Energie

Mildes Wetter setzt Preis für Rohöl unter Druck

Ölhandel an der Nymex

Ölhandel an der Nymex

04. Januar 2007 Ölaktien stehen im Abseits: Dies gilt für die Wertentwicklung im Börsenjahr 2006, aber auch für die ersten Handelstage dieses Jahres. Denn ein kräftiger Preisrutsch bei Rohöl setzt die Aktien der Ölgesellschaften seit Mitte der Woche erheblich unter Druck.

Die ebenfalls nachgebenden allgemeinen Rohstoffnotierungen belasten wiederum die Papiere der Minenkonzerne. So zählten die Aktien von Rohstoffkonzernen wie BHP-Billiton und Rio Tinto und von Ölunternehmen wie BP, Royal Dutch/Shell und Total am Donnerstag zu den größten Verlierern in Europa.

So billig war Rohöl zuletzt Mitte November

Ungewöhnlich mildes Wetter im Nordosten der Vereinigten Staaten hat den Preis für die amerikanische Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) am Donnerstag zeitweise um gut ein Prozent auf weniger als 57 Dollar je Barrel (rund 159 Liter) fallen lassen. So billig war Rohöl zuletzt Mitte November. Tags zuvor war der Ölpreis in der Spitze schon um mehr als 5 Prozent eingebrochen. Spekulationen über eine sinkende Nachfrage am größten Heizölmarkt der Welt und fehlendes Interesse von Investoren wurden im Ölhandel als Gründe für den Preisrutsch angeführt. Der Anteil von Heizöl am gesamten Ölbedarf der Vereinigten Staaten beträgt Barclays Capital zufolge 6 Prozent.

Allgemein prognostizieren viele Marktexperten jedoch - zumindest längerfristig - wieder höhere Ölnotierungen, da das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage am Ölmarkt angespannt bleiben dürfte. Vor allem neuerliche geopolitische Spannungen könnten die Preise kurzfristig wieder in die Höhe treiben. An der New Yorker Terminbörse Nymex ist derzeit Rohöl zur Lieferung im Herbst 2008 mit fast 65 Dollar je Barrel am teuersten. In Europa sind Energiewerte unter allen Branchen, gemessen an ihrem Stoxx-Unterindex, in der Jahresbilanz 2006 die Schlusslichter; die Aktienkurse haben sich kaum verändert. Auch der Ölpreis selbst hat das Jahr auf ähnlichem Niveau beendet, wie er es begonnen hatte. Doch nicht alle Ölwerte haben enttäuscht: Die Aktien von Chevron-Texaco und Exxon Mobil notieren etwa 30 beziehungsweise 37 Prozent höher als vor zwölf Monaten.

Doch selbst bei steigenden Ölpreisen bleiben Banken wie ABN Amro für Energieaktien pessimistisch gestimmt. Die aktuellen Aktienkurse basierten zwar auf vergleichsweise niedrigen langfristigen Ölpreisschätzungen, daher seien die Papiere auch günstig bewertet. Doch die Probleme, die bereits im Vorjahr die Aktienkurse belastet hätten, dürften ihre Gültigkeit behalten - seien es fehlende neue Ölreserven oder in die Höhe schießende Investitionskosten. Die großen Ölgesellschaften seien offensichtlich nicht willens, ihre hohen Erträge für Akquisitionen zu verwenden. ABN Amro erwartet, dass 2007 das Gewinnwachstum im Ölsektor nachlassen dürfte, während es allgemein abermals zunehmen sollte. Daher sollten Ölaktien neutral gewichtet werden. Andere Marktexperten äußern sich optimistischer zu den Aussichten im Energiebereich. Bei JP Morgan verweist man auf die im historischen Vergleich extrem günstige Aktienbewertung, die zudem auf extrem konservativen Wachstumsschätzungen basiere, und rät zum Übergewichten der Branche.

Energiesektor in der ersten Hälfte des Jahres oft relativ stark

Überdies tendiere der Energiesektor im Regelfall dazu, sich vor allem in der ersten Hälfte des Jahres besser zu entwickeln als der Gesamtmarkt. Auch Lehman Brothers setzt in einem Umfeld, in dem sich die Konjunktur abschwäche und das Gewinnwachstum nachlasse, aus Gründen langfristiger Wachstumschancen auf ein Übergewichten von Ölwerten weltweit. Der Sektor sei in vielerlei Hinsicht niedrig bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liege unter dem Durchschnittswert der vergangenen 18 Jahre. Weltweit erzielten Ölgesellschaften derzeit einen Ertrag von 20 Prozent auf das eingesetzte Kapital. Da die Ölpreise hoch bleiben dürften, sollten diese Erträge nachhaltig sein. Die Analysten haben die Aktien von Chevron und Saipem in ihr Musterportfolio aufgenommen, und Total entfernt. Die Top-Empfehlungen von Credit Suisse bei integrierten Ölkonzernen, die Förderung und Raffinierung betreiben, sind Royal Dutch/Shell, Hess, Suncor und Statoil.

Text: F.A.Z., 05.01.2007, Nr. 4 / Seite 21
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET, FAZ.NET, Daten: Bloomberg

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