Gastkommentar

Aktien von Diebold, Kronos und Palm in Bewegung

Von John Dorfman, Dorfman Investments/Bloomberg

“Wahlautomat“ von Diebold

"Wahlautomat" von Diebold

30. September 2005 Wie bereits ihre sehr viel wilder wütende Schwester Katrina konnte auch Rita den amerikanischen Aktienmarkt nicht so wirklich umhauen. Der Standard & Poor's 500-Aktienindex verlor in den sechs Handelstagen bis zum 28. September gerade einmal 0,3 Prozent.

Bei einzelnen Aktientiteln hat es in jüngster Zeit dagegen sehr viel Bewegung gegeben, aber das meiste hatte nichts mit den beiden Hurrikans zu tun. Im Folgenden berichte ich über die stärksten Kursbewegungen bei amerikanischen Aktientiteln mit einem Börsenwert von mindestens einer Milliarde Dollar.

Aktie von Diebold nach Kursverlusten wieder interessant

Am meisten interessiert mich der Kurssturz von Diebold, einem Hersteller von Geldautomaten und anderen Selbstbedienungsmaschinen. Die Aktie ist von 48 Dollar Anfang September auf einen Kurs von unter 34,51 Dollar gefallen. Ich habe die Diebold-Aktie in der Vergangenheit in meinem Portfolio gehabt und den Titel dann verkauft, als der Kurs nach meiner Einschätzung sein Hoch erreicht hatte. Jetzt, da er seit seinem Hochstand um 22 Dollar gefallen ist, bin ich wieder an Diebold interessiert. Der Kurssturz erfolgte, nachdem das Unternehmen seine Gewinnprognose verringerte und gleichzeitig mitteilte, daß der leitende Geschäftsführer Diebold verlassen habe. Laut Unternehmensangaben dürfte für das Geschäftsjahr 2005 der Gewinn je Aktie bei etwa zwei Dollar liegen. Die Analysten hatten mit etwa 2,53 Dollar gerechnet.

Meiner Ansicht nach kann die für eine elektronische Identifizierung verwendete Technologie noch für sehr viel mehr als nur zum Geld abheben außerhalb der Öffnungszeiten von Banken genutzt werden. Sie könnte beispielsweise eine gute Lösung gegen den Stimmbetrug bei Wahlen bieten. Für die Zukunft kann ich mir außerdem sogar vorstellen, wie ein Apotheker die Medikamente einfach in einen Automaten legt, der sie dann an den entsprechenden Kunden ausgibt, sobald sich dieser identifiziert hat.

Die Bewertungen der Diebold-Aktie sind in meinen Augen recht attraktiv: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt 13, das Kurs-Buch-Verhältnis (Anlagevermögen minus Verschuldung je Aktie) liegt bei zwei und das Kurs-Umsatz-Verhältnis ist eins. Die Aktie bietet zudem eine Dividendenrendite in Höhe von 2,4 Prozent.

Übernahmephantasien bei kleineren Unternehmen im Verteidigungsbereich

Engineered Support Systems stellt Frontlader für Militärfahrzeuge zur Verfügung und bietet zudem Logistikdienstleistungen für Soldaten an. Nachdem das Unternehmen ein Übernahmeangebot von DRS Technologies aus Parsippany in New Jersey erhalten hat, ist der Kurs dieses Titels von 34 Dollar Mitte September auf 41,05 Dollar gestiegen. Jetzt ist es natürlich zu spät, um mit Engineered Supported Systems leichtes Geld zu verdienen. Aber ich hoffe dennoch darauf, daß größere Dienstleister im Verteidigungssektor auch weiterhin kleinere Firmen verschlingen werden. Denn das könnte die Kurse kleinerer Verteidigungstitel aus meinem Portfolio, wie zum Beispiel den von Alliant Techsystems, Allied Defense Group, Curtiss-Wright und Armor Holdings, aufrecht halten.

Kronos Worldwide ist am 26. September 2005 an einem einzigen Tag um 13 Prozent hochgeschnellt. Der Hersteller von Titandioxidpigmenten gewann an Wert, weil der Markt-Gelehrte Jim Cramer zuvor NL Industries, einen Hersteller von Bleichmitteln für Farbe und Papier, empfohlen hatte. NL verwendet in seiner Produktion die von Kronos hergestellten Pigmente und hält außerdem einen Anteil von 36 Prozent des Unternehmens. Weitere 57 Prozent von Kronos besitzt Valhi Inc., dessen Präsident Harold Simmons bei NL Industries die gleiche Position inne hat. Die verbleibenden sieben Prozent der Kronos-Aktien werden an der Börse gehandelt.

