Von John Dorfman, Bloomberg/Dorfman Investments
06. Oktober 2004 Meine vierteljährliche Verlustliste (Casualty List) beinhaltet Unternehmen, die im jeweiligen Vorquartal herbe Rückschläge einstecken mußten, von denen ich aber meine, daß sie ihr Comeback machen können. In diesem Quartal bringe ich UTStarcom, Merck & Co., United Online und The Sports Authority, die meiner Ansicht nach alle das Zeug für große Kurszuwächse haben.
Der vor Ihnen liegende Artikel ist der achtzehnte einer Mitte 2000 ins Leben gerufenen Serie. Von dem jeweiligen Zeitpunkt, zu dem ich die einzelnen Kolumnen verfaßt habe, bis einschließlich Freitag, 1. Oktober 2004, haben die Verlustlisten eine durchschnittliche Rendite von 67 Prozent erwirtschaftet.
Von den 17 Vorgängerlisten haben 15 einen Gewinn abgeworfen und dabei gleichzeitig den Standard & Poor's 500 Index geschlagen, dessen durchschnittliche Rendite über die verschiedenen Zeiträume hinweg zwölf Prozent betrug. Die beiden Listen, die sich bislang als Flop erwiesen haben, sind die vom vierten Quartal 2003 und vom ersten Quartal 2004; sie stehen momentan mit 17 und 18 Prozent im Minus. Die Beobachtungszeiträume reichen von drei Monaten für die jüngste bis 51 Monate für die erste dieser Listen. Die angegebenen Performancezahlen verstehen sich inklusive Dividenden. Für die vier neueren Listen habe ich die tägliche Neubewertung der relevanten Aktien herangezogen, während die älteren auf wöchentlichen Bewertungen basieren.
Schlechte Nachrichten als Kaufgelegenheit nutzen
Mit den 17 vorangegangenen Verlustlisten habe ich insgesamt 75 Einzeltitel empfohlen. Davon erwiesen sich bislang 54 Werte oder 72 Prozent als profitabel. Dieses Ergebnis spricht meiner Meinung nach für die Strategie, Aktien auf schlechte Nachrichten hin zu kaufen. Schließlich beruht die Idee des Investierens ja darauf, niedrig zu kaufen und hoch zu verkaufen. Wenn Sie schlechte Nachrichten, die zwar stimmen, aber nur temporärer Natur sind, als Kaufgelegenheit nutzen können, so haben Sie die erste Hälfte dieser Gleichung bereits in der Tasche.
Das bringt uns zum jüngsten Schwung negativer Nachrichten - und natürlich möglicher Kaufgelegenheiten: Die Aktien von UTStarcom, dem größten Mobiltelefonausrüster in China, brachen im vergangenen Quartal um 47 Prozent ein. Der Sitz des Unternehmens befindet sich in Alameda, Kalifornien. Eine Zeitlang gingen Analysten von einem Drittquartalsgewinn für UTStarcom in Höhe von rund 50 Cents je Aktie aus. Im Juli verkündete dann das Unternehmen, daß der Gewinn nur mit ungefähr 34 bis 35 Cents je Aktie zu Buche schlagen würde. Hinzu kommt, daß UTStarcom unter Bilanzierungsproblemen leidet, die für die verspätete Einreichung des Ergebnisberichts für das zweite Quartal mitverantwortlich waren.
Von diesen Schwierigkeiten einmal abgesehen hat UTStarcom in den vergangenen Jahren ein enormes Wachstum verzeichnet: So sind Umsatz und Gewinn von 188 und 11,5 Millionen Dollar im Jahr 1999 auf fast zwei Milliarden und 202 Millionen Dollar im Jahr 2003 gestiegen. Die Aktien des Unternehmens notieren nur mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von zehn, einem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) von 1,5 und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 0,83. Meine Firma hat in den jüngsten Monaten Aktien von UTStarcom für unsere etwas risikofreudigeren Kunden erworben. Ich persönlich besitze ebenfalls Anteilsscheine.
Merck: günstig und vielversprechend
Die Titel von Merck verbilligten sich im vergangenen Quartal um 30 Prozent. Grund für diese Talfahrt waren in erster Linie die Rückruf-Meldungen für Vioxx, ein von vielen Arthritis-Patienten eingesetztes Schmerzmittel. Merck mit Sitz in Whitehouse Station, New Jersey, ist der zweitgrößte Pharmakonzern in den Vereinigten Staaten. Am 30. September verkündete das Unternehmen, Vioxx vom Markt zu nehmen. Tests hätten ergeben, daß sich durch die langfristige Einnahme des mit rund zehn Prozent am Merck-Umsatz beteiligten Medikaments das Risiko von Herz- und Schlaganfällen erhöht. Laut den Schätzungen einiger Analysten hat Merck mit diesem Produkt bis zu 20 Prozent seines Gewinns bestritten. Andere wiederum gehen davon aus, daß Merck aus diesem Vorfall Rechtskosten einschließlich Schadenersatzzahlungen und Anwaltsgebühren in Höhe von bis zu zehn Milliarden Dollar erwachsen werden.
Bevor der Vioxx-Fall publik wurde, besaß ich Anteilsscheine von Merck. Mir persönlich scheint, daß mit dem Kurseinbruch von 27 Prozent allein am 30. September die Schwere des Schadens eine übertriebene Darstellung erfahren hat. Ich habe die momentane Schwäche genutzt, um meine Position in Merck entsprechend aufzustocken. Der Konzern hat im vergangen Jahr eine Eigenkapitalrendite in Höhe von 40 Prozent erwirtschaftet, während die Aktie eine stattliche Dividendenrendite von 4,4 Prozent bietet. Merck kann eine langjährige Erfolgsbilanz vorweisen, was die Erforschung neuer Medikamente betrifft. In jüngster Zeit präsentierte sich seine Produkt-Pipeline relativ mager, doch glaube ich, daß die traditionelle Stärke des Unternehmens im Forschungsbereich in Zukunft wieder in den Vordergrund rücken wird.
United Online: Gewinndefizit überzogen bewertet
Die Aktien von United Online brachen im vergangenen Quartal um 45 Prozent ein. Der Besitzer der beiden Internetzugangsdienste Juno und NetZero hatte nämlich einen Rückgang seines Gewinns für das zweite Quartal von 21 Cents im Vorjahr auf 19 Cents je Aktie bekanntgegeben. Hinzu kommt, daß laut Unternehmensangaben die Umsatzzahlen im dritten Quartal hinter den Erwartungen der Analysten zurückbleiben werden.
Ich möchte ja nicht leugnen, daß die Riege der Internetdienstleistungsanbieter einem starken Wettbewerb ausgesetzt ist. Ist aber ein Gewinndefizit von zwei Cents wirklich so furchtbar? United Online wird aktuell mit 10,35 Dollar je Aktie gehandelt, nachdem der Kurs zu Beginn des dritten Quartals noch bei 16,71 Dollar gelegen hatte. Auf Basis dieses abgespeckten Kurses notiert das Unternehmen mit einem KGV von zwölf (basierend auf dem Gewinn der vergangenen vier Quartale), einem KBV von 2,9 und einem KUV von 1,6. Nach den Verlustjahren 1998 bis einschließlich 2002 konnte der jetzt schuldenfreie Internetdienstleister für 2003 einen Gewinn ausweisen, der auch für 2004 ins Haus stehen soll.
Sports Authority attraktiv bewertet
Der letzte Favorit für meine 18. Verlustliste heißt Sports Authority mit Sitz in Englewood, Colorado. Der in allen Teilen der Vereinigten Staaten sowie in Japan operierende Sportartikeleinzelhändler konnte für sechs der vergangenen sieben Jahre einen Gewinn ausweisen, obwohl sich die Ertragslage des Unternehmens sehr schwankungsreich gezeigt hat. Vor kurzem habe ich eine Sports Authority-Filiale besucht und dort einige Artikel gefunden, die andere örtliche Filialen nicht in ihrem Sortiment hatten. Ich muß allerdings zugeben, daß der Laden nicht gerade übervölkert war.
Die Aktie des Einzelhändlers wurde im vergangenen Quartal durch einen Abschlag in Höhe von 35 Prozent belastet, da der für das zweite Quartal verbuchte Umsatz und Gewinn im Vergleich zu den ursprünglichen Prognosen des Unternehmens deutlich niedriger ausgefallen war. Sports Authority machte hierfür das kalte und nasse Wetter verantwortlich. Normalerweise stimmen mich solche wetterbezogenen Entschuldigungen ja immer skeptisch. In diesem Fall ist der Titel aber so günstig bewertet (KGV von zwölf, KBV von 1,3 und KUV von 0,25), daß ich nicht darauf verzichten wollte.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +45,13 | +15,20 |
| K+S AKTIENGESELLSCHA | -0,15 | -0,39 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -0,40 | -1,01 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -5,99 | -16,08 |
| DEUTSCHE POSTBANK AG | -3,87 | -14,61 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | -0,44 | -13,68 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.544,31 | -7,01 |
| TecDax | 516,75 | -4,81 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.421,87 | -7,86 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 8,83 | -10,45 |
| Euro/Dollar | 1,34 | +0,00 |
| Bund Future | 114,67 | -1,44 |
| Gold | 847,40 | +0,00 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |