Amerikanische Standardwerte

Der Jahressieger heißt Wal-Mart

In der Krise stürmen die Verbraucher die Discounter: Wal-Mart-Supermarkt in Elk City (Oklahoma) um 5 Uhr morgens

In der Krise stürmen die Verbraucher die Discounter: Wal-Mart-Supermarkt in Elk City (Oklahoma) um 5 Uhr morgens

17. Dezember 2008 Dreißig Titel zählt der führende Aktienindex an der New Yorker Börse, Dow Jones Industrial. Doch in diesem Jahr kennt der Index nur zwei Gewinner: Die Aktie der Einzelhandelskette Wal-Mart Stores hat sich seit Jahresbeginn um 16 Prozent verteuert, die des Fastfood-Riesen McDonald's um 7 Prozent.

Alle anderen Aktien im Dow haben in diesem Jahr Kursverluste verzeichnet. Am schlechtesten schnitt der Krisenkonzern General Motors ab: minus 83 Prozent. Es folgt die Citigroup mit 72 Prozent. Selbst der Dow Jones, der als arithmetischer Durchschnitt der 30 enthaltenen Werte berechnet wird, liegt heute rund ein Drittel unter dem Stand, auf dem er in dieses Jahr gestartet war.

Gewinner der Wirtschaftskrise

Manche mögen die Börse für einen dunklen Ort geheimnisvoller Machenschaften halten. Doch die Liste der Gewinner und Verlierer in diesem Jahr spiegelt zuverlässig den tatsächlichen Zustand der amerikanischen Wirtschaft. Die Autohersteller liegen am Boden, und die Banken sind die großen Verlierer der Krise.
Insgesamt mag sich der amerikanische Verbraucher mangels frischer Konsumentenkredite in Zukunft zurückhalten.

Doch dies muss die beiden Gewinner im Dow-Jones-Index nicht Sorgen bereiten. Im Gegenteil: Schränken der amerikanischen Verbraucher ihre Ausgaben noch weiter ein, werden sie noch mehr beim größten Discounter der Welt, Wal-Mart, einkaufen. Und wenn sie sich einen Restaurantbesuch gönnen wollen, werden sie eher zu McDonald's gehen als in das Drei-Sterne-Restaurant Jean-Georges in New York auf einen Steinbutt an Château-Châlon-Sauce.

Höherer Umsatz erwartet

Im November - mitten in der allgemeinen Konsumflaute in den Vereinigten Staaten - verzeichnete Wal-Mart einen höheren Umsatz und erwartete für das Geschäft bis Ende des Jahres einen noch größeren Kundenzustrom. Im Dezember sollen die Erlöse im Vergleich zum Vorjahr am oberen Ende der früher genannten Spanne von 1 bis 3 Prozent liegen, teilte der Konzern Anfang Dezember mit. Discounter-Ware statt Edles vom Deli-Shop scheint das Motto der amerikanischen Verbraucher für die Weihnachtsfeiertage zu sein.

Allerdings ist schon vielen Anlegern aufgefallen, dass Wal-Mart zurzeit eine der interessantesten Anlagemöglichkeiten am Aktienmarkt ist. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16 auf Basis des aktuellen Gewinns von 3,43 Dollar je Aktie ist der Titel schon hoch bewertet. Auf Basis eines für 2009 geschätzten Gewinns von 3,45 Dollar je Aktie fällt das KGV nur geringfügig niedriger aus. Auch wird Wal-Mart mit mehr als dem Dreifachen seines Buchwerts an der Börse gehandelt - auch dies ist ein relativ hoher Wert.

Analysten positiv gestimmt

Die Analysten sind durchgängig positiv gestimmt. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg empfehlen 20 der Analysten, die den Discounter regelmäßig verfolgen, die Aktie zum Kauf. Nur einer hält die Aktie für überbewertet, und sechs empfehlen, den Titel zu halten. Vor allem die jüngsten Einschätzungen sind eher positiv ausgefallen. Zuletzt hatte FTN Midwest Securities die Aktie zum Kauf empfohlen mit einem Kursziel von 67 Dollar. Das lässt dem Kurs angesichts einer aktuellen Bewertung von 55,24 Dollar reichlich Spielraum.

Dennoch scheint das Kurspotenzial der Wal-Mart-Aktie auf Basis der gängigen Bewertungsmethoden weitgehend ausgereizt zu sein. Demnach ist Wal-Mart eher für Anleger geeignet, die einen soliden Titel suchen, als für jene, die auf der Suche nach großen Wachstumschancen sind.

Text: hlr.
Bildmaterial: AP, F.A.Z., F.A.Z. - Cornelia Sick

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