Arabien

Dubai zeigt Euphorie und ihre Folgen

27. November 2009 Nach der desaströsen Entwicklung an den angelsächsischen Immobilienmärkten sowie analogen Boom- und Pleitephasen in Spanien und weiten Teilen Osteuropas zeigt die aktuelle Krise in Dubai, wohin Wachstumsphantasien in Verbindung mit zunächst überaus generöser Liquiditätsversorgung führen können. Zunächst zu einer beinahe unglaublichen Euphorie und entsprechendem Preisauftrieb.

Dann jedoch in und oder an den Rand einer Pleite, sobald entstandene Kurs- und Preisblasen in sich zusammen fallen und Schuldner, die mit zu viel Fremdmitteln operiert haben - im Boom steht immer zuviel Kredit zur Verfügung -, nicht umschulden können und in Zahlungsverzug geraten. Das zwingt sowohl Kreditgeber als auch Anleger zu einer Neubewertung der Risiken.

Steigende Kreditausfallversicherungs-Kosten und unterdurchschnittliche Entwicklung der Börsen

Diese zeigt sich sowohl in Form der Preise, die für die Versicherung gegen einen Kreditausfall - so genannter credit-default swaps - bei arabischen Unternehmen und Staaten bezahlt werden, als auch in der unterdurchschnittlichen Entwicklung der Börsen der Region. Die meisten Aktienmärkte der Golfregion haben sich in den vergangenen Monaten zusammen mit den Weltbörsen von den zum Teil massiven Kursrückschlägen des vergangenen Jahres etwas erholt, jedoch nicht alle.

Der Bahrain All Share Index zum Beispiel befindet sich auf dem tiefsten Stand seit mindestens fünf Jahren. Das kann kaum verwundern, denn er wird von Bank- und Versicherungswerten dominiert. Dieser Markt zahlt nun die Zeche dafür, dass das kleine Königreich in den vergangenen Jahren des Finanzbooms versuchte, sich als Finanzmetropole zu etablieren. Ähnliches gilt auch für Dubai, wo der Markt von Versicherungs-, Banken-, Bau- und Immobilienwerten bestimmt wird. Genau diese Unternehmen spüren nun jedoch die Folgen des Preisverfalls an den regionalen Immobilienmärkten. Sei es in Form zunehmenden Abschreibungsbedarfs oder ausbleibenden Geschäfts.

Zum Börsenkurs

Der Dubai Financial Market General Index hat seit Jahresbeginn in lokaler Währung knapp 28 Prozent zugelegt. Der Index wird dominiert vom Immobilienunternehmen Emaar Properties. Der Titel hat ein Gewicht von etwas mehr als 23 Prozent und hat ihn mit einem Kursgewinn von 135 Prozent seit Februar maßgeblich mit nach oben gezogen. Die Anteile Emaars befinden sich - ähnlich wie bei Dubai World (siehe: Dubai schockt die Finanzmärkte) - ebenfalls zu einem großen Teil von mehr als 30 Prozent in den Händen der Regierung des Landes.

Wirtschaftlich dubiose Projekte von Emaar Properties

Emaar Properties entwickelt und betreut bekannte und große Projekte, die in Dubai verwirklicht werden. Dazu zählen - neben vielen anderen - die Dubai Mall mit rund 1.000.000 Quadratmetern Nutzfläche oder der höchste Wolkenkratzer der Welt, der Burj Dubai. Dieses Gebäude war von Anfang an umstritten, weil es sich noch nie gerechnet hat. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben mehr als 65 Milliarden Dollar investiert und ist weltweit tätig. Allerdings dominieren die Investitionen in der Region das Geschäft und machen es entsprechend anfällig.

Die zweit- und drittstärksten Werte im Index sind die Papiere der Banken Emirates NBD und Dubai Islamic Bank, mit Gewichten von 15,6 und knapp neun Prozent, gefolgt von den Papieren des Dubai Financial Market, der Dubai Investment PJSC und der Mashreqbank PDC mit Gewichten von plus minus fünf Prozent. Zwei dieser Unternehmen wurden im Rahmen der Dubai-World-Krise und der dadurch entstehenden Risiken von den Ratingagentur S&P auf die Beobachtungsliste gesetzt. Die Papiere der Mashreqbank verloren seit Mitte des vergangenen Jahres mehr als 60 Prozent ihres Wertes - was für sich und gegen die Aktie spricht -, während die Aktien des Dubai Financial Market massiv überbewertet sind.

