Finanzkrise

Panik an den Börsen der Welt

Kein Schwein mehr mit dem Dax: Eine Börsenhändlerin in Frankfurt räsoniert üb...

Kein Schwein mehr mit dem Dax: Eine Börsenhändlerin in Frankfurt räsoniert über die Kursentwicklung

06. Oktober 2008 Trotz aller fieberhaften Rettungsbemühungen ist es am Montag zu dramatischen Kursstürzen an den Börsen in aller Welt gekommen. Der Aktienindex Dax schloss mit einem Minus von 7,07 Prozent bei 5387,01 Punkten und damit auf dem tiefsten Stand seit Juli 2006. Zeitweise war er bis auf 5292 Zähler gefallen. Die Krise um den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) ließ den Dax schon am Vormittag mehr als 5 Prozent einbrechen; bis zum Abend verstärkten sich die Verluste. Der MDax verlor 8,66 Prozent auf 6131,59 Punkte und notierte damit sogar auf dem tiefsten Stand seit Mitte 2005. Der TecDax fiel um 11,27 Prozent auf 604,17 Zähler und markierte damit ebenfalls ein Zweijahrestief.

Der weltweite Börsen-Leitindex Dow Jones verlor zeitweilig mehr als 800 Punkte - so viel wie nie zuvor an einem einzigen Tag. Der Dow Jones Industrial sackte unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten und schloss mit minus 3,58 Prozent auf 9955,50 Zähler auf dem tiefsten Stand seit dem 29. Oktober 2004. Damit machte er in der letzten Handelsstunde einen Teil seiner Verluste wieder wett.

Auch Nasdaq und Nikkei fallen

Auch andere Börsenbarometer zeigten drastische Verluste: Der breiter gefasste S&P-500-Index schloss 3,8 Prozent tiefer bei 1057 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 4,3 Prozent und ging mit 1862 Punkten aus dem Handel.

Der japanische Leitindex Nikkei fiel mit einem Minus von mehr als 4 Prozent auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren. In Brasilien lösten die Turbulenzen eine Börsen-Panik aus. Die schlechte Stimmung wurde von Börsianern mit der weiterhin angespannten Lage bei den Banken und Sorgen vor weiteren Belastungen im Rahmen der Finanzkrise begründet.

Händler fürchten Auswirkungen für Realwirtschaft

Händler fürchteten, dass die anhaltende Finanzkrise auch die reale Wirtschaft immer stärker belastet. Der sinkende Ölpreis sei ein Zeichen für das Abkühlen der Weltwirtschaft. Die negative Grundstimmung überwog gegenüber guten Nachrichten von der amerikanischen Notenbank.

Die Fed hatte vor Börsenbeginn eine Reihe zusätzlicher Maßnahmen angekündigt, um die Liquiditätsversorgung der kriselnden Geld- und Kreditmärkte sicherzustellen. Unter anderem weitet die amerikanische Notenbank ihre Dollarauktionen auf 150 Milliarden Dollar aus und zahlt den Banken künftig 1,9 Prozent Zinsen auf die bei ihr hinterlegten Mindestreserven. Vor allem die Aktien der Finanzbranche stürzten ab und rissen auch andere Titel mit.

Banktitel verlieren stark - Volkswagen-Aktie legt zu

In Deutschland verloren allen voran die Titel der Hypo Real Estate (HRE) 37,42 Prozent auf 4,70 Euro. In der Nacht zum Montag hatten sich Regierung und Finanzwirtschaft nach zähem Ringen auf ein neues Rettungspaket für den Immobilienfinanzierer geeingt. Dieses umfasst insgesamt 50 Milliarden Euro (siehe dazu auch: Einigung über Rettungspaket für Hypo Real Estate). Das neu geschnürte Rettungspaket brachte aber nur wenig Entspannung für den Kurs. Erst am Samstag war das vor einer Woche ausgehandelte erste Hilfspaket für die HRE-Gruppe überraschend geplatzt, weil die Banken ihre Kreditzusagen wieder zurückgezogen hatten. Die Liquiditätslücke bis 2009 war weit größer als der zunächst angenommene Kreditbedarf von rund 35 Milliarden Euro. „Ein Desaster“, kommentierte ein Börsianer mit Blick auf offensichtliche Fehleinschätzungen des Finanzierungsbedarfs. „Es bleibt offen, ob das Volumen des Rettungspakets diesmal ausreicht.“