Die Aktie von NL Industries mit Unternehmenssitz in Dallas ist am 23. September, also am Tag von Cramers Empfehlung, um zwölf Prozent und am 26. September um weitere 19 Prozent gestiegen. Um den Kurs von Kronos hochzutreiben, war noch ein weiterer Handelstag nötig.

Cramer merkte in seiner Empfehlung auch an, daß eine Titaniumdioxid-Fabrik von DuPont, die etwa fünf Prozent des weltweiten Angebots herstellt, durch Hurrikan Katrina zerstört worden ist. Die Fabrik wird nun für mehrere Monate still stehen. Dadurch dürfte NL in der Lage sein, seine Preise anzuheben. Auf Basis ihrer Bewertungen wirken jedoch weder Kronos noch NL besonders ansprechend. Beide werden beispielsweise zu einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 3,1 gehandelt. Wenn ich mich für einen Titaniumdioxid-Hersteller entscheiden müßte, würde ich daher eher DuPont wählen. Denn dieses Unternehmen weist ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 und ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 1,4 auf.

Palm erst nach weiteren Kursverlusten interessant

Palm produziert Taschencomputer, das Treo-Mobiltelefon sowie elektronische Organizer. Die Palm-Aktie wurde am 12. September noch mit einem Kurs von über 36 Dollar bewertet, jetzt steht der Kurs bei nur noch 28 Dollar. Nachdem das Unternehmen für das zweite Quartal eine Verminderung des erwarteten Gewinns um einen Cent prognostizierte, verlor der Titel am 23. September 18 Prozent an Wert. Ja genau: wegen nur einem Penny! Die Analysten hatten für das Quartal einen Gewinn von 0,66 Dollar je Aktie angesetzt, und Palm sagte, daß es wohl doch eher 0,65 Dollar werden würden. Die Tatsache, daß ein Penny weniger solch ein Chaos auslösen kann, zeigt, daß die offizielle „Konsensschätzung“ der Gewinne eines Unternehmens häufig doch mehr eine höfliche Umschreibung ist - eigentlich entspricht sie vielmehr dem Minimum, das von einem Wert erwartet wird, als einer unverfälschten Voraussage. Zwischen 2001 und 2004 hat Palm jedes Jahr einen Nettoverlust verbucht. Im Geschäftsjahr 2005 (Mai) machte das Unternehmen mit einem Umsatz von 1,27 Milliarden Dollar einen Gewinn in Höhe von 66 Millionen Dollar. In den vergangenen fünf Jahren konnte der Absatz um weniger als vier Prozent pro Jahr gesteigert werden. Die Palm-Aktie wird mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (jüngste Gewinnzahlen) von 19 und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der geschätzten Gewinne für 2005 von 18 gehandelt. Zu ihrem aktuellen Kurs bin ich nicht an der Aktie interessiert. Aber sollte sie auf 22 Dollar fallen, würde ich genauer hinsehen.

Calpine zu stark verschuldet

Calpine ist der größte amerikanische Eigentümer von gasgefeuerten Kraftwerken. Leider hat sich das Unternehmen hoch verschuldet, um diesen Status beibehalten zu können. Erschwerend kommt hinzu, daß sich Calpine derzeit in einem erbitterten Kampf mit seinen Gläubigern befindet. In diesem Monat hat das Unternehmen die Bank of New York mit der Begründung verklagt, man würde einen nicht wieder gut zu machenden Schaden erleiden, wenn nicht endlich ein 400-Millionen-Dollar-Konto freigegeben würde. So ist die Calpine-Aktie im Laufe des Septembers von 3,07 Dollar auf 2,46 Dollar gefallen. Das entspricht einem Verlust von 20 Prozent. Manchmal genieße ich das Spiel mit dem Feuer, aber die hohe Verschuldung von Calpine schreckt mich doch ab. Die Langfristschulen betrugen am 30. Juni 2005 15,8 Millionen Dollar, die Kurzfristschulden lagen bei 1,9 Millionen Dollar. Die gesamte Verschuldung entspricht somit mehr als dem Vierfachen des Eigenkapitals.

Text: Bloomberg
Bildmaterial: AP

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