Bauindustrie

Aktionäre von Heidelbergcement sollten nicht voreilig verkaufen

In Fahrt: Betonmischer von Heidelberg-Cement

In Fahrt: Betonmischer von Heidelberg-Cement

13. Juni 2005 Wer am Freitag noch kurzfristig Aktien von HeidelbergCement gekauft hat, kann sich über ungeahnte Kursgewinne freuen. Am Montag ist der Titel vorbörslich zu gut 60 Euro angeboten worden, obwohl sie am Freitag lediglich mit 50,25 Euro aus dem Xetra-Handel gegangen war. Kurz nach Handelsbeginn ist der Titel auf 61,03 Euro gesprungen - ein Plus von 21,6 Prozent.

Der Grund für den kräftigen Aufschlag: Unternehmer Adolf Merckle will für rund 6,5 Milliarden Euro Deutschlands größten Zementhersteller übernehmen. Das Gebot bedeutet eine Prämie von annähernd 20 Prozent. Aktionäre sollten aber nicht reflexhaft verkaufen, um rasch Kasse zu machen. Bankhaus Lampe-Analyst Christoph Schlienkamp etwa rät zu einem langen Atem. Diese Einschätzung dürfte einiges für sich haben.

Merckle hält offiziell 13 Prozent

Mit einer direkten Beteiligung von knapp 13 Prozent ist der Großindustrielle bereits Hauptaktionär des Unternehmens. Das Übernahmeangebot, das sich auf alle Aktien bezieht und sich auf 60 Euro je Anteilsschein beläuft, kommt allerdings nicht von Merckle selbst, sondern von der weitgehend unbekannte Spohn Cement GmbH mit Sitz im schleswig-holsteinischen Norderfriedrichskoog. Die Firma gehört zum weit verzweigten Firmenimperium Merckles, zu dem unter anderem die Pharmahandelsgesellschaft Phoenix und der Generika-Hersteller Ratiopharm genauso gehören wie bedeutende Anteile am Pistenbully-Hersteller Kässbohrer.

Der Übernahmeversuch ist indes vermutlich von weniger großer Tragweite als es die lediglich 13 Prozent Direktbeteiligung suggerieren. Analysten gehen davon aus, daß Merckle über Beteiligungsfirmen und Familienmitglieder deutlich höhere Kapitalanteile am hinter Lafarge und Holcim drittgößten Zementhersteller Europas kontrolliert.

„Langer Atem hat sich häufig ausgezahlt“

Lampe-Analyst Schlienkamp nannte den Zeitpunkt des Übernahmeangebotes im Gespräch mit FAZ.NET überraschend, nicht aber den Bieter. Merckle dürfte sich nach seiner Einschätzung der von der Deutschen Bank und der Allianz abgegebenen Anteile an HeidelbergCement bedient haben. Das Management des Zementherstellers komme von Phönix - mithin sei eine Nähe zu Merckle gegeben. Bemerkenswert sei auch der gebotene Übernahmepreis. „Da ist doch deutlich mehr, als an der Börse in der jüngeren Vergangenheit bezahlt worden ist.“ In der Tat: Das Jahreshoch steht bei 55,22 Euro, und 60 Euro war der Titel zuletzt Ende Mai 2001 wert.

Schlienkamp rät Aktionären, nicht voreilig zu verkaufen. Denn: Bei Übernahmen habe sich zuletzt gezeigt, daß sich Abwarten gelohnt habe, zum Beispiel bei Beru oder Viva. Gleiches gilt aber auch für Celanese, obwohl Blackstone schon eine satte Prämie für den Chemiekonzern geboten hatte. „Langer Atem hat sich häufig ausgezahlt“, hob Schlienkamp hervor.

Aktie nun höher bewertet als die Konkurrenz

Sein Kollege Erhard Schmitt von Helaba Trust rät dagegen eher zum Verkaufen, und zwar aus fundamentalen Überlegungen: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut 15 sei HeidelbergCement nun höher bewertet als die Konkurrenten Dyckerhoff (13,6), Holcim (12,9) und Lafarge (12,0), obwohl der Konzern zuvor wegen schlechterer Wachstumsschancen meist mit Abschlägen belegt worden sei.

Der Kurs dürfte durch das Übernahmeangebot indes gut nach unten abgesichert sein. Das Risiko für Aktionäre, die die Anteilsscheine nicht umgehend abgeben wollen, scheint mithin gering zu sein, zumal der Kurs aktuell schon über dem Gebot liegt.

Der Chart zeigt den Kursverlauf von HeidelbergCement.
Der Chart zeigt den Kursverlauf von HeidelbergCement.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @thwi mit Reuters
Bildmaterial: Heidelbergcement

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