Aktien der Commerzbank fielen um 16,08 Prozent auf 11,90 Euro. Gerüchten zufolge muss die Commerzbank Vermögensgegenstände der Allianz-Tochter Dresdner Bank neu bewerten, um zusätzliche Risiken im Zuge der Finanzmarktkrise zu berücksichtigen. Laut einem Börsianer könnte dies Befürchtungen wieder aufleben lassen, wonach die Fusion zwischen Commerzbank und Dresdner Bank platzen könnte. Ebenfalls zu den Verlierern gehörten Aktien der Allianz, der Deutschen Bank und der Postbank.

Im Plus: Volkswagen und Fresenius Medical Care

Auch Stahlwerte verloren im ohnehin schwachen Marktumfeld überdurchschnittlich. ThyssenKrupp sackten um 11,70 Prozent ab, Klöckner & Co verloren 14,66 Prozent und Salzgitter gaben 16,91 Prozent nach. Börsianer verwiesen auf anhaltende Sorgen, dass der Stahlzyklus seinen Höhepunkt bereits erreicht hat. Einen entsprechenden Tenor hätten auch Studien der UBS. Nur zwei Werte im Dax konnten heute zulegen: Volkswagen und Fresenius Medical Care.

Im Sog der Finanzkrise und schlechter Vorgaben aus Übersee brachen die Aktienkurse auch im übrigen Europa ein. Der Euro Stoxx 50 schloss bei 2.872,38 Punkten und hatte damit 241,44 Punkte verloren.

Asiatische Börsen brachen ein

In Tokio brach der Nikkei-Index um 4,25 Prozent ein: Das Börsenbarometer verlor 465,05 Punkte und schloss mit 10.473,09 Punkten auf dem niedrigsten Stand seit mehr als vier Jahren. Ausschlaggebend war dafür laut Beobachtern die Besorgnis, dass nach der Verabschiedung des 700-Milliarden-Dollar-Rettungspakets im amerikanischen Kongress am Freitag die Krise nun auf Europa übergreift.

In Hongkong sank der Hang-Seng-Index um 3,7 Prozent auf 17.198 Punkte. Auch die Börsen auf dem chinesischen Festland, in Australien, Südkorea, Singapur und Thailand tendierten deutlich schwächer. Der wichtigste indonesische Index stürzte um mehr als fünf Prozent ab.

Ölpreis fällt

Auch der Ölpreis geriet am Montag stark unter Druck. Rezessionsängste ließen ihn zum ersten Mal seit Februar unter die Marke von 90 Dollar fallen. Ein Barrel (159 Liter) texanisches Leichtöl kostete im Tief 88,89 Dollar. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent sank um gut 4 Dollar auf 86 Dollar. Die Befürchtung, dass die Rohstoffnachfrage in der Welt stark abnehmen werde, wurde von Äußerungen des Chefs des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, befeuert. „Die Krise hat starke indirekte Folgen, das Wachstum wird sich in vielen Ländern verlangsamen“, sagte Strauss-Kahn in Paris.

Merkel kündigt Regierungserklärung zur Finanzkrise an

Vor dem Hintergrund der zugespitzten Finanzkrise sind die obersten Kassenhüter des Euro-Raums am Montag in Luxemburg zusammengekommen, um über eine europäische Zusammenarbeit und die Einlagensicherung zu sprechen. Bundeskanzlerin Angela Merkel will am Dienstag im Bundestag eine Regierungserklärung zur Finanzkrise abgeben.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, F.A.Z.

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