Immobilien

Immoeast-Aktie kämpft gegen den Abwärtstrend

22. Juni 2007 Österreich gehört zwar nicht zu Osteuropa. Doch bisweilen drängt sich der Eindruck auf, dass das Land aufgrund seines historischen Blicks nach Osten am meisten von der aufstrebenden Wirtschaftsregion profitiert - zumindest stärker als andere wohlhabende europäische Staaten.

Für die Immoeast AG ist der Name Programm. Das Unternehmen wurde 1999 als Tochter der Immofinanz gegründet, um deren Zentraleuropaaktivitäten abzudecken und befindet sich immer noch zu 50,5 Prozent in deren Besitz. Sie hält in Ungarn, Tschechien, Polen, Rumänien, der Slowakei, Bulgarien, Estland, Russland, der Ukraine, Slowenien, Kroatien und Serbien 296 Objekte mit 4,2 Mio. Quadratmetern Nutzfläche: Büros, Geschäftsflächen, Garagen, Logistikimmobilien, Wohnungen oder Hotels.

Umfangreiche Kapitalerhöhungen

Bis Jahresbeginn gefiel den Anlegern die Story recht gut. Mit 6,16 Euro Ende 2003 gestartet erreichte der Kurs im Februar 12,01 Euro. Seitdem aber befindet er sich in einem deutlichen Abwärtstrend, was nicht zuletzt an einem schwächeren Sentiment für Immobilien-Aktien liegen dürfte. Am Donnerstag schloss die Notierung in Wien bei 10,03 Euro auf einem neuen Sieben-Monats-Tief.

Hintergrund sind die zahlreichen Kapitalerhöhungen, die das Unternehmen durchgeführt hat und weiter durchführt. Im vergangenen Jahr hatte Immoeast in einer einzigen Kapitalerhöhung 333,5 Millionen neue Inhaberaktien ausgegeben und die Zahl der Aktien auf diese Weise um 150 Prozent erhöht. Und auch in diesem Jahr im Mai stockte Immoeast die Zahl der Aktien um weitere 277,9 Millionen und damit um rund 50 Prozent auf, so dass die Marktkapitalisierung mittlerweile 8,36 Milliarden Euro beträgt.

Gewinnprognosen deutlich übertroffen

Hinter der Wucht dieser Zahlen fangen die guten Unternehmensergebnisse an zu verblassen. In dem zum 30. April zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 2006/07 konnte das Unternehmen das Betriebsergebnis verdreifachen. Das Ebit stieg auf über 500 von 156 Millionen Euro. Das Vorsteuerergebnis (EBT) kletterte um 250 Prozent auf rund 650 Millionen Euro, teilte der Immobilienkonzern am Freitag bei Vorlage der vorläufigen Zahlen mit. Auch der Gewinn je Aktie konnte gesteigert werden und erreichte rund einen Euro nach 0,76 Euro im Vorjahr.

Mit diesem Ergebnis übertraf Immoeast die ursprüngliche Ergebnisprognose eines Ebit von rund 300 Millionen Euro. Auch Analysten hatten im Schnitt nur 400 Millionen Euro erwartet. Damit ist ein mit recht zu befürchtender Verwässerungseffekt, der die Analysten ihre Gewinnschätzung bei 0,52 Euro je Aktie ansiedeln ließ, nicht eingetreten.

Kurs deutlich über Nettoinventarwert

Das Unternehmen die endgültigen und detaillierten Geschäftszahlen erst im Juli vorlegen und erst dann wird man erfahren, wie sich der Nettoinventarwert je Aktie entwickelt hat. Im Januar gab Immoeast diesen mit 8,99 Euro je Aktie an, so dass dieser um rund ein Drittel unter dem Aktienkurs lag. Seitdem hat sich dieser sicher erhöht - indes ist auch die Zahl der Aktien um 50 Prozent gestiegen.

Das könnte mit zum Kursrückgang beigetragen haben. Indes lief auch die jüngste Kapitalerhöhung Ende Mai nicht ganz glatt. Zwar war diese nach Unternehmensangaben „rund zweifach überzeichnet“, doch wurde der Bezugspreis mit lediglich 10,20 Euro festgelegt und damit deutlich unter dem oberen Rand der Bookbuilding-Spanne von 12 Euro und leicht unter dem Börsenkurs, der in dieser Zeit zwischen 10,25 und 10,60 Euro lag. Auch die Kapitalerhöhung des vergangenen Jahres wurde zu 8,25 Euro und damit unter dem Börsenkurs durchgeführt.

Starker Abwärtstrend

Damals aber legte die Notierung noch zu, während sie sich mittlerweile im Abwärtstrend befindet. Möglicherweise belastet auch die Annahme, dass im Rahmen der Kapitalerhöhungen Aktien günstiger gekauft werden können als an der Börse und damit das Kaufinteresse geschwächt wird.

Auf Basis der prognostizierten Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 13,3 für das laufende und 9,5 für das kommende Jahr erscheint die Aktie zwar nicht teuer, doch hohe prognostizierte Kurs-Cashflow-Verhältnisse von 14,3 bzw. 35,8 sind auch für Immobilienunternehmen recht hoch.

Insofern empfiehlt es sich, die Vorlage des Geschäftsberichts im Juli abzuwarten und dort vor allem auf den ausgewiesenen Nettoinventarwert zu achten, allzumal sich die Aktie immer noch in einem deutlichen Abwärtstrend befindet, trotz eines Kursgewinns von 3,1 Prozent auf 10,34 Euro zur Handelseröffnung in Wien am Freitag.

Zwar kratzt die Notierung damit bereits an der Widerstandslinie von 10,35 Euro, doch erst die Überwindung des Junihochs von elf Euro kann als erstes Kaufsignal gewertet werden. Kann sich die Aktiennotiz sichtbar oberhalb der Marke von 10,35 Euro einnisten, könnte eine Bodenbildung erfolgen, die den Boden für einen weiteren Aufschwung auf Basis eines günstigen Geschäftsberichts bereiten könnte.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: FAZ.NET

NamePunkteProzent
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TecDax 835,29 -1,32
DowJones 12.745,88 -0,94
Nasdaq 2.445,52 -0,23
STOXX 50 3.801,59 -1,41
Nikkei 225 13.655,34 -2,06
S&P 500 Zert. 13,80 -1,08
Euro/Dollar 1,54 -0,38
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