Von Ben Steverman

Hort der Stabilität: Banken aus Houston, Texas, schlagen sich in der Finanzkrise bisher besonders gut
11. Juni 2008 Es ist inzwischen ein wiederkehrendes Thema der Kreditkrise: Jede Woche sieht sich ein anderes Unternehmen der Finanzbranche gezwungen, frisches Kapital einzusammeln, um die gewaltigen Löcher in der Bilanz zu stopfen. Am 9. Juni war die Investmentbank Lehman Brothers an der Reihe, die nach einem Verlust von 2,8 Milliarden Dollar im zweiten Quartal eine Kapitalerhöhung in Höhe von 6 Milliarden Dollar ankündigte.
Angesichts der Höhe der infolge der Subprime-Krise entstandenen Schäden ist es daher nicht selten eine Überraschung, wenn man auf ein Finanzunternehmen stößt, das im vergangenen Jahr gegen den Trend erfolgreich war. Doch: es gibt sie wirklich, dieungiftigen Finanzaktien - jene von Unternehmen, die sich nicht in hochriskanten Finanzinstrumenten engagierten, die vielen Akteuren der Branche die Bilanz verhagelten.
Selbst in den am stärksten betroffenen Gebieten der Finanzbranche - etwa bei Investmentbanken, diversifizierten Finanzkonzernen oder regionalen Hypothekenfinanzierern - tummeln sich einige gut geführte Unternehmen, die dem Sturm trotzten.
Ein Einstieg bei U.S. Bankcorp zahlte sich aus
Beispielsweise U.S. Bancorp: Fast alle anderen amerikanischen Großbanken, angefangen bei den Giganten Bank of America und Citigroup, gerieten in dem für Bankgeschäfte härtesten Umfeld der jüngsten Geschichte unter die Räder. Die Aktien von U.S. Bancorp bescherten den Anlegern jedoch seit Ausbruch der Krise im vergangenen August trotz hoher Volatilität immerhin einen kleinen Gewinn.
Während viele Hedge-Fonds durch faule Subprime-Kredite kräftig Federn lassen mussten, konnten die Fonds von Black Rock diese Entwicklung antizipieren und von den Hypotheken- und Kreditproblemen profitieren. Der Online-Broker Charles Schwab hielt sich von riskanten Subprime-Papieren fern, die seinem Wettbewerber E-Trade Financial schwer zu schaffen machten und schlug anschließend Kapital aus der Schwäche seines Konkurrenten, indem er neue Kunden akquirieren konnte.
Auch manche Regionalbank überrascht
Auch einigen regionalen Unternehmen gelang es, die Anleger zu überraschen. So stieg etwa die Aktie von Hudson City Bancorp aus Paramus (New Jersey) seit vergangenem August um fast 40 Prozent, während UMB Financial aus Kansas City (Montana) um knapp 35 Prozent zulegen konnte.
Es ist alles eine Frage des Kapitals, sagt Don Wordell, Portfoliomanager vom RidgeWorth Mid-Cap Value Equity Fund. Unternehmen sind auf ausreichende liquide Mittel angewiesen, um stürmische Zeiten zu überstehen, und jene mit knappen Kassen sind gezwungen, neue Anleger ins Boot zu nehmen und zusätzliche Aktien auszugeben, wodurch die Anteile der Altaktionäre verwässert werden.
U.S. Bancorp ist effizient strukturiert
Erfolgreiche Finanzunternehmen haben sich unterschiedlicher Strategien bedient, um eine ausreichend hohe Kapitalausstattung zu gewährleisten. U.S. Bancorp beispielsweise konnte mit Kosteneinsparungen in einer ohnehin bereits effizienten Unternehmensstruktur glänzen. Wenn man starke Gewinnmargen generiert, besitzt man einen größeren Spielraum zur Bewältigung von Kreditschwierigkeiten, sagt Blake Howells von Becker Capital Management.
Terry Morris vom National Penn Investors Trust sieht in einem niedrigen Schuldenstand ein weiteres Merkmal starker Finanzunternehmen während der Kreditkrise. Je höher die Verschuldung, desto geringer die Flexibilität bei Auftreten von Problemen, so Morris.
Eine konservative Unternehmenskultur zahlte sich aus
Alle erfolgreichen Finanzunternehmen haben Mittel und Wege gefunden, um ihre Verluste aus faulen Hypothekenkrediten oder anderen giftigen Kreditinstrumenten zu begrenzen. Black Rock und andere Akteure schafften dies, indem sie zur rechten Zeit die richtigen Wetten abschlossen. Die meisten von ihnen vermieden Verluste jedoch auf altmodische Weise - mit umsichtiger Kreditvergabe und konservativer Investmentpolitik.
Sie hielten an Altbewährtem fest, sagt Robert Ellis von der Finanzberatungsgesellschaft Celent. Während andere Banken mit aggressiveren Strategien satte Gewinne einstrichen, wussten sie, dass sie nicht der Herde folgen sollten. Sie vertrauen auf ihr eigenes Geschäftsmodell, so Ellis.
Anstatt Darlehen zu vergeben, Forderungen aus Hypothekenkrediten zu verbriefen und sie an Investoren zu verkaufen, verliehen Banken wie Hudson City ihr Geld auf die althergebrachte Art, indem sie die Kredite auf ihre eigenen Bücher nahmen. Dies zwinge Banken zu einer konservativeren Kreditvergabe, sagt John Jay, leitender Analyst bei der Marktforschungs- und Beratungsgesellschaft Aite Group.
Texas ist ein starker Standort für Banken
Doch selbst mit konservativen Kreditvergabepraktiken können Banken in Schwierigkeiten geraten, wenn sie in einer Nische oder Region tätig sind, die von der Kreditkrise stark gebeutelt wurde. Portfoliomanager Jim Bell von Liberty Ridge Capital sieht daher Texas als idealen Ort, um nach Banken mit einem solideren Fundament zu suchen, da der in diesem Bundesstaat boomende Energiesektor positiv auf die Wirtschaft eingewirkt hat. Bell favorisiert die Aktie von Cullen/Frost Bankers mit Sitz in San Antonio.
New York Community Bancorp ist ein weiteres Beispiel für eine Bank in einer gewinnträchtigen Nische. Das Unternehmen hat sich auf die Kreditvergabe an Vermieter von Apartmentgebäuden mit Mietpreisbindung oder begrenzter Mieterhöhungsmöglichkeit in New York City spezialisiert, was sich bislang als relativ risikoarm erwiesen hat.
Auf die Qualität der Kredite kommt es an
In harten wirtschaftlichen Zeiten spielt die Kreditqualität für den Erfolg einer Bank eine entscheidende Rolle. Doch Unternehmen können sogar noch erfolgreicher sein, wenn sie Erträge erwirtschaften, ohne hierfür das Risiko der Kreditvergabe eingehen zu müssen. Aus diesem Grund zählen jene Unternehmen zu den Aktienmarktfavoriten, die ihre Gewinne durch Gebühren erzielen. Damit ist man in diesem Marktumfeld sehr viel besser gewappnet, sagt William Schultz von der Finanzberatungsgesellschaft McQueen, Ball & Associates.
So erzielt beispielsweise T. Rowe Price Erträge aus Vermögensverwaltungsgebühren. Auch viele Banken besitzen neben der Kreditvergabe ein einträgliches Geschäft zur Generierung von Gebührenerträgen. U.S. Bancorp verfügt sowohl über einen Geschäftsbereich für Zahlungsdienstleistungen als auch über eine Vermögensverwaltungssparte. Unternehmen wie die Knight Capital Group und die Interactive Brokers Group erwirtschafteten ihre Erträge durch Abwicklung großer Handelsvolumina an Wertpapierbörsen während der Krise.
Sollten die Häusermarkt-, Hypotheken- und Kreditprobleme in Kürze nachlassen, würden die genannten Unternehmen wahrscheinlich in den Hintergrund treten, während die Aktien ihrer weniger konservativen Konkurrenten zur Erholung ansetzen dürften. Doch viele Anleger spekulieren darauf, dass noch einige Zeit ins Land ziehen wird, bis die Schäden der Kreditkrise geheilt sind, weshalb Banken und andere Finanzunternehmen, die an Altbewährtem festhalten, weiterhin attraktiv bleiben werden.
Ben Steverman ist Reporter für den Business Week Investing Channel.
Text: Business Week Online
Bildmaterial: AP, F.A.Z.
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| Infineon | 3,35 € | +5,85% |
| Dt. Boerse | 57,78 € | +2,81% |
| Volkswagen | 104,78 € | +2,73% |
| ThyssenKrupp | 23,72 € | +2,11% |
| BASF | 39,46 € | +1,91% |
| Lufthansa | 11,13 € | −0,04% |
| Beiersdorf | 42,12 € | −0,33% |
| Henkel Vz | 32,25 € | −0,46% |
| FMC | 35,35 € | −0,90% |
| K+S | 38,03 € | −1,48% |
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.686,58 | +1,31% |
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| Eurostoxx 50 | 2.889,91 | +1,17% |
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Durchschnitt 200 Tage |
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Euro-Aktien-Index11.11.2009 13:50 |
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