Aktien-Bilanz 2007

Die deutschen Anleger feiern Heimsiege

Von Stefan Ruhkamp

30. Dezember 2007 Risikostreuung ist, wenn man den Beratern der Banken trauen darf, ein eherner Grundsatz in der professionellen Geldanlage. Die Streuung auf verschiedene Regionen, Anlageklassen und Währungen erlaube auf Dauer höhere Renditen bei vergleichbarem Risiko. Wer diesen Rat zu Beginn des Jahres befolgt hat, wird sich heute allerdings ärgern. Denn die gegen alle Regeln der Lehrbücher verstoßende konsequente Anlage in der Heimat - am besten in Aktien - hat zu besseren Ergebnissen geführt. Die 30 Werte des Deutschen Aktienindex haben bei einer Anlagesumme von 100.000 Euro samt den Dividenden rund 22.000 Euro an Erträgen abgeworfen. Der Dax hat damit im internationalen Vergleich glänzend abgeschnitten.

Wer dagegen auf britische, Schweizer oder amerikanische Aktien vertraut hat, hat in diesem Jahr deutlich geringere Gewinne erzielt, und das auch nur, wenn in Pfund, Franken oder Dollar abgerechnet wird. Spätestens beim Tausch zurück in Euro steht ein dickes Minus unter dem Strich. Von 100.000 Euro, die zu Jahresbeginn in japanische Aktien investiert wurden, sind heute zum Beispiel nur noch etwa 86.000 Euro übrig. Ursache für die überwiegend dürftige Wertentwicklung in der Fremde ist die starke Aufwertung des Euro. Gegenüber dem Dollar hat der Euro gut 10 Prozent zugelegt. Zu Jahresbeginn ließen sich 100.000 Euro gegen rund 131.000 Dollar tauschen. Wer diese Summe wieder in heimische Währung zurücktauschen will, bekommt nur 90.000 Euro.

Der slowenische Aktienmarkt - ein großer Gewinner des Jahres

Doch es gab für die Euro-Anleger dennoch einige wenige geglückte Auswärtsspiele. So haben sich zum Beispiel Anleihen in türkischer Lira glänzend entwickelt. Hier lief alles zugunsten der Investoren. Die Lira hat gegen den allgemeinen Trend in der Relation zum Euro aufgewertet, die Zinsen sind zugleich in der Türkei für neue Anleihen gefallen, was bei schon emittierten Anleihen zu Kursgewinnen führt, und obendrein gab es die hohen Kuponzahlungen von 10 bis 15 Prozent. Insgesamt führt das zu Gewinnen von 26 Prozent vor Steuern aus Sicht eines Anlegers, der in Euro rechnet.

Die Spekulation auf Gold litt zwar unter dem starken Euro. Doch der Preisanstieg des in Dollar gehandelten Edelmetalls war wie im Vorjahr so groß, dass die Währungsverluste mehr als ausgeglichen wurden. Für 100.000 Euro konnte man vor einem Jahr 208 Feinunzen Gold kaufen. Die gut sechs Kilo wären heute rund 118.000 Euro wert. Auch bei chinesischen und brasilianischen Aktien waren die Kursgewinne so hoch, dass die Währungen eine untergeordnete Rolle spielten.

Zu den größten Gewinnern des Jahres zählte der slowenische Aktienmarkt, der rund 80 Prozent an Wert zulegte. Für die meisten Anleger sind das jedoch exotische Anlagen, die kaum zugänglich sind. Sie sind auf die etablierten und ungleich größeren Aktienmärkte in Europa, Japan und Amerika angewiesen. Für Anleger, die keine übermäßigen Risiken eingehen können, sind die etablierten Anleihemärkte noch wichtiger. Und auch auf ihnen war das Geschäft in diesem Jahr schwierig.

Amerika: Anleihekurse entwickeln sich deutlich besser

Lange Zeit sah es danach aus, dass selbst die Konzentration auf heimische Titel zu Verlusten führen würde. Der Zins für die Neuanlage mit zehnjähriger Bindung stieg im Sommer auf bis zu 4,7 Prozent. Das waren 0,8 Prozent mehr als zu Beginn des Jahres. Wäre es dabei geblieben, hätten Bundesanleihen Verluste abgeworfen. Wegen der Finanzkrise sank allerdings das langfristige Zinsniveau wieder und liegt nun bei rund 4,3 Prozent, so dass sich die Kursverluste der Euro-Anleihen verminderten. Rechnet man die Zinseinnahmen des Jahres mit den Kurseinbußen auf, bleibt für deutsche Staatsanleihen mit durchschnittlicher Laufzeit ein kleines Plus von etwa 2,5 Prozent. In Amerika haben sich die Anleihekurse deutlich besser entwickelt, weil die Zinsen dort gefallen sind. Doch für Euro-Anleger überwiegt der Währungseffekt, so dass für Dollar-Titel am Ende im Jahresvergleich ein Verlust steht.

Sollten Anleger also lieber das ganze Geld auf deutsche Aktien setzen? Das sollte sicher nicht die Lehre aus dem insgesamt durchwachsenen Anlagejahr sein. Der Rat der Banken, das Risiko zu streuen, bleibt richtig. Wohl dem, der in jede Anlageklasse und Währung 100.000 Euro stecken kann. Wer weniger hat, muss aber nicht auf Streuung verzichten. Auf lange Sicht wird es sich auszahlen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

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