Investmentvehikel

Mittelstand erhält Vehikel für "sanften Weg zur Börse"

01. Juli 2008 Der erste Börsengang einer auf den Kauf eines deutschen mittelständischen Unternehmens gerichteten „Special Purpose Acquisition Company“ (“Spac“) nimmt Gestalt an. Eine Mannschaft, gebildet aus dem Strategieberater Roland Berger, dem Arcandor-Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff und dem Investmentbanker Florian Lahnstein, will in den kommenden drei Wochen von reichen Privatleuten 275 Millionen Euro einsammeln.

Als Gegenwert erhalten die Anleger Aktien und Optionsscheine der Spac. Nachdem die „nur versierten Anlegern“ vorbehaltenen Anteile verkauft sind, werden die Aktien der Spac unter Führung der Deutschen Bank zunächst ohne operatives Geschäft unter dem Namen „Germany1“ zum Handel an der Börse Euronext in Amsterdam zugelassen.

Warten auf das Geschäft

Die Mannschaft um Berger, Middelhoff und Lahnstein, der seine Erfahrungen als Leiter des deutschen Investmentbankings der UBS (2001 bis 2007) einbringen soll, hat dann 24 Monate Zeit, um den Börsenmantel zu füllen. Bis zu einer Transaktion wird das Geld der Anleger auf einem Treuhandkonto verzinst. „Wir haben rund 140 Unternehmen identifiziert, die als Kaufobjekt in Frage kommen, und sind mit einer Handvoll Kandidaten in Gesprächen“, stellte Unternehmensberater Berger am Montag in Frankfurt einen Abschluss noch in diesem Jahr in Aussicht.

Der Emissionserlös von 275 Millionen Euro soll einem nicht börsennotierten Unternehmen im Wert zwischen 1 und 3 Milliarden Euro als frisches Eigenkapital dienen. Gleichzeitig mit der Kapitalerhöhung übertragen die Eigner ihre Gesellschaft auf die börsennotierte Spac, an der sie dadurch dann die Mehrheit halten. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Spac und die Eigner auf einen Unternehmenswert verständigen konnten und die Kapitalgeber des Spac der Transaktion zu mindestens 50 Prozent zustimmen.

Nehmen sie ihr Rücktrittsrecht nicht wahr, halten die Anleger anschließend diejenigen Aktien, die sich im Streubesitz der nun börsennotierten Gesellschaft befinden. Zur Belohnung dafür, dass sie ein Kaufobjekt gefunden haben, erhalten Berger, Middelhoff und Lahnstein 20 Prozent der Aktien. Sobald der leere Börsenmantel mit einer operativ tätigen Gesellschaft gefüllt ist, sollen die Aktien auch an der Deutschen Börse in Frankfurt zugelassen werden. Aus Sicht von Georg Hansel von der Deutschen Bank liegt der Vorteil für Mittelständler darin, dass sie über Spacs schnell und ohne Abhängigkeit von möglichen Turbulenzen an den Kapitalmärkten „sanft“ zur Börsenzulassung kommen.

Ersatz für Private Equity

In Amerika sind Börsengänge von Spacs schon üblich. In Deutschland bietet die Deutsche Bank nun erstmals diese Investmentidee in einer Zeit an, in der Börsengänge von „echten“ Unternehmen wegen des labilen Kapitalmarktumfeldes selten geworden sind und privates Beteiligungskapital (“Private Equity“) als Investor weitgehend ausfällt.

Der Ausfall von Private Equity ist darauf zurückzuführen, dass Beteiligungsgesellschaften üblicherweise ihre Unternehmenskäufe mit einem hohen Anteil an Fremdkapital finanzieren. Die Banken sind jedoch derzeit äußerst restriktiv in der Vergabe von Krediten für Unternehmensübernahmen. „Wir haben auch andere Unternehmen im Blick als Private Equity: Wir suchen keine Sanierungsfälle, streben nicht die Kontrollmehrheit an einem Unternehmen an und sind nicht interessiert an Unternehmen aus den Branchen Hightech, Biotech oder Finanzdienstleistung“, sagt Berger.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

 
NamePunkteProzent
Dax 5.013,53 -5,88
TecDax 525,53 -8,29
DowJones 9.447,11 -5,11
Nasdaq 1.754,88 -5,80
STOXX 50 2.716,21 -5,67
Nikkei 225 9.203,32 -9,38
S&P 500 Zert. 9,82 -6,48
Euro/Dollar 1,36 +0,49
Bund Future 117,47 +0,16
Gold 909,35 +2,34
Öl 85,76 -1,06
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