Aktienmarkt-Analyse

Pakistani protestieren mit Steinwürfen gegen die Baisse

17. Juli 2008 Die Kurse am pakistanischen Aktienmarkt sind nun schon 15 Tage in Folge gefallen. Das ist die längste Durststrecke seit mehr als 18 Jahren. Insgesamt ist der Karachi Stock Exchange 100 Index seit dem noch am 18. April bei 15.676,34 Punkten markierten Rekordhoch um 35 Prozent gefallen. Unter dem Strich ist damit bereits ein Börsenwert von rund 30 Milliarden Dollar vernichtet worden.

Für viele heimische Investoren ist diese Entwicklung eine Katastrophe. „Ich habe in den vergangenen 15 Tagen alle meine Lebensersparnisse verloren. Und niemand in der Regierung oder bei der Aufsichtsbehörde tut etwas, um uns zu helfen“, klagt beispielsweise Imran Anayat. Zur besseren Einordnung der Lage sei noch erwähnt, dass laut Vereinigten Nationen der Hälfte der 160 Millionen Einwohner wegen der steigenden Nahrungsmittelpreise Hungersnot droht.

Der ehemalige Banker ist nicht der Einzige, dem wegen der Baisse das Wasser bis zum Hals steht. Das zeigt sich auch daran, dass einige hundert Anleger mit Steinwürfen auf Fensterscheiben und Verfluchungen auf die Regulierer ihrem Unmut Luft verschafften. Die Polizei sah sich deshalb am Donnerstag sogar veranlasst, das Börsengebäude zum umstellen.

Maßnahmen der Börsenaufsicht in der Kritik

Der Zorn der heimischen Privatanleger richtet sich vor allem gegen die jüngste Entscheidung der Börsenaufsichtsbehörde, die bisher auf maximal ein Prozent festgesetzte tägliche Verlustgrenze sowie das Verbot von Leerverkäufen aufzuheben. Dabei wollten die Verantwortlichen genau mit dieser Maßnahme und einem gleichzeitig geschaffenen 50 Milliarden Rupieh großen Fonds zum Kauf von Aktien dem Kursverfall Einhalt gebieten.

Habib-ur-Rehman, Pakistan-Fondsmanager bei Atlas Asset Management, kommentierte dazu: „Es gab ein gewisses Missmanagement in der Sache. Das mag auf der Fehlannahme beruhen, man könne den Markt am Fall hindern. Aber die Anleger müssen lernen, Verluste genauso zu akzeptieren wie Gewinne.“

Aber offenbar gibt es genau da noch sehr viel Lernbedarf. Denn selbst Kauser Javed, der die Vereinigung der Privatanleger leitet, beschwert sich: „Wir verlangen, dass alle Kurse auf dem gegenwärtige Niveau eingefroren werden. Die Leute haben alles verkauft in den vergangenen 15 Tagen um ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Und wenn sich die Dinge so weiterentwickeln wie zuletzt, werden wir bald von Selbstmorden hören. Die Aufsicht bevorzugt immer die Broker und Großinvestoren.“

Gesunkenen Bewertungen noch kein ausreichendes Kaufargument

Dabei haben die Pakistani eigentlich keinen Grund, sich zu beschweren. Zumindest langfristig gesehen. Denn bevor der Kursverfall der vergangenen Wochen einsetzte, haben sich die Kurse seit 2001 vervierzehnfacht. Doch mit der Hausse ist es nun erst einmal vorbei. Und vermutlich kommen die goldenen Zeiten auch so schnell nicht wieder. Zumindest sprechen dafür zunehmende politische und wirtschaftliche Probleme.

Politisch gesehen spitzen sich die Spannungen mit Afghanistan zu und die Regierung steht auf der Kippe. Wirtschaftlich macht dem Land eine mit gut 19 Prozent auf den höchsten Stand seit 30 Jahren gestiegene Inflationsrate zu schaffen. Hinzu kommen Defizite im Staatshaushalt und der Leistungsbilanz, was in schwierigen Zeiten wie diesen nicht gerne gesehen wird. Alles das zusammen hat bewirkt, dass ausländische Anleger von Juli bis Mai nur noch gut 62 Millionen Dollar am pakistanischen Aktienmarkt investiert haben. In der Vergleichsperiode zuvor waren es dagegen noch 1,76 Milliarden Dollar. Dank der deutlich zurückgekommenen Bewertungen könnte der Mittelzufluss zwar mittelfristig wieder etwas zunehmen. Schließlich beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der für 2009 geschätzten Gewinne nur noch knapp neun.

Wegen der aufgezeigten Probleme ist zunächst aber nicht mit einer neuen nachhaltigen Rallye zu rechnen. Diese Erwartungshaltung spricht momentan auch gegen den Kauf der arg gebeutelten Pakistan-Zertifikate, die bisher von Merrill Lynch (Isin DE000ML0BTN1), der Deutschen Bank (Isin DE000DB8BPK1) und ABN Amro (Isin NL0000812980) aufgelegt wurden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: AFP, FAZ.NET

Tops & Flops+/-Prozent
VOLKSWAGEN AG STAMMA +45,13 +15,20
K+S AKTIENGESELLSCHA -0,15 -0,39
MAN AG STAMMAKTIEN O -0,40 -1,01
DEUTSCHE BANK AG NAM -5,99 -16,08
DEUTSCHE POSTBANK AG -3,87 -14,61
INFINEON TECHNOLOGIE -0,44 -13,68
NamePunkteProzent
Dax 4.544,31 -7,01
TecDax 516,75 -4,81
DowJones 8.451,19 -1,49
Nasdaq 1.649,51 +0,27
STOXX 50 2.421,87 -7,86
Nikkei 225 8.276,43 -9,62
S&P 500 Zert. 8,83 -10,45
Euro/Dollar 1,34 +0,00
Bund Future 114,67 -1,44
Gold 847,40 +0,00
Öl 76,65 -7,49
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