Strategie

Agrarboom lässt die Aktienkurse der Agrarunternehmen sprießen

Eine gute Ernte ist im Agrarboom gefragt

Eine gute Ernte ist im Agrarboom gefragt

03. April 2008 Der Preisauftrieb bei den Agrargütern sorgt nicht nur für Schlagzeilen, sondern macht sich auch bei vielen Agrarunternehmen bemerkbar, die davon direkt oder indirekt profitieren. Dazu zählen Landmaschinenhersteller ebenso wie Düngemittelproduzenten und die Anbieter von Saatgut und Pflanzenschutzprodukten.

Die Fakten zeigen sich am Beispiel des Schweizer Unternehmens Syngenta. Es gab am Donnerstag bekannt, die eigenen Wachstumserwartungen für das erste Quartal des Jahres 2008 übertroffen zu haben. Der Umsatz stieg nach vorläufigen Zahlen im Vergleich zum ersten Quartal des Jahres 2007 bei konstanten Wechselkursen um 20 Prozent. Syngenta verzeichnete Wachstum in allen Regionen. Die Nachfrage nach Pflanzenschutzprodukten war besonders hoch, unterstützt durch eine positive Entwicklung im Bereich Saatgut.

Syngenta verzeichnet hohe Wachstumsraten im Pflanzenschutzgeschäft

Obwohl die Wachstumsrate des ersten Quartals voraussichtlich nicht auf das Gesamtjahr übertragbar sei, geht das Unternehmen angesichts des starken Geschäftsverlaufs im ersten Quartal davon aus, dass der Gewinn pro Aktie für das Gesamtjahr auf verwässerter Basis und vor einmaligen Einnahmen, Restrukturierung, Wertminderung und dem Aktienrückkaufprogramm um als 20 Prozent steigen wird, hieß es weiter. Zuvor hatte Syngenta für die Jahre 2008 bis 2010 ein zweistelliges Gewinnwachstum pro Aktie in Aussicht gestellt ohne dies näher zu spezifizieren.

Die Aktie reagierte darauf mit Kursgewinnen von bis zu sechs Prozent im frühen Handel und setzt damit den Aufwärtstrend der vergangenen Jahre fort, den sie trotz aller Turbulenzen halten kann. Das Unternehmen konnte schon in den vergangenen Jahren deutlich wachsen. Im vergangenen Geschäftsjahr legte der Umsatz um knapp 15 Prozent zu, der Gewinn je Aktie konnte sogar um knapp 79 Prozent gesteigert werden. Auch die Zukunftsperspektiven sehen nicht schlecht aus.

Zum Börsenkurs

Die Unternehmen der Branche profitieren grundsätzlich vom Wachstum der Weltbevölkerung. Führt das alleine schon dazu, dass die Nachfrage nach Agrargütern im engeren und weiteren Sinne zunimmt, so wird diese Entwicklung noch durch Wohlstandseffekte verstärkt. Mit zunehmenden Einkommen verändern sich die Ernährungsgewohnheiten, die Nachfrage nach höherwertigen Nahrungsmitteln - zum Beispiel in Form von Fleisch, Milchprodukten - nimmt zu.

Indirekt führt das zu einem zunehmenden Bedarf an pflanzlichen Rohstoffen, seien es die verschiedenen Getreidesorten oder auch Genussmittel wie Kaffee, Kakao und Zucker. Da agrarische Rohstoffe zudem auch energetisch verwendet werden können, laufen ihre Preise zusammen mit den Energiepreisen nach oben. Das gilt vor allem in einem Umfeld, in dem solche Umwandlungsprozesse trotz aller berechtigten Zweifel an der Energiebilanz mit öffentlichen Mitteln gefördert werden.

Die Aktienkurse vieler Düngemittelhersteller gehen durch die Decke

Die Nachfrage kumuliert nun ausgerechnet in einer Phase, in der sich die Investitionsdefizite und die planwirtschaftlichen Maßnahmen der vergangenen Jahre zusammen mit klimatischen Turbulenzen in Form geringer Lagerbestände und einer eingeschränkten Produktionsfähigkeit zeigen. So dürfte es kaum verwundern, dass die Preise der Agrarrohstoffe nach oben laufen.

Mögen die etablierten Trends zusätzlich von spekulativen Anlegern getrieben werden und entsprechend korrekturanfällig sein, so werden sie die Landwirte trotzdem dazu veranlassen, ihre Produktion auszuweiten. Dazu brauchen sie Boden, Saatgut, Maschinen sowie Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Genau diese Nachfrage beflügelt die operative Entwicklung der in diesen Bereichen tätigen Firmen.

Auf dieser Basis kann es kaum verwundern, dass die Kurse ihrer Aktien nach oben laufen. Papiere von Herstellern von Landmaschinen wie Lindsay (Bewässerungsysteme), AGCO, CNH, Deere oder auch Bucher Industries konnten auf Sicht eines Jahres Kursgewinne von bis zu mehr als 245 Prozent verbuchen, da ihre Umsätze und Gewinne steigen. Bei den Düngemittel-, Pflanzentechnik- und Agrarrohstoffunternehmen wie Gubre Fabrikalari, Mosaic, K+S, Potash Corp of Saskatchewan oder auch Syngenta und Monsanto sieht es nicht viel anders aus. Allerdings dürfte es inzwischen ratsam sein, genauer auf die Bewertung der Werte zu achten.

Nach einer langen Phase mit einer disinflationären oder gar deflationären Preisentwicklung ist im Agrarbereich eine Eigendynamik entstanden, die sich in der Volkswirtschaft auswirkt. So konnten sich in den Vereinigten Staaten im mittleren Westen ganze Regionen mit der Energieproduktion neue Einkommensquellen erschließen, in Europa sieht es ähnlich aus. Auf dieser Basis dürften sich die Unternehmen in diesen Bereichen auch weiterhin vergleichsweise robust entwickeln können.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, Syngenta

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