Strategie

Das „Bunny-Portfolio“ schlägt den Markt

Von John Dorfman, Bloomberg News

17. Dezember 2003 Mit einer Rendite in Höhe von 76 Prozent hat das „Bunny-Portfolio“ nun das vierte Jahr in Folge erfolgreich abgeschlossen.

Das nach dem Werbemaskottchen für Energizer-Batterien benannte Portfolio investiert in Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von wenigstens 250 Millionen Dollar, einem Ertragswachstum von mindestens 25 Prozent in den vergangenen fünf Jahren, sowie einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von zwölf oder weniger.

Um den Kreis auf zehn Titel einzuengen, entscheide ich mich jeweils zur Hälfte für Unternehmen mit dem schnellsten historischen Ertragswachstum und solche mit dem niedrigsten KGV. Bunny-Aktien sind deshalb so günstig bewertet, weil Anleger daran zweifeln, ob sie ihre hohe historische Wachstumsrate aufrechterhalten können. Nach meinem Dafürhalten werden jedoch nicht wenige dieser Unternehmen noch Stärke beweisen, lange nachdem die Kritiker sie eigentlich für „tot“ erklärt haben.

Ich lege das Portfolio jeden Dezember neu auf. Auf Basis einer einjährigen Buy-and-Hold-Strategie haben die vier bisherigen Bunny-Portfolios Renditen in Höhe von 20 Prozent, zehn Prozent, 36 Prozent und 76 Prozent erzielt. In den gleichen vier Zeiträumen von jeweils grob einem Jahr verzeichnete der Standard & Poor's 500 Index einen Verlust in Höhe von 2,3 Prozent, 14 Prozent und 15 Prozent und ein Plus von 19 Prozent.

Kumulative Rendite von 218 Prozent

Kumulativ betrachtet liegt die Rendite des Bunny-Portfolios bei 218 Prozent inklusive Dividenden, während der S&P 500 ein Minus in Höhe von 15 Prozent hinnehmen musste. Das Bunny-Portfolio war ursprünglich als rein theoretische Übung gedacht. Mittlerweile leite ich davon jedoch regelmäßig entsprechende Anlageideen für meine Kunden ab. Ein Kunde hat sogar ein Konto einzig und allein für sein Engagement in Bunny-Werten eingerichtet.

Im Anlagezeitraum 2002 bis 2003 trugen Dynegy, Flagstar Bancorp und Standard-Pacific 253 Prozent, 155 Prozent und 93 Prozent zur Portfolioperformance bei. Einziger Verlierer unter den zehn „Auserwählten“ war Oshkosh B'Gosh., ein Hersteller von Kinderbekleidung. Natürlich war das einer der Titel, in die ich selbst investiert bin.

Welche Unternehmen machen im nächsten Bunny-Jahr das Rennen?

Zu den fünf Bunny-Werten mit den schnellsten Ertragswachstumsraten der vergangenen fünf Jahre gehören Eastman Kodak, Nautilus Group, Sanderson Farms, NVR und Ryland Group. Die fünf mit dem niedrigsten KGV sind Freddie Mac, Stewart Information Services, Fidelity National Financial, Flagstar Bancorp und InVision Technologies.

Kodak auch digital erfolgreich

Das in Rochester (Bundesstaat New York) ansässige Fotounternehmen Kodak weist ein ungewöhnlich kräftiges Fünf-Jahres-Wachstum auf - hauptsächlich deshalb, weil es im für die Berechnung geltenden Basisjahr 1997 nur fünf Millionen Dollar erwirtschaftet hatte. Nichtsdestotrotz ist Kodak mit von der Partie, und ehrlich gesagt bin ich froh darüber.

Meines Erachtens wird Kodak im Bereich der Digitalphotographie ganz anständige Ergebnisse erzielen können und damit die Skeptiker positiv überraschen, auch wenn die Filmphotographie längst im Aussterben begriffen ist. Für einige meiner Kunde habe ich Call-Optionen auf dieses Unternehmen erworben.

Die in Vancouver angesiedelte Nautilus Group produziert Fitnessgeräte, die unter Namen wie Nautilus, Bowflex, Schwinn und Stairmaster in den Handel gelangen. Bis zu diesem Sommer habe ich die Aktie noch besessen; wegen Verlusten und enttäuschender Gewinnzahlen trennte ich mich dann jedoch davon. Als Hauptproblem sehe ich den enormen Preiswettbewerb im Bereich Heim-Trainingsgeräte.

Sanderson Farms mit Sitz in Laurel, Mississippi, produziert und verarbeitet Hühnerfleisch. Diese Aktie zählte für einige Monate ebenfalls zu meinem Bestand. Sie notiert nach wie vor nur mit einem KGV von neun und einem KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis) von 0,53, obwohl sie mit 72 Prozent in diesem Jahr kräftig zulegen konnte.

NVR und Ryland profitierten vom Bauboom

NVR und Ryland sind beides Hausbauunternehmen. Die meisten Anleger sind davon überzeugt, daß der Boom im Hausbausektor nicht länger anhalten wird. Entsprechend werden NVR und Ryland nur mit einem KGV von elf und zehn gehandelt. Steigende Zinsen könnten zu einer Verzögerung bei den Neubaubeginnen und einem entsprechenden Kurzsturz dieser Aktien im nächsten Jahr führen.

Genau dies hatten die Anleger allerdings schon für 2003 befürchtet, und doch verzeichneten NVR und Ryland mit einem Plus von 49 Prozent und 160 Prozent ein großartiges Jahr. Ich besitze Aktien von Ryland für einige meiner Kunden, bin mir aber nicht sicher, ob ich sie noch länger halten werde.

Freddie Mac mit hohem Engagement in Derivaten

Der jährliche Gesamtertragszuwachs des Hypothekenfinanzierers Freddie Mac belief sich die vergangenen fünf Jahre auf 48 Prozent - und doch notiert er nur mit einem KGV von vier auf Basis des Gewinns der vergangenen vier Quartale.

Trotz dieser glänzenden Statistiken habe ich in diesem Titel eine Short-Position aufgebaut, weil er meiner Ansicht nach einen Kursrückgang erleiden wird. Um sich gegen das Risiko steigender Zinsen abzusichern, hat sich Freddie Mac entsprechend stark im Derivate-Geschäft engagiert. Der Bestand an solchen Positionen schlug per Dezember 2002 mit einem Gesamtwert in Höhe von 867 Millionen Dollar zu Buche. Dieses große Engagement bereitet mir Sorgen.

Sinkende Nachfrage nach Rechtsversicherungen

Stewart Information Services und Fidelity National sind beides Rechtstitelversicherer. Mehr als ein Jahr lang zählten die Aktien dieser Branche zu meinen Favoriten, und ich konnte gutes Geld mit ihnen verdienen. Vergangene Woche habe ich mich dann allerdings von meinem Bestand getrennt.

Branchenschätzungen zufolge wird das Volumen im Hypothekenrefinanzierungsgeschäft im Zuge steigender Zinsen 2004 um circa 75 Prozent zurückgehen. Die Zahl der Hausverkäufe könnte dabei ebenfalls entsprechend sinken. Jedes dieser Ereignisse würde unweigerlich zu einer schwindenden Nachfrage nach Rechtstitelversicherungen führen.

Die Flagstar Bancorp ist ebenfalls stark im Hypothekengeschäft engagiert. Sie ist demnach vielen Gefahren der gleichen Art ausgesetzt.

InVision profitiert vom amerikanischen Sicherheitsbedürfnis

InVision stellt Gepäcküberprüfungsgeräte für Flughäfen her. Das Unternehmen mit Sitz in Newark, Kalifornien, konnte 2002 sehr stark von der Anordnung der amerikanischen Regierung profitieren, wonach alle Flughäfen solche Geräte installieren mussten.

In diesem Jahr rechnen Analysten mit einem Gewinnrückgang von 4,40 Dollar im Vorjahr auf 3,27 Dollar je Aktie. Für 2004 gehen sie sogar von nur mehr circa 1,72 Dollar je Aktie aus. Meiner Vermutung nach handelt es sich hierbei um einen dieser seltenen Fälle, in denen sich die Analysten einfach zu konservativ verhalten. Ich besitze selbst die Aktie, die nach neuesten Gewinnzahlen mit einem KGV von sechs und einem KUV von 0,98 gehandelt wird.

Das Bunny-Portfolio wird in dem bevorstehenden Zeitraum 2003 bis 2004 sehr wahrscheinlich weniger gut abschneiden als in den beiden vorangegangenen Jahren. Nichtsdestotrotz bin ich der Auffassung, daß es eine faire Chance hat, den S&P 500 zum fünften Mal in ununterbrochener Folge zu übertrumpfen. Keine Frage - ich drücke dem Häschen die Daumen. Irgendjemand, der Karotten zum Anfeuern möchte?

Text: Bloomberg

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