24. Mai 2004 Der anstehende Börsengang der Internetsuchmaschine Google erregt die Gemüter von Analysten und Anlegern nicht nur wegen der Aussicht auf hohe Kursgewinne. Auch der geplante Weg an die Börse ist eher ungewöhnlich. Denn das Unternehmen möchte ihn in Form einer Auktion wagen. Standard ist dagegen ein sogenanntes Bookbuilding-Verfahren, in dessen Verlauf Investmentbanken den Preis der Aktien festlegen und diese dann den Anlegern zuteilen. Das Auktionsverfahren hingegen wurde bisher nur in wenigen Fällen angewendet.
Interessant ist nicht nur, daß Google die eigenen Aktien über eine Auktion versteigern will - sondern auch die Tatsache, daß sich das Unternehmen dabei direkt an den Endverbraucher, sprich: den Anleger wendet. Auf diese Weise entgehen den sonst üblichen Zwischenhändlern, also Banken, Brokern und sonstigen Anlageberatern, beachtliche Einnahmen. Auf der anderen Seite hat das Unternehmen vollen Zugang zur geballten Nachfrage nach den eigenen Aktien.
Holländisches Verfahren führt nicht zum höchsten Preis
Auch die Wahl des Verfahrens an sich ist bemerkenswert. Denn es handelt sich um eine so genannte holländische Auktion, wie man sie beispielsweise bei Staatsanleihen findet. In ihrem Rahmen geben die Kunden ihre Preisvorstellung und die gewünschte Anzahl an Aktien an. Anschließend werden die Gebote mit dem höchsten Preis beginnend zusammengezählt, bis die Summe der auszugebenden Aktien erreicht ist. Zugeteilt wird dann zum Preis des niedrigsten Gebotes, das noch akzeptiert wird.
Kritiker dieses an sich marktwirtschaftlichen Verfahrens befürchten, eine Auktion könne zu einer instabilen Anlegerbasis führen. Sie führen auch die Sorge vor eine spekulativen Übertreibung an: Privatanleger gingen ohne konkrete Vorstellung vom "wahren" Preis des Unternehmens und ohne unterstützendes Forschungsmaterial von den begleitenden Emissionsbanken in die Auktion und böten zu viel für die Aktie. Es sei auch schlecht, wenn der Preis der Aktie von Anfang an zu hoch liegen und damit die Aussicht auf weitere Kurssteigerungen trüben könnte (siehe auch: Nicht alle Einwände gegen das Auktionsverfahren überzeugen)
Aktie dürfte eher überteuert an den Markt kommen
Solche Argumente klingen gut und sprechen möglicherweise zumindest ein Stück weit gegen das gewählte Verfahren. Die Erfahrung zeigt allerdings, daß das traditionelle Verfahren des Bookbuildings nicht besser war. Oft wurden die Emissionspreise - zumindest mit Blick die folgende erste Kursentwicklung - zu tief angesetzt. Auf diese Weise entging den Unternehmen gutes Geld, das sie sonst zusätzlich hätten einnehmen können. Andererseits ist nachträglich wohl klar geworden, daß die Emissionspreise der Unternehmen bezogen auf den inneren Wert sehr oft zu hoch waren. Der Kauf der Papiere war damit pure Spekulation. Wer also vor spekulativen Übertreibungen warnt und gleichzeitig auch noch auf das zumindest damals teilweise unseriöse Researchmaterial der Banken hinweist, macht sich mit seiner Kritik ein Stück weit lächerlich.
Wenn das Unternehmen, wie verschiedentlich berichtet, voraussichtlich mit einem Börsenwert von etwa 20 Milliarden Dollar auf den Markt käme, so führte das bei einem Umsatz von knapp einer Milliarde Dollar im vergangenen Jahr zu einem unseriösen Kurs-Umsatzverhältnis von knapp 20. Rechnet man mit einem Jahresgewinn von 256 Millionen Dollar, so führte das zu einem sehr teuren Kurs-Gewinn-Verhältnis von kapp 80. Auf dieser Basis sollten Privatanleger wohl eher die Finger von diesem Papier lassen.
Denn nicht nur der Ausgang der Auktion ist nicht sonnenklar - siehe: "Institutionelle Anleger werden strategisch bieten" -, sondern auch der weitere Erfolg des Geschäftsmodells steht in den Sternen. So arbeiten einige Konkurrenten an ähnlichen Suchalgorithmen und Vermarktungsmodellen, wie sie das Unternehmen umsetzt. Siehe auch: Die Suchmaschine verirrt sich auf dem Weg zur Börse. In diesem Sinne scheint es ratsam zu sein, sich nicht die Finger mit der Aktie zu verbrennen. Noch hat er Zeit, sich genaustens zu informieren. Denn das Unternehmen hat den IPO-Antrag (S1) gestellt. Dieser wird nun von den amerikanischen Behörden (SEC) geprüft. In der Regel dauert es circa ein halbes Jahr, bis ein solcher Antrag dann "durch" ist.
Text: @cri