Finanzkrise

Wilde Spekulation auf einen Kollaps von HBOS

19. März 2008 Die Aktien der britischen Bank HBOS sind am Mittwoch nach Gerüchten zu möglichen finanziellen Schwierigkeiten um bis zu 15 Prozent eingebrochen. Zeitweise erreichte der Kurs damit 400 Pence. Verglichen mit den Kursen im vergangenen Jahr ist das ein Absturz von mehr als 60 Prozent.

Die amerikanische Bank J.P.Morgan (JPM) bezeichnet HBOS in Europa als eine der am stärksten bedrohten Banken. Zwar habe HBOS Liquiditätsprobleme dementiert, doch befänden sich die britischen Banken insgesamt in einer Phase des „Abstreitens“. Die Kapitalknappheit der britischen Banken habe sich seit der Bekanntgabe der Gesamtjahreszahlen deutlich verschlechtert.

Blickt man allein auf den Chart, dann sieht dieser in jeder Hinsicht dramatisch aus. Die Aktie dürfte nun bald sogar nachhaltig unter die Tiefstkurse vor acht Jahren fallen. Das wäre ein neuer Höhepunkt eines ohnehin schon dramatischen Kursverfalls.

Kurzfristig Ruhe - vor dem nächsten Sturm? Der Intraday-Chart Drei Monate - immer weiter nach unten Sechs Monate - ein sauberer Abwärtstrend Ein Jahr - ein Absturz in drei Wellen Die tiefsten Kurse seit mehr als fünf Jahren. Das ist ungewöhnlich schlecht. Nach unten hat der Kurs nun überhaupt keinen Halt mehr. Selbst die Tiefstkurs...

Der Kurs geht steil nach unten

Die Trends weisen eindeutig nach unten. Und wenn das Institut nicht schnell mit belastbaren Zahlen an die Öffentlichkeit kommt, dürfte der Kursverfall auch noch weitergehen. Solche Aktionen wie heute sind in jedem Fall nicht beliebig wiederholbar. Sie dürften im Gegenteil künftig eher als ein Signal der Schwäche gewertet werden.

Das Institut aus Edinburgh wies die Spekulationen der Märkte am Mittwoch in scharfer Form zurück. Allerdings äußerte sich nicht der Vorstandschef, sondern dieser schickte bloß einen Sprecher vor, um die Gerüchte über Liquiditätsschwierigkeiten der Bank zu dementieren.

HBOS dementiert Börsengerüchte heftig

„Das ist kompletter und völliger Unsinn“, sagte Unternehmenssprecher Shane O'Riordain. „Als größte Institution für Spareinlagen haben wir jederzeit Zugang zu Kleinkundeneinlagen. Zudem haben wir Zugang zu Geschäftskunden, wann immer das nötig ist.“ HBOS sei eines der größten Finanzinstitute der Welt. „Wir haben 660 Milliarden Pfund in unserer Bilanz“, so O'Riordain.

Händler sagten dagegen, in dem angespannten Markt seien Gerüchte kursiert, wonach die Bank sich in finanziellen Schwierigkeiten befinde. In dieser Woche hat es bei der Bank of England eine starke Nachfrage nach Krediten gegeben. Das Gerücht, die schottische Bank habe sich bei der britischen Notenbank (Bank of England, BoE) frisches Geld besorgen wollen, hatte die Aktie am Morgen zeitweise um 17 Prozent einbrechen lassen.

„Die Unsicherheit ist wieder hoch“

Obwohl die Bank die Spekulationen zurückwies, erholte sich der Kurs nicht wesentlich. Händler verwiesen darauf, dass die Spekulationen die Nervosität um die negativen Auswirkungen der Finanzkrise wieder entfacht hätten. „Die Unsicherheit ist wieder hoch“, sagte ein Börsianer. „Jede schlechte Nachricht wird aufgebauscht, wenn die Märkte so stark fallen, und jeder springt auf das Trittbrett auf“, sagte CMC-Markanalyst James Hughes.

Die Experten der Societe Generale (SocGen) vertreten bei HBOS die Ansicht, dass der Markt den Gegenwind für die Bank einpreise. HBOS sei relativ hoch in riskante Vermögenswerte investiert. Die Erstquartalszahlen der großen amerikanischen Banken und der Zusammenbruch von Bear Stearns dürften in dieser Woche auf dem britischen Bankensektor lasten.

