Aktien

Knut krabbelt an die Börse

Von Bernd Mikosch

Knut erweicht selbst die Herzen der Finanzprofis

Knut erweicht selbst die Herzen der Finanzprofis

03. April 2007 Die Finanzprofis nehmen gerne für sich in Anspruch, ihrer Zeit voraus zu sein. Sie „spielen“ Trends schon, wenn andere von einem Thema noch gar nichts gehört haben. Der Dax nahm schon 2003 Fahrt auf, als die Wirtschaft noch brach lag. Und als das Thema Bioethanol in der Politik ankam, war der Zuckerpreis nach einem gigantischen Höhenflug längst wieder auf dem Weg nach unten. Doch ein Thema haben die Finanzmärkte völlig verschlafen: Knut.

Dabei gibt es eine einfache Möglichkeit, in Knut zu investieren: die Aktie des Berliner Zoos. Schon Mitte März wurde der knuddelige Eisbär populär, doch die Börse entdeckte sein Potential erst am Montag. Die Aktie legte im Vergleich zum Schlusskurs vom Freitag fast 46 Prozent zu und kostete 3500 Euro - so viel wie seit dem Jahr 2001 nicht mehr. Am Dienstag ging es weitere elf Prozent nach oben auf 3900 Euro.

Knut soll Geld in die Kasse spülen

In der Vergangenheit freilich war die Aktie des Zoologischen Gartens Berlin kein gutes Investment. 1999 waren für die Titel teilweise 11.000 Euro zu zahlen. Dann ging es steil bergab: 2001 fiel der Kurs unter die Marke von 2000 Euro. Seither läuft die Aktie volatil seitwärts - viel Geld war mit ihr bislang also nicht zu verdienen. Bis Knut auch die Herzen der Börsianer eroberte.

Sie könnten hoffen, dass der Berliner Zoo mit Knut richtig Geld verdient. Denn der mittlerweile fast vier Monate alte Eisbär wird umfassend vermarktet. Handy-Anbieter haben Knut-Logos, -Töne und -Videos im Angebot. Fan-Artikel wie DVDs, Schlüsselbänder, Postkarten, Poster, T-Shirts oder Plüschbären finden reißenden Absatz. Mehrere Plattenfirmen verdienen Geld mit Knut-Songs. So sollen Frank Zander und die kleine Kitty mit Knut die Charts stürmen.

Sonderbusse zu Ostern

Björn Sander von der Unternehmensberatung BBDO glaubt, dass die Marke Knut einen potentiellen Marktwert von bis zu 13 Millionen Euro hat. Das hält der Zoo zwar für etwas übertrieben, einige Rechte habe man sich aber gesichert. So stellten der Zoo und Steiff am Dienstag das Eisbärenbaby als Stofftier vor. Verträge mit weiteren Lizenznehmern sollen folgen, sagte Gerald Uhlich, der kaufmännische Direktor des Zoos.

Täglich kommen mehr als 15.000 Besucher, um Knut zu sehen. Und der Höhepunkte könnte erst noch kommen, schließlich werden zu Ostern sogar Sonderbusse erwartet. Insgesamt rechnet der Zoo 2007 mit bis zu 300.000 zusätzlichen Besuchern. Bei Eintrittspreisen von elf Euro ist das ein gutes Geschäft.

Nur fünf Aktien gingen um

Ein gutes Geschäft wäre dem Berliner Zoo freilich zu wünschen. Die AG ist seit Jahrzehnten defizitär. Der Umsatz steigt zwar einigermaßen konstant, doch schwarze Zahlen sind noch fern. Immerhin sank der Verlust je Aktie von etwa 500 Euro im Jahr 1994 auf rund 200 Euro im Jahr 2005. Der Trend stimmt also - auch das zählt an der Börse.

Anleger, die mit Knut Geld an der Börse verdienen wollen, sollten allerdings nicht voreilig handeln: Die AG ist gemeinnützig und gar nicht auf Gewinnerzielung aus. Fest steht, dass der Berliner Zoo alles Geld, das Knut in die Kassen spült, in Projekte zum Artenschutz stecken wird. Auf eine Dividende sollten Aktionäre nicht hoffen. Dafür erhalten sie kostenlosen Eintritt.

Diesen haben sich am Montag und Dienstag übrigens jeweils höchstens fünf Anleger gesichert - nur so viele Aktien des Berliner Zoos gingen nämlich um. Darum wäre es vielleicht doch übertrieben, auf dem Parkett die Knut-Alarm-Glocke zu läuten. Ohnehin haben es die Börsianer nicht so sehr mit Bären. Bullen sind ihnen lieber.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, FAZ.NET

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