Wall Street

Kaufgelegenheiten bei Tiefstkursen

Von John Dorfman

Ob Geldautomaten von Diebold Anlegern Geld bringen?

Ob Geldautomaten von Diebold Anlegern Geld bringen?

17. Oktober 2005 In den vergangenen Jahren hat John Dorfman jeden März und Oktober Aktientitel aus der „New-Lows-Liste“ empfohlen. Die März-Serie reicht bis 1999 zurück, die Oktober-Serie bis 2001. Betrachtet man die erzielten Ergebnisse genauer, wird schnell klar, daß Dorfmans Empfehlungen auf einer dreijährigen Kaufen-und-Halten-Basis besser abgeschnitten haben als auf einer einjährigen Basis.

Bei den zehn Listen mit einer zwölfmonatigen Erfolgsgeschichte betrug der durchschnittliche Gewinn auf Zwölf-Monats-Basis 6,5 Prozent. Zum Vergleich: der Standard & Poor's 500-Aktienindex erreichte im Vergleichszeitraum lediglich 1,4 Prozent. Die sechs Listen, die bereits für mindestens drei Jahre geführt werden, weisen einen durchschnittlichen Drei-Jahres-Gewinn von 47 Prozent auf, während der S&P 500 im Vergleich nur 1,1 Prozent verbuchen kann. Daraus läßt sich schlußfolgern, daß sich mit geschwächten Aktienwerten gutes Geld verdienen läßt, vorausgesetzt, man bringt die nötige Geduld auf.

Nun ist es an der Zeit, einen weiteren Versuch zu wagen. In den fünf Tagen vor dem 11. Oktober 2005 haben 171 Aktien ein 52-Wochen-Tief erreicht. Fünf von ihnen erscheinen in meinen Augen besonders attraktiv.

Lexmark: Solide bewertet

Beginnen wir mit Lexmark International, der Nummer Zwei unter den amerikanischen Drucker-Herstellern. Bis 1991 war das Unternehmen die Druckersparte von IBM. Mit der Absicht, den Konzern in Form zu bringen und zu rationalisieren, verkaufte IBM Lexmark an die fremdfinanzierte Übernahmegesellschaft Clayton, Dubilier & Rice. Vier Jahre später brachte Clayton Dubilier Lexmark zu einem Kurs von 20 Dollar an die Börse.

Allerdings mit einem Schuldenberg. 1993 wies das Unternehmen bei einem Eigenkapitalniveau in Höhe von 259 Millionen Dollar 512 Millionen Dollar langfristige Schulden auf. Nach und nach hat sich Lexmark eine stabilere Finanzlage erarbeitet. Heute beträgt die Verschuldung nur noch 8,6 Prozent des Eigenkapitals.

Anleger, die 1995 Lexmark-Aktien zu einem Kurs von 20 Dollar erworben und gehalten haben, konnten die vergangenen neun Jahre wirklich genießen. Der Kurs stieg Ende 2004 bis auf 90,50 Dollar. Ende vergangener Woche ist er auf 42,82 Dollar gesunken.

Inmitten von fallenden Preisen für Druckerpatronen hat Lexmark am 4. Oktober seine Umsatz- und Gewinnprognosen herabgesetzt. Die Gewinne, die von 2003 bis 2005 jedes Jahr zwischen 17 und 27 Prozent gestiegen sind, dürften im laufenden Jahr ein Minus von schätzungsweise 23 Prozent verbuchen.

In den vergangenen fünf Jahren hat Lexmark seine Gewinne im Schnitt um zwölf Prozent pro Jahr steigern können. Das durchschnittliche Umsatzwachstum auf Jahresbasis betrug neun Prozent. Derzeit wird die Lexmark-Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von lediglich zehn und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von eins gehandelt. Dies sind durchaus solide Bewertungen.

TD Banknorth: Angenehme Dividendenrendite

Das Geldinstitut TD Banknorth mit Sitz in Portland, Maine, hat in letzter Zeit sehr stark expandiert, vor allem durch Akquisitionen in Neuengland, die während der neunziger Jahre und zu Beginn dieser Dekade getätigt wurden. Im März dieses Jahres ist TD Banknorth jedoch vom Jäger zum Gejagten geworden: Die Toronto Dominion Bank mit Sitz in Toronto, Kanada, konnte sich einen Unternehmensanteil von 55 Prozent sichern.