Kurzfristig werde der Aktienkurs vom anhaltenden Fluss negativer Schlagzeilen über den Zustand der britischen oder der amerikanischen Konjunktur sowie über den globalen Finanzmarkt belastet. Bis zur Hauptversammlung am 29. April dürfte HBOS keine Andeutungen über Abschreibungen im ersten Halbjahr 2008 machen.

Wer ist HBOS?

Die HBOS ist eine weltweit agierende Geschäftsbank. Mit der Bank of Scotland hat sie ihren Schwerpunkt in Schottland und Irland, ist aber keine Zentralbank. Zusammen mit der Royal Bank of Scotland (Edinburgh) und der Clydesdale Bank (Glasgow) besitzt sie jedoch das ihr historisch zustehende Privileg der Banknotenausgabe. Die Banken müssen sich dabei an die Vorgaben der Bank of England halten.

Die HBOS-Gruppe ist 2001 aus dem Zusammenschluss der Halifax und der Bank of Scotland entstanden ist. Sie verwaltet nach eigenen Angaben Vermögenswerte von über 868 Milliarden Euro.

Unter den finanzstärksten Banken der Welt rangiert HBOS eigenen Angaben zufolge an 12. Stelle, betreut werden international über 22 Millionen Kunden. Mit über 74 .000 Mitarbeitern weltweit will das Institut sicherstellen, dass die Zufriedenheit von Kunden und Partnern stetig gesichert bleibt. An der Börse zählt HBOS zu den 50 größten europäischen Aktiengesellschaften und ist seit September 2002 im DJ Stoxx50 gelistet. In Deutschland gehört die Heidelberger Leben zum Konzern.

Gedämpfte Erwartungen: Was HBOS Ende Februar 2008 erklärte

Die Unsicherheit an den Finanzmärkten werde sich fortsetzen, prognostizierte der Vorstandsvorsitzende Andy Hornby bei der Vorlage der Bilanz in Edinburgh. Die viertgrößte britische Geschäftsbank schrieb im Zusammenhang mit der amerikanischen Hypothekenkrise für das vergangene Jahr insgesamt 227 Millionen Pfund ab. Für 2008 stellte Hornby niedrigere Belastungen in Aussicht.

„Wir sind trotz des schwierigen Umfelds strategisch gut aufgestellt, um unsere Geschäftschancen zu nutzen“, sagte Hornby. Seine Zuversicht gründet er auf die führende Position der HBOS im heimischen Immobilien-Geschäft sowie internen Sparerfolgen. Durch straffe Arbeitsabläufe im Vertrieb und durch den Abbau von Personalkosten habe sich der Verwaltungsaufwand verringert. Gleichzeitig verbesserte sich das Ergebnis vor Steuern um 3 Prozent auf 5,7 Milliarden Pfund, verfehlte aber die Prognosen der Fondsmanager. Enttäuscht reagierten Investoren zudem auf die Nachricht, dass die Netto-Zinsmarge von 172 auf 163 Basispunkte gesunken sei. Diese Kennzahl errechnet sich durch die Spanne zwischen dem für Spareinlagen und Anleihen gezahlten und dem von Kreditnehmern geforderten Zins.

Für den britischen Immobilienmarkt sagte Hornby bescheidene Zuwachsraten voraus, von einem massiven Preisverfall könne aber keine Rede sein. Das Hypotheken-Volumen in Großbritannien werde sich von 80 auf 90 Milliarden Pfund vergrößern. Branchenführer Halifax, der seit Jahren rund 20 Prozent des nationalen Geschäftes bestreitet, werde dabei seine Position behaupten.

Bei der Kreditvergabe registrierte HBOS im Berichtszeitraum einen Zuwachs von 14 Prozent auf 430 Milliarden Pfund. Während das Privatkunden-Geschäft um 7 Prozent zulegte, stiegen die Firmenkredite um 22 Prozent. Das stärkste Kreditwachstum wies das internationale Geschäft mit 38 Prozent vor, wobei die ausländischen Tochtergesellschaften ihren Gewinnbeitrag um 23 Prozent auf 757 Millionen Pfund steigerten. Nun sind Zukäufe in Asien im Gespräch, um dieses Geschäft zu stärken.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.



Text: @stt
Bildmaterial: F.A.Z., REUTERS

 
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