Von Peter Coy
26. März 2008 Die Entscheidung von JPMorgan Chase, das Angebot zur Übernahme von Bear Stearns von zwei auf zehn Dollar je Anteilsschein zu erhöhen, bringt die amerikanische Notenbank (Fed) in eine missliche Lage. Die am 24. März verkündete versüßte Offerte ist hoch genug, um den Aktionären von Bear Stearns einen realen Wert für das Unternehmen zu bieten, während die Fed diese Transaktion mit einem durch zweifelhafte Vermögenswerte gedeckten Niedrigzinskredit unterstützt.
Die neu ausgehandelte Transaktion wird die Kritik heraufbeschwören, dass die Fed in eine Rettungsaktion gezogen wurde und nun einen Teil der von Investoren erlittenen Verluste abmildert.
Fed bürgt nur noch für 96,7 Prozent
Absicht von JPMorgan ist es, die Zustimmung der Aktionäre von Bear Stearns zu gewinnen, die gegen die Übernahme zu stimmen drohten. Der neue Deal weist jedoch auch ein Merkmal auf, dass die Fed geringfügig besser stellt als bisher. JPMorgan erklärt sich nunmehr bereit, die erste Milliarde Dollar an Verlusten zu tragen, die entstehen könnten, wenn die hochriskanten Vermögenswerte von Bear Stearns hinter dem ausgewiesenen Wert zurückbleiben. Die Fed steht für die restlichen 29 Milliarden Dollar anstelle der ursprünglich vereinbarten Gesamtsumme von 30 Milliarden Dollar gerade.
Die Chance, dass die Fed hierbei tatsächlich Geld verliert, ist allerdings relativ gering, da die Vermögenswerte von Bear Stearns konservativ bewertet wurden und sich ihr Wert nach dem Ende der Häusermarktkrise wieder erholen dürfte. Bis zur Wiederherstellung ihres einstigen Wertes kann die Fed diese Vermögenswerte zehn Jahre lang halten, im Bedarfsfall auch länger.
Zum Zuckerbrot die Peitsche
Für den Fall, dass das versüßte Angebot nicht ausreichen sollte, um die Aktionäre von Bear Stearns zu überzeugen, ist im neuen Deal neben dem Zuckerbrot auch die Peitsche vorgesehen: JPMorgan erklärt sich zum Erwerb neu ausgegebener Bear-Stearns-Aktien bereit, die dem Unternehmen mehr Stimmrechte verleihen, um die Gegner der Transaktion überstimmen zu können.
Diese neu ausgegebenen Aktien entsprechen einem Anteil von 39,5 Prozent der gegenwärtig im Umlauf befindlichen Bear-Stearns-Aktien. Solange das Volumen der neu emittierten Aktien 40 Prozent des Unternehmenswertes nicht überschreitet, ist der diese Transaktion befürwortende Bear-Stearns-Vorstand nicht auf die Zustimmung seiner Aktionäre angewiesen.
Unangemessene Unterstützung durch die Fed?
Die Fed intervenierte, um den Kollaps von Bear Stearns zu verhindern, nachdem andere Unternehmen begannen, von der angeschlagenen Investmentbank mehr Kreditsicherheiten einzufordern, als diese zu leisten imstande gewesen wäre. Zu jener Zeit wurde der Deal als notwendig erachtet, um einem Domino-Effekt auf andere Wall-Street-Akteure vorzubeugen.
Um JPMorgan die Übernahme von Bear Stearns schmackhaft zu machen, erklärte sich die Fed über ihre New Yorker Niederlassung bereit, Vermögenswerte von Bear Stearns abzusichern, deren Volumen theoretisch mit 30 Milliarden Dollar angesetzt wurde, die im Falle eines Notverkaufs jedoch erheblich weniger einbringen würden.
Im Gegenzug verloren die Bear-Stearns-Aktionäre nahezu ihr gesamtes investiertes Geld, indem ihnen JPMorgan lediglich zwei Dollar je Anteilsschein anbot, während die Bear-Stearns-Aktie zu ihren Glanzzeiten im Januar 2007 noch bei 171 Dollar notierte.
Mit einem Kurswert von 11,25 Dollar legte die Bear-Stearns-Aktie am 24. März gegenüber dem Schlusskurs von 5,96 Dollar am 20. März fast um das Doppelte zu. Die Aktie von JPMorgan kletterte um ein Prozent auf 46,55 Dollar.
Die Fed als Trottel
Mit einer Offerte von zehn Dollar je Anteilsschein liegt der neue Deal natürlich noch immer weit unterhalb dessen, was Bear Stearns während seines Zenits wert war, reicht jedoch aus, um die Frage aufzuwerfen, ob die Fed den privaten Sektor damit nicht in unangemessener Weise unterstützt habe. [JPMorgan] erhöht sein Angebot und lässt die Fed wie einen Trottel aussehen, der sich zu der ursprünglichen Finanzierung hinreißen ließ. Das wird zu starker Kritik an der Transaktion führen, schrieb Yves Smith in seinem Blog Naked Capitalism.
Die Fed von New York verkündete in einer Stellungnahme: Diese Maßnahme der Federal Reserve erfolgt mit Unterstützung des Finanzministeriums, um die Marktliquidität zu erhöhen und die ordnungsgemäße Funktion der Märkte zu gewährleisten. Im Wesentlichen wird die Fed von New York hierbei ein Spezialunternehmen errichten, das die Vermögenswerte von Bear Stearns im Volumen von 30 Milliarden Dollar halten wird.
Die Fed gewährt diesem Unternehmen einen Kredit von 29 Milliarden Dollar zu einem Zinssatz von 3,25 Prozent, während JPMorgan die verbleibende Milliarde zuschießt. Wenn die Vermögenswerte liquidiert werden, erhält JPMorgan diese Milliarde erst zurück, nachdem die Fed sämtliche Zinszahlungen erhalten hat. Sollten nach der Liquidierung noch Geldmittel übrig sein, nachdem sämtliche Kredite zurückgezahlt wurden, so gehen diese an die Fed.
Peter Coy ist Reporter der Business Week.
Text: Business Week Online
Bildmaterial: AP, F.A.Z.