Von 15 Analysten, die die TD Banknorth-Aktie beobachten, stufen sie nur zwei mit „Kaufen“ ein. Das ist in meinen Augen ein hartes Urteil und ich teile diese Meinung nicht. Banknorth hat eine Dividendenrendite in Höhe von 3,1 Prozent zu bieten, was in einem bisher recht orientierungslosen Markt doch sehr angenehm ist.

Die Aktien werden derzeit zu einem Kurs-Buchwert-Verhältnis (Anlagevermögen minus Verbindlichkeiten je Aktie) von nur 0,76 und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 gehandelt. Die Rentabilität ist ebenfalls bemerkenswert: Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen eine Anlagenrendite von 1,1 Prozent und eine Eigenkapitalrendite von elf Prozent.

Brunswick: Reaktion auf normale Schwankungen übertrieben

Nummer drei auf meiner Empfehlungsliste ist Brunswick, die Bootsmotoren, Angelgeräte, Bowlingausrüstungen und andere Sportartikel herstellen. Ich halte die Brunswick-Aktie für einige meiner Kunden. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von zwölf, einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,9 und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,64 sehe ich die Brunswick-Aktie als moderat bewertet an. In elf der vergangenen zwölf Jahre ist das Unternehmen rentabel gewesen - 2000 war die einzige Ausnahme.

Am 20. September 2005 hat Brunswick mitgeteilt, daß die Gewinne in diesem Jahr nur bei 3,20 Dollar bis 3,25 Dollar je Aktie liegen werden. Die Prognose hatte 3,30 Dollar bis 3,40 Dollar betragen. Als Gründe für die herabgesetzte Gewinnschätzung nannte Brunswick ein geschwächtes Verbrauchervertrauen, die Hurrikans sowie höhere Benzinpreise.

In diesem Jahr hat die Brunswick-Aktie 25 Prozent an Wert verloren. Meiner Ansicht nach ist dies eine übertriebene Reaktion der Anleger auf normale Gewinnschwankungen.

Diebold: Gutes Wachstum

Viertens empfehle ich Diebold, den zweitgrößten amerikanischen Hersteller von Geldautomaten. Das Unternehmen produziert außerdem andere Automaten wie Zugangskontrollen oder Wahlautomaten.

In diesem Jahr hat die Diebold-Aktie 40 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Im September hatte das Unternehmen angekündigt, daß sich die Gewinne des laufenden Jahres auf zwei Dollar statt die zuvor prognostizierten 2,53 Dollar je Aktie belaufen werden.

Ich habe die Diebold-Aktie vor einigen Jahren gehalten und könnte sie bald erneut erwerben. Denn hier handelt es sich um ein Unternehmen, das in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt ein Umsatzwachstum von knapp 14 Prozent und ein Gewinnwachstum von sieben Prozent vorweisen konnte. Wenn mir der Markt diese Aktie zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,96 anbieten möchte, nur zu, wie könnte ich da nein sagen?

Fossil: Langfristig gutes Wachstum

Als fünftes und letztes empfehle ich Fossil, eine Aktie, die ich auch selbst in meinem Portfolio halte. Fossil stellt Uhren, Brieftaschen und Sonnenbrillen her, die in Kaufhäusern und anderen Einzelhandelsgeschäften verkauft werden.

Die Fossil-Aktie ist während des gesamten Jahres geschwächt gewesen und hat bis zum 11. Oktober 37 Prozent ihres Wertes verloren. Im zweiten Quartal sind die Unternehmensgewinne von 0,21 Dollar im Vorjahresquartal auf 0,13 Dollar je Aktie gefallen. Ich richte mein Augenmerk jedoch lieber auf die vergangenen fünf Jahre. Denn in dieser Zeit haben die Unternehmensgewinne durchschnittlich fast zwölf Prozent und die Umsätze 18 Prozent pro Jahr zugelegt.

Im vergangenen Jahr hat Fossil aus einem Umsatz von rund 960 Millionen Dollar einen Gewinn von knapp 91 Millionen Dollar erwirtschaftet. Die Börse bewertet das Unternehmen mit 1,15 Milliarden Dollar oder einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 1,13 und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13.

John Dorfman ist Chef von Dorfman Investment.



Text: Bloomberg
Bildmaterial: Diebold, FAZ.NET

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