06. Oktober 2003 hi. FRANKFURT, 6. Dezember. Der Preis für Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) in New York hat noch nicht einmal zwei Wochen nach dem Ende seines steilen Absturzes von gut 32 Dollar auf etwa 27 Dollar je Barrel (159 Liter) rund drei Viertel des Verlusts wieder aufgeholt. Dabei überstieg der nahe November-Kontrakt zuletzt die Marke von 30 Dollar. Analysten sehen in diesem steilen Aufschwung mehr als eine technisch bedingte Reflexerholung. Sie vermuten eher, daß der Markt damit eine horrende Übertreibung nach unten hin ausbügele. Wie die Terminspekulation die treibende Kraft der vorausgegangenen, Ende August entstandenen Schwächephase gewesen sei, so spiele sie auch beim laufenden Aufschwung eine herausragende Rolle, heißt es weithin. Jetzt decke sie in Panik zuvor errichtete Baissepositionen ab und errichte neue Kaufengagements.
Auf der fundamentalen Seite raten Fachleute, zwischen den täglich je nach Marktlage wechselnden Argumenten und dem großen fundamentalen Bild zu unterscheiden. Im ersten Fall folgten die Nachrichten und Argumente den Preisen und verwirrten daher eher, als daß Klarheit geschaffen werde. Das große, also über den Tag hinaus gültige Bild lasse einen unterversorgten Markt erkennen, und dies ausgerechnet zu Beginn der Phase des stärksten Verbrauchs. Sie beginnt mit der Heizperiode auf der nördlichen Halbkugel.
Der am 24. September getroffene Beschluß der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), die Förderung vom 1. November an um 900 000 Barrel auf 24,5 Millionen Barrel am Tag zu senken, gewinnt vor diesem jahreszeitlichen Hintergrund nach dem Urteil einer wachsenden Zahl von Analysten eine brisante Bedeutung. Immer wieder erinnern über den Tag hinausblickende Händler an die Tatsache, daß sich die kommerziellen, also frei verfügbaren Ölvorräte in den bedeutenderen Verbraucherländern insgesamt weiterhin auf einem im langjährigen Vergleich sehr niedrigen Niveau befinden. Die überzogene Publizität, die den wöchentlich erscheinenden Daten über die amerikanischen Ölbestände zukomme, erwecke den falschen Eindruck, als entspanne sich die Versorgungslage rapide. Tatsächlich steigen die Ölvorräte dort seit Wochen beachtlich. Händler erklären jedoch, was in Amerika als Bestandszunahme zu verzeichnen sei, fehle sehr wahrscheinlich andernorts. Der amerikanische Markt werde vor allem von Saudi Arabien gezielt beliefert. Dies könne noch bis in den November hinein fortdauern.
Die nicht der Opec angehörenden Förderländer, die in der Vergangenheit Beschlüsse des Kartells unterstützt haben, zeigen sich unterdessen diesmal nicht bereit, ihre Förderung zu drosseln. Der russische Staatspräsident Putin hat jedoch kürzlich erklärt, sein Land würde eine Produktionssenkung erwägen, wenn der Ölpreis unter Druck bleiben sollte. Beobachter deuten dies als Hinweis auf eine mögliche Annäherung der russischen Förderpolitik an die der Opec.
Die zuletzt feste Tendenz des Ölpreises geht nach Darstellung von Händlern auch auf die Nachricht zurück, daß die führende Gewerkschaftsorganisation in Nigeria für Donnerstag zu einem neuen Generalstreik aufgerufen hat. Er könne längere Zeit dauern, erklärte sie. Dies ließ Befürchtungen über eine neuerliche Unterbrechung der Produktion und des Exports von Rohöl aufkommen. In Venezuela brodelt es ebenfalls weiter. Beobachter argwöhnen, daß auch dort jederzeit ein neuer Generalstreik ausbrechen und den Ölexport drastisch sinken lassen könnte, wie dies bereits von Anfang Dezember 2002 an einige Monate lang zu verzeichnen gewesen sei. Dies hatte starke Turbulenzen am Ölmarkt ausgelöst.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2003, Nr. 232 / Seite 25
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,21 | +5,71 |
| K+S AKTIENGESELLSCHA | +1,53 | +4,01 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +2,15 | +3,49 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -1,69 | -14,20 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -4,28 | -8,94 |
| DEUTSCHE POSTBANK AG | -2,36 | -7,65 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.326,63 | -1,12 |
| TecDax | 573,04 | -5,15 |
| DowJones | 9.447,11 | -5,11 |
| Nasdaq | 1.754,88 | -5,80 |
| STOXX 50 | 2.878,82 | +0,22 |
| Nikkei 225 | 10.155,90 | -3,03 |
| S&P 500 Zert. | 10,50 | -1,78 |
| Euro/Dollar | 1,36 | +0,67 |
| Bund Future | 117,28 | +0,26 |
| Gold | 888,80 | +3,14 |
| Öl | 85,76 | -1,06 |