04. Oktober 2007 Die vergangenen Wochen und Monate haben den Aktienkursen nicht gut getan. Das Chartbild zahlreicher Aktien hat sich eingetrübt, Gewinne wurden mitgenommen, insbesondere bei spekulativ getriebenen Werten und nicht allen ist es gelungen, sich wieder zu erholen.
Andere Aktien sind etwas besser durch die Krise gekommen und können in der derzeitigen Erholungsphase daher ihr Kursbild rasch wieder verbessern. Dies gilt zum Beispiel für die Aktie der Hannover Rückversicherung. Nachdem diese Anfang Mai ein Sechs-Jahres-Hoch bei 37,50 Euro erreicht hatte, gab sie zunächst leicht nach, brach dann in der zweiten Julihälfte von 36 auf 32,50 Euro ein.
Solide Entwicklung
Danach geschah nichts mehr aufregendes. Kurz noch rutschte der Kurs im August noch einmal auf 30,79 Euro ab, seit Mitte September aber konnte sich der Kurs wieder deutlich erholen und bis auf 36,78 Euro am Dienstag zulegen. Damit reichte es zwar nicht für ein neues Hoch, immerhin wurde aber die Widerstandslinie aus dem Juni/Juli bei 36,70 Euro überwunden. Allerdings hielt die Herrlichkeit nicht und am Donnerstag notiert die Aktie bei 36,54 Euro wieder unterhalb der Widerstandslinie.
Indes sind die Aussichten, diese in einem positiven Klima in absehbarer Zeit zu überwinden, durchaus nicht ungünstig. Der weltweit viertgrößte Rückversicherer sieht sich für das laufende Jahr gut aufgestellt, nachdem das zweite Quartal überraschend stark gewesen war. Das Unternehmen konnte das Betriebsergebnis(Ebit) im fortgeführten Geschäft, also ohne die verkaufte Tochter Praetorian, von 217,6 auf 313,5 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum steigern. Analysten hatten im Schnitt mit 236,9 Millionen Euro gerechnet.
Der Überschuss aus dem fortgeführten Geschäft legte von 160,3 auf 175,3 Millionen Euro zu und lag damit ebenfalls über den Schätzungen der Branchenexperten. Getrieben wurde der Überschuss auch von einem vorläufigen Buchgewinn in Höhe von 17,7 Millionen Euro aus dem Praetorian-Verkauf.
Schaden-Kosten-Quote enttäuschte zuletzt
Indes war längst nicht alles Gold, was da glänzte. Die Bruttoprämieneinnahmen gingen im Vergleich zum Vorjahr von 2,355 auf 2,083 Milliarden Euro zurück und lagen damit unter den Erwartungen der Analysten von 2,191 Milliarden. Indes legte der Konzern bei den verdienten Nettoprämien von 1,842 auf 1,968 Milliarden Euro zu und übertraf damit die Expertenprognose von 1,777 Milliarden Euro.
In der Schaden-Rückversicherung gingen die Bruttoprämien infolge des Praetorian-Verkaufs um 22,5 Prozent auf 1,300 Milliarden Euro zurück. Die verdienten Nettoprämien sanken um 0,7 Prozent auf 1,236 Milliarden Euro. Die Schaden-Kosten-Quote verringerte sich zwar von 100,3 Prozent im Vorjahr auf 98,9 Prozent, doch hatten Analysten mit 97,3 Prozent gerechnet hatten. Das Betriebsergebnis der Sparte wuchs hingegen um 49,3 Prozent auf 228,2 Millionen Euro.
Hohe Dividende
Im laufenden Jahr soll der Gewinn 700 Millionen Euro erreichen, bestätigte der Vorstandsvorsitzende Wilhelm Zeller gegenüber dem Sender Bloomberg TV erst am Montag erneut die Prognosen. Das dritte Quartal sei größtenteils ruhig verlaufen, höhere Zinsen hätten die Effekte der turbulenten Aktienmärkte aufgefangen. Aufgrund des Sondereffektes aus der Steuerreform sei eine Dividende im Bereich von 1,70 bis 1,80 Euro möglich. Damit würde sich die Dividendenrendite des Papiers auf knapp fünf Prozent belaufen.