Die abnehmende Kreditwürdigkeit Dubais zeigt sich am deutlichsten an der Entwicklung der credit-default swaps. Sie zählten in den vergangenen Wochen zu den schwächsten weltweit. Der Swapsatz für Kontrakte mit einer Laufzeit von fünf Jahren ist von rund 300 Basispunkten noch zu Beginn des Monats auf zuletzt 541 Basis- oder 5,4 Prozentpunkte gestiegen. Kontrakte auf die Mashreqbank haben um 282 Basispunkte und die auf die Emirates Bank International um mehr als 300 Basispunkte angezogen. Das zeigt, dass die Immobilien- und Finanzkrise am Golf weiterhin ihre Kreise zieht. Weitere Überraschungen scheinen nur eine Frage der Zeit zu sein, sofern man sich überraschen lässt (siehe auch: „Als Anleger kann man nicht auf Rohstoffe verzichten“, vierte Frage).

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2010.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Die perfekte Wohnung oder das ideale Haus zum Kaufen oder Mieten: Jetzt über 960.000 Angebote bei Immowelt.de und FAZ.NET!

Finanzkrise in Dubai

Erinnerung an die Fakten

Nach der beinahe schon euphorischen Stimmung der vergangenen Monate werden die Finanzmärkte von der Realität eingeholt und korrigieren deutlich. Die Finanzkrise im Golfemirat Dubai zeigt, dass längst nicht alles Gold ist, was glänzt.

Schuldenmoratorium

Dubai schockt die Finanzmärkte

Die Bitte um Zahlungsaufschub löst auf der ganzen Welt Sorgen über die wirtschaftliche Lage in der Golfregion aus. Der Goldpreis erreicht ein Allzeithoch. Der Dollar bleibt schwach. An den Börsen kommt es zu Verlusten. Von Markus Frühauf

Dubai:

Zahlungsnöte erschüttern Märkte

Die Geldnöte des einstigen Boom-Emirats haben Ängste vor einer neuen Welle der Finanzkrise ausgelöst. An den Märkten in Europa und Asien kamen am Donnerstag Zweifel an der Zahlungsfähigkeit anderer Golf-Staaten aus.

Renten- und Devisenmarktbericht

Dubai-Schock löst Flucht in Staatsanleihen aus

Die Nachricht von Zahlungsproblemen des Golfemirates Dubai hat die Investoren am Donnerstag in den sicheren Hafen der Staatsanleihen flüchten lassen. Der Bund-Future legte um 88 Stellen auf 123,53 Prozent zu.

Vietnam stemmt sich gegen die Krise

HANOI, 25. November. Ta Thi Hien und ihre Familie haben alles richtig gemacht. Die eine Tochter lernt in Hanoi nicht nur Englisch, sondern auch Chinesisch. "Die neue Weltsprache, ob es uns gefällt oder nicht", sagt Frau Hien.

Blick auf die Börsen

Ist die „Ramschaktien-Rally“ nachhaltig?

Konzentrieter Handel an der Wall Street

Konservative Anleger gerieten in den vergangenen drei Monaten ins Hintertreffen, als die Aktien risikoreicher und finanziell angeschlagener Unternehmen den Rest des Marktes in den Schatten stellten. Nun scheint sich das zu ändern. Von Ben Steverman

Aktienmarkt-Analyse

Zinserhöhung bremst die Börse in Vietnam aus

Als erstes asiatisches Land hat Vietnam die Leitzinsen erhöht. Außerdem wurde die Landeswährung Dong abgewertet. Den Aktienkursen bekam dies überhaupt nicht gut. Der VN-Index fiel um 4,5 Prozent.

Blick auf die Börsen

„Ramschaktien“ führen die Rally an

Schlecht laufende Geschäfte - boomende Aktie

Konservative Anleger gerieten in den vergangenen drei Monaten ins Hintertreffen, als die Aktien risikoreicher und finanziell angeschlagener Unternehmen den Rest des Marktes in den Schatten stellten. Nun stehen sie unter Zugzwang. Von Ben Steverman

Erwartungshausse

Die Flut trägt auch die schwachen Boote nach oben

Spezial Nach dem Ausverkauf in der zweiten Hälfte des Jahres 2008 setzte in den etablierten Märkten im März eine rasante Erholungsrally ein. Sie lässt sich einfach charakterisieren: „Die Flut trägt auch Boote mit den größten Lecks nach oben“.

nach oben

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2010 Partner-Portal: NZZ Online

Quellen: Technologie und Kursdaten von der TeleTrader Software AG sowie Fondsdaten aus der FWW-Fondsdatenbank, FWW GmbH. Dieser Service ist powered by X.finance GmbH & Co. KG, © 2009. Alle Börsendaten werden mit mindestens 15 Minuten Verzögerung dargestellt.