Einzelhandel

Richemont-Aktie vom Preis her noch kein Luxusgut

19. November 2004 Am zweiten Tag hintereinander ziert die Aktie von Richemont zum Wochenschluß die Spitze des Swiss Market Index (SMI). Der Titel legt um 0,83 Prozent auf 36,40 Franken zu; das Tageshoch steht bei 36,65 Franken. Mithin schickt sich die Aktie an, ihr frisch markiertes Zweieinhalbjahreshoch von 36,20 Franken auszubauen. Das Papier profitiert von der gut laufenden Luxusgüter-Konjunktur und sehr guten Halbjahreszahlen von Richemont sowie einem zuversichtlichen Ausblick.

Nicht zuletzt ist der Titel im Branchenvergleich günstig bewertet und bewegt sich im Aufwärtstrend. Allerdings läuft er auf technische Hürden zu. Und gemessen an Kurszielen von Analysten der Bank Sarasin ist das Aufwärtspotential nicht sehr groß. Die Deutsche Bank hat ihr Kursziel indes frisch erhöht.

Erwartungen des Marktes übertroffen

Der Luxusgüterkonzern, der Luxusuhren wie Cartier sowie Bekleidung vertreibt, hat im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2004/05 dank einer anhaltenden Nachfrageerholung seine Profitabilität stark steigern können und den Betriebsgewinn um 157 Prozent auf 208 Millionen Euro erhöht. Der Gruppengewinn nahm um 42 Prozent auf 411 Millionen Euro zu. Damit hat Richemont die Erwartungen des Marktes übertroffen: Analysten hatten für das erste Halbjahr im Durchschnitt einen Betriebsgewinn von 192 Millionen Euro und einen Konzerngewinn von 387 Millionen Euro erwartet.

Im Gewinn sind 238 Millionen Euro aus dem Anteil am Tabakkonzern American Tobacco enthalten, wie der weltweit zweitgrößte Luxusgüterkonzern am Donnerstag bekanntgab. Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 1,739 Milliarden Euro. Im Oktober seien die Umsätze um acht Prozent gestiegen, hieß es zur weiteren Entwicklung. Europa und Asien hätten gute Ergebnisse verzeichnet, in Amerika habe sich das Wachstum etwas verlangsamt.

Zuversichtlicher Ausblick

Richemont erwartet nach einer in den vergangenen Monaten anhaltenden Erholung des Luxusgütermarkts ein starkes Weihnachtsgeschäft und sieht für sein Geschäftsjahr 2004/05 eine deutlich steigende Profitabilität. Für das gesamte Geschäftsjahr 2004/05 sieht Richemont nun ein deutlich besseres Betriebsergebnis.

Analysten zollten den Halbjahreszahlen und dem Ausblick Lob. Das Bankhaus Sarasin bescheinigt der Marke Cartier einen guten Schwung, während Schreibwaren sowie Lederwaren und Accessoires etwas schwächer als erwartet abgeschnitten hätten. Zudem wird die lediglich schwache Steigerung der operativen Marge als enttäuschend bezeichnet. Der Ausblick ist indes positiv, wie Analyst Patrick Hasenböhler meint. Die Prognose habe sich im Vergleich zu Angaben von September verbessert. So gebe es nur wenige Zweifel, daß Richemont die Schätzungen von Sarasin von 3,665 Milliarden Euro beim Umsatz und 633 Millionen Euro (nach 441 Millionen Euro im Vorjahr) beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) erreichen werde.

Aus Sicht von Sarasin ist die Aktie 39 Franken wert, die Deutsche Bank sieht den Titel jetzt mit 41,50 Franken nach 38 Franken als gut bezahlt an. Beide Häuser empfehlen den Titel zum Kauf.

Günstiger als Burberry, Bulgari und LVMH

Gemessen an den genannten Werten ergibt sich ein Kurspotential von bis 7,1 Prozent bis gut 13 Prozent. Von der Bewertung her könnte die Aktie dieses Potential nutzen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,7 für das laufende Geschäftsjahr ist der Titel neutral bewertet, aber günstiger als Burberry (19,1), LVMH (20.6) oder Bulgari (24,2). Wer in Luxusgüter-Aktien investieren will, dürfte deshalb Richemont als gute Gelegenheit ansehen.

Auch technisch sieht die Aktie ganz gut aus. Sie bewegt sich im Aufwärtstrend und hat frische Kaufsignale gesendet. Allerdings läuft sie nun auf eine recht breite Widerstandszone zu, die von 38 Franken bis 39,30 Franken reicht und an der sie sich schon im Frühjahr 2002 längere Zeit abgearbeitet hatte, bevor sie weiter steigen konnte. Falls sie diese Hürde nehmen könnte, wäre die Marke von 41,25 Franken, ein Zwischenhoch vom Mai 2002, die nächste Orientierungsmarke. (Allerdings könnte das Bankhaus Sarasin dann den Titel zurückstufen, da das von ihm gesetzte Kursziel erreicht wäre. Nicht selten leiden Aktien unter solchen Umstufungen.)

Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Richemont auf dem Frankfurter Parkett
Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von Richemont auf dem Frankfurter Parkett

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @thwi

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