Im kommenden Jahr will man sich bei der Erneuerung von Verträgen auf profitables Geschäft konzentrieren, sagte Zeller Anfang September auf einer Pressekonferenz in Monte Carlo. Man werde strikt auf Profitabilität anstelle von Wachstum setzen, vor allem in einem nachgebenden Markt.
Bei Verträgen zur Rückversicherung gegen Naturkatastrophen erwartet man indes im Allgemeinen stabile Raten, in Regionen, die zuletzt von Stürmen und Überschwemmungen heimgesucht worden seien, könnten höhere Preise durchgesetzt werden.
In der Tendenz fallende Preise
Die Preise in der Sach-Rückversicherung in Nordamerika würden dagegen weiter leicht fallen, wenn die Hurrikan-Saison weiter so ruhig verlaufe, was bislang der Fall gewesen ist. Die Preise für diese Verträge könnten um bis zu zehn Prozent fallen. Im Unfall-Geschäft in Nordamerika würden die Margen 2008 weiter schrumpfen, das Geschäft sei aber noch nicht unter Wasser. Auch in anderen Bereichen wie der Luftfahrt-, Transport-, aber auch der Kredit-Rückversicherung sieht man Druck auf die Preise.
Trotz der damit tendenziell schwächeren Aussichten bleibt die Aktie günstig bewertet, wenngleich Analysten im Jahr 2008 mit einem niedrigeren Ebit von 898 Millionen Euro nach 923 Millionen im laufenden Jahr ausgehen. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse belaufen sich damit auf 6,4 bzw 8,3, was sich im Rahmen der üblichen Bewertung für Rückversicherer bewegt, werden Münchener Rück und Swiss Re doch mit KGVs von 8,3 und 8,6 bzw. 8,1 und 7,9 gehandelt.
Interessanter Rückversicherer
Bei der Dividendenrendite steht die Hannover Rück deutlich besser da, kommen Münchener Rück und Swiss Re doch nur auf Renditen von 3,5 bzw. 3,6 Prozent, die auch im kommenden Jahr nicht höher ausfallen sollen, während die Analysten bei der Hannover Rück auf mehr als fünf Prozent rechnen.
In der Kursentwicklung hat die Aktie der Hannover Rück die beiden großen Konkurrenten in den vergangenen fünf Jahren noch deutlicher abgehängt (siehe Infografik) und den Vorsprung, den die Schweizer in den Monaten vor der Krise gewonnen hatten, seither wieder aufgeholt. Gegenüber der Münchener Rück, mussten die Niedersachsen dagegen in den vergangenen zwei Jahren allerdings etwas Federn lassen.
Indes sind die Aussichten auf ein neues Hoch für die Aktie vergleichsweise besser, auch wenn sie am Donnerstag weiterhin mit der Widerstandslinie kämpft. Doch eine entsprechend positiv interpretierte Entscheidung der EZB könnte ihr den Schwung verleihen, der sie über die Marke hinüberträgt. Vor allem aber ist die Dividendenrendite, mithin die sechsthöchste prognostizierte relative Ausschüttung, nicht eben zu verachten.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Bildmaterial: dpa/dpaweb, FAZ.NET
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +45,13 | +15,20 |
| K+S AKTIENGESELLSCHA | -0,15 | -0,39 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -0,40 | -1,01 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -5,99 | -16,08 |
| DEUTSCHE POSTBANK AG | -3,87 | -14,61 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | -0,44 | -13,68 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.544,31 | -7,01 |
| TecDax | 516,75 | -4,81 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.421,87 | -7,86 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 8,83 | -10,45 |
| Euro/Dollar | 1,37 | +0,49 |
| Bund Future | 114,45 | -0,19 |
| Gold | 861,15 | +1,62 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |