analysten in jedem Quartal die Auswirkungen von Kreditschwierigkeiten auf die Gewinne von Banken und anderen Finanzunternehmen.
Die Wall Street erwartet nach wie vor ein Ende oder zumindest eine Verlangsamung der enormen Verluste, Reynolds rechnet jedoch damit, dass die Branchenakteure ihre in diesem Jahr infolge der Kreditschwierigkeiten erlittenen Verluste nicht vor 2009 vollends abgeschrieben haben werden: So etwas zieht sich immer in die Länge.
Ein weiterer Problembereich ist der Sektor dauerhafte Konsumgüter, in dem Gewinnrückgänge um 15 Prozent prognostiziert werden, da die amerikanischen Verbraucher ihre Ausgaben aufgrund der rekordhohen Benzinpreise zurückschrauben.
Erholung bei den Bauunternehmen?
Selbst in diesem Sektor gibt es einen Hoffnungsschimmer. Es wird angenommen, dass ein Großteil der Gewinneinbrüche des vergangenen Jahres von den Automobilherstellern herrührt. Zwar fordert der schwache Häusermarkt noch immer seinen Tribut von den Bauunternehmen, bei ihrer Gewinnsituation wird jedoch gegenüber dem für die Wohnungsbaubranche verheerenden Vorjahr mit einer gewissen Erholung gerechnet.
Blendet man die Sektoren Finanzdienstleistungen und dauerhafte Konsumgüter aus, dann hellt sich die Lage merklich auf. Diese Sektoren ziehen alles nach unten, erklärt William Rutherford, Vorsitzender von Rutherford Investment Management. Dropsey zufolge können sich viele Unternehmen ob der Dollarschwäche glücklich schätzen, die sich positiv auf ihre im Ausland erwirtschafteten Gewinne auswirkt. So erzielt etwa Oracle 51 Prozent seines Umsatzes in Asien, Europa, im Nahen Osten und in Afrika.
Der Energiesektor könnte mit Abstand am stärksten profitieren. Nach Angaben von Thomson Reuters dürften die Gewinne des Sektors im Gefolge der hohen Ölpreise um 23 Prozent steigen. Bei IT-Unternehmen wird mit einer Gewinnsteigerung um 16 Prozent gerechnet. Auch andere Sektoren erwarten leicht verbesserte Quartalsergebnisse, ein Indiz dafür, dass einige Teile der amerikanischen Wirtschaft wacker standhalten.
Hohe Energiekosten dämpfen die Verbraucherausgaben und belasten die Unternehmen
Die Rekordpreise beim Benzin geben jedoch weiterhin Anlass zur Sorge. Hohe Energiekosten dämpfen nicht nur die Verbraucherausgaben, sondern belasten auch die Unternehmensgewinne. Konzerne wie FedEx, United Parcel Service und Carnival warnten kürzlich davor, dass die Treibstoffpreise sich im späteren Jahresverlauf negativ auf die Gewinne auswirken könnten.
Reynolds zufolge werden in der Berichtssaison zum zweiten Quartal die Auswirkungen der Finanzkrise, insbesondere die Turbulenzen an den Kreditmärkten, im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen.
Die Unternehmensgewinne außerhalb des Finanzsektors könnten sich jedoch als guter Test für die Stärke der breiten amerikanischen Wirtschaft erweisen. Am 8. Juli werden die Augen der Anleger daher auf den Aluminiumgiganten Alcoa gerichtet sein, der traditionell die Berichtssaison in den Vereinigten Staaten einläutet.
Ben Steverman ist Reporter für den Business Week Investing Channel.
Text: BusinessWeek Online
Bildmaterial: FAZ.NET
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Allianz | 83,80 € | +5,66% |
| Commerzbank | 7,25 € | +4,24% |
| Dt. Post | 12,32 € | +3,23% |
| Salzgitter | 64,58 € | +2,57% |
| Dt. Boerse | 56,34 € | +2,44% |
| BMW | 33,21 € | +0,42% |
| K+S | 38,88 € | +0,26% |
| FMC | 34,87 € | −0,17% |
| Infineon | 3,22 € | −0,31% |
| SAP | 31,27 € | −0,56% |
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.579,01 | +1,65% |
| TecDAX | 757,84 | +1,07% |
| MDAX | -- | --% |
| SDAX | 3.487,07 | +0,63% |
| REX | -- | --% |
| Eurostoxx 50 | 2.838,04 | +1,57% |
| Dow Jones | 10.023,40 | +0,17% |
| Nasdaq 100 | 1.730,76 | +0,56% |
| S&P500 | 1.069,30 | +0,25% |
| Nikkei225 | 9.808,99 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,4996 | +0,83% |
| Rohöl Brent Crude | 76,89 $ | +0,55% |
| Gold | 1.096,75 $ | +0,71% |
| Bund Future | 120,99 € | +0,12% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
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|---|---|---|---|
Aktien-Index06.11.2009 13:00 |
1315,77 | 1321,61 | 1260,60 |
Performance-Index06.11.2009 17:35 |
291,63 | 292,08 | 274,04 |
Euro-Aktien-Index06.11.2009 17:35 |
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