Spirituosen

Aktie von Pernod Ricard hat Auftrieb

Pierre Pringuet, Chef von Pernod Ricard

Pierre Pringuet, Chef von Pernod Ricard

03. August 2006 Die Aktie des französischen Getränke- und Spirituosenunternehmens Pernod Ricard ist ein Phänomen. Denn unbenommen zwischenzeitlicher Turbulenzen tendiert sie schon seit Jahren nach oben und erreichte noch am Mittwoch mit einem Kurs von 166,6 Euro ein neues Allzeithoch.

Das dürfte mit Blick auf die fundamentale Entwicklung kaum überraschen. Denn das Unternehmen kann schon seit Jahren Umsatz und Gewinn zumindest im Trend steigern. Trotz zum Teil größerer Übernahmen - im vergangenen Jahr wurde Allied Domecq für etwas mehr als zehn Milliarden Euro erworben - zeigte in den vergangenen Jahren insbesondere die Gewinnentwicklung eine Eigendynamik nach oben.

Zuwächse bei Umsatz und Gewinn

Marken von Pernod Ricard

Marken von Pernod Ricard

Das Unternehmen legte vor kurzem die Zahlen für das vierte Quartal und vorläufige Zahlen für das im Juni geendete Geschäftsjahr 2005/06 vor. Und die können sich sehen lassen. Aufgrund der Übernahmen legte der Umsatz im Vergleich mit dem Vorjahr um 68 Prozent auf 6,066 Milliarden Euro zu. Das organische Wachstum lag immerhin bei 4,3 Prozent im Gesamtjahr und bei 5,1 Prozent im vierten Quartal. Es werde durch das Geschäft mit Spirituosen getrieben, ließ das Unternehmen verlauten.

Nicht nur die Umsätze entwickelten sich überraschend stark, sondern auch die Gewinnentwicklung scheint positiv zu verlaufen. So seien die Integrationskosten von Allied Domecq geringer als erwartet ausgefallen, Synergien seien zügiger als erwartet realisiert worden und auch die Verkäufe von Unternehmensteilen hätten zu unerwartet guten Ergebnissen geführt. Aus diesem Grund habe man nicht nur die Verschuldung um 3,6 auf 6,3 Milliarden Euro reduzieren können, sondern der Gewinn je Aktie werde mit 7,8 bis acht Euro höher als zuvor erwartet ausfallen.

Pernod Ricard setzt erfolgreich auf die bekannten, höherpreisigen Marken. So habe das Verkaufsvolumen der zwölf bekanntesten Marken um zwei Prozent gesteigert werden können, während der erzielte Umsatz um sieben Prozent zulegte. Das Umsatzvolumen bei Chivas legte um elf Prozent zu, der Umsatz um 14 Prozent. Bei Martell betrugen die entsprechenden Zahlen elf und 21 Prozent, bei Jameson zwölf und 15 Prozent und bei The Glinvet zehn und 15 Prozent.

Das Unternehmen berichtete von starkem Wachstum in Asien, insbesondere in China und dem damit verbundenen Umland, in Indien und nicht zuletzt im Duty Free Geschäft. In Japan erhole sich das Geschäft, während es in Thailand aufgrund von Steuererhöhungen zu einem Rückschlag kam. Im vierten Quartal lag das organische Wachstum in Asien und dem „Rest der Welt“ bei 11,5 Prozent. Deutliche organische Umsatzzuwächse gab es auch in Amerika, während das Geschäft in Europa, vor allem aber auch in Frankreich selbst eher verhalten verlief.

Höherpreisige Marken lassen die Gewinne sprudeln

Zu den Marken des Unternehmens gehören Namen wie Chivas Regal, Martell, Havana Club, Jameson und The Glenlivet, die Umsatzzuwächse zwischen sieben und 23 Prozent verbuchen konnten. Die Allied-Marken, die seit zwei Monaten buchungstechnisch berücksichtigt sind, trugen 459 Millionen Euro oder rund ein Drittel zum Umsatz bei. Firmenchef Patrick Ricard zeigte sich für das Gesamtjahr zuversichtlich und verwies dabei auf die gute Integration der Allied-Marken sowie das anhaltend starke Wachstum der traditionellen Marken von Pernod.

Marke von Pernod Ricard

Marke von Pernod Ricard

Wie viele andere Unternehmen auch, kann Pernod vor allem auch in Asien wachsen. Hier betrug das Umsatzwachstum im vergangenen Quartal 60,5 Prozent auf 387,8 Millionen Euro. Davon waren zwölf Prozent organisch. Dazu trugen Märkte wie Südkorea, Neuseeland, aber auch in China, Hongkong, Singapur und nicht zuletzt Indien bei. Auf der andere Seite gab es gewisse Rückgänge in Thailand und Taiwan.

Das Unternehmen geht davon aus, auch im gerade begonnenen Geschäftsjahr deutlich wachsen zu können. Angesichts der Performance in den vergangenen Monaten dürften solche Prognosen realistisch sein. Allerdings ist das Wachstum auch dringend nötig. Denn die Aktie hat mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 20,7 und 16,5 auf Basis der Gewinnschätzungen für das jüngst abgelaufene und das gerade begonnene Geschäftsjahr schon einiges vorweggenommen. In diesem Sinne können Absicherungsstrategien sicherlich nicht schaden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, Pernod Ricard